Christian Fuchs ist neuer Vorsitzender der Kreisbauernschaft, Martin Richrath aus Erftstadt-Dirmerzheim ist Stellvertretender.
LandwirtschaftDas ist die neue Spitze der Kreisbauernschaft Köln/Rhein-Erft

Die neuen an der Spitze der Kreisbauernschaft: Martin Richrath, stellvertretender Kreisvorsitzender (v.l.n.r.), und Kreisvorsitzender Christian Fuchs mit dem ehemaligen Kreisvorsitzenden Willy Winkelhag und Erich Gussen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes.
Copyright: Margret Klose
Der neue Vorsitzende der Kreisbauernschaft Köln/Rhein-Erft-Kreis heißt Christian Fuchs. Er ist 47 Jahre alt und kommt aus dem Kölner Norden. Den Bauernhof, auf dem er heute Spargel, Gemüse und Getreide anbaut, haben seine Vorfahren 1761 aufgebaut.
Im Februar wurde Fuchs zum neuen Vorsitzenden und Martin Richrath aus Erftstadt-Dirmerzheim zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kreisbauernschaft gewählt. Als Team wollen sie künftig in Köln und im Rhein-Erft-Kreis agieren und sich für die Belange der Landwirte dort einsetzen. „Wir arbeiten ja beide in Vollzeit in unseren Betrieben“, erklärte Fuchs. Da mache es Sinn, die Kräfte und auch die Aufgaben im neuen Ehrenamt so gut es geht aufzuteilen.
Die Überlegung sei, dass Fuchs sich verstärkt um den nördlichen Rhein-Erft-Kreis kümmert. „Und ich übernehme die Aufgaben dann verstärkt im südlichen Rhein-Erft-Kreis“, ergänzte Richrath. Genau wie Fuchs ist auch Richrath auf seinem Bauernhof, dem Justenhof, den schon seine Vorfahren vor einigen 100 Jahren aufgebaut haben, groß geworden. „Wir haben uns aktuell auf Ackerbau konzentriert und führen hier eine Pferdepension“, erklärte der 61-Jährige. Einvernehmlich sagten er und Fuchs: „Wir freuen uns auf unser neues Ehrenamt.“ Gleichwohl sehen sie viel Arbeit auf sich zukommen.
Rhein-Erft: Herausforderungen in der Landwirtschaft
Die Herausforderungen in der Landwirtschaft sind ihrer Meinung nach zurzeit sogar ziemlich gewaltig. Fuchs sprach den Dieselpreis an. Zwar habe es 2020 zu Beginn der Corona-Krise auch schon sehr hohe Treibstoffpreise gegeben, doch die aktuelle Entwicklung sei noch einmal eine ganz andere Liga.
„Die Mehrkosten für Diesel betragen berechnet aufs Jahr alleine in unserem Betrieb etwa 100.000 Euro“, erklärte Fuchs. So könne und dürfe das nicht weitergehen, ansonsten stehe wirklich viel auf dem Spiel, und das nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in vielen produzierenden Betrieben. „Jetzt ist die Politik gefordert, um die Unternehmen so weit zu entlasten, damit weiter produziert werden kann“, sagte Fuchs.
Einmischen wollen sich Richrath und Fuchs auch in die Planungen der Städte und Kommunen von Infrastruktur und in die Ausweisungen von Ausgleichsflächen und Naturschutz – erst recht, wenn immer öfter auch das Wort „Olympia“ in der Region ausgesprochen wird. „Dieses große Sportevent darf nicht auch noch auf Kosten weiterer landwirtschaftlicher Flächen verwirklicht werden“, sagte Fuchs.
Er und Richrath sind vielmehr bestrebt, neue Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung dazu zu gewinnen – etwa in Elsdorf im ehemaligen Tagebaugebiet. Als Bindeglied zwischen den Landwirten und der Politik wissen sie aber auch, dass sie für ihre Bestrebungen die Finger auch schon mal tief in die Wunden drücken müssen. „Das gehört dazu“, sagte Fuchs.
Ansonsten hoffen sie natürlich auch darauf, dass sie bei den neuen Aufgaben die Region und die Menschen und Berufskollegen, die dort leben, noch sehr viel besser kennenlernen. „Und das ist auf jeden Fall eine Bereicherung“, sind sie sich einig.
Einsatz für regionale Landwirtschaft
Fast zwölf Jahre war Willy Winkelhag (71) Vorsitzender der Kreisbauernschaft. „Es war jetzt genau die richtige Zeit, um Jüngere ranzulassen“, sagt er. Ganz bewusst habe er sich deswegen nicht mehr für die Wiederwahl zur Verfügung gestellt. Nach wie vor bleibt Winkelhag aber dem Vorstand der Kreisbauernschaft als Beisitzer und Vertreter der Mitglieder in seiner Heimatstadt Hürth erhalten.
Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für die Landwirtschaft haben ihm der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, Erich Gussen, und der neue Vorsitzende Christian Fuchs aufs Herzlichste gedankt und ihn dann einstimmig zum Ehrenvorsitzenden der Kreisbauernschaft gewählt. „Ich bleibe dem Gremium also noch ein bisschen erhalten“, sagt Winkelhag. So wie seine Nachfolger im Ehrenamt ist auch er in der Landwirtschaft groß geworden – auf dem Lindenhof in Hürth-Stotzheim. Ihn führt er heute zusammen mit seinem Sohn in der vierten Generation. Ihm und seiner Tulpenvielfalt verdankt Hürth alle Jahre wieder auch den „Tulpen-Tourismus“. Schon in zwei, drei Wochen geht es wieder los. Winkelhag vermarktet seine Tulpen direkt ab Feld an die Verbraucher.
Für den Erhalt der guten Böden und für eine regionale Vermarktung aller auf den Feldern produzierten Erzeugnisse hat sich Winkelhag in seinem Ehrenamt und als Landwirt eingesetzt. Selber hat er auch Getreide, Zuckerrüben, Buschbohnen und Kartoffeln im Anbau. „Ich habe jedoch bis heute das Gefühl, dass weder die Verbraucher noch der Einzelhandel hundertprozentig hinter der regionalen Vermarktung stehen“, sagt er. (mkl)

