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Mein LieblingsplatzDie Musikschule Frechen ist für Paul Pesch ein „Schlaraffenland“

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Auf dem Bild ist ein Mann an einem Aktenschrank zu sehen.

Als Schatzkiste bezeichnet Paul Pesch, Leiter der Bigband der Musikschule Frechen, den großen Notenschrank im Proberaum.

Paul Pesch ist Leiter der Bigband. Der 71-Jährige ist mit den Räumlichkeiten der Musikschule Frechen seit seiner Geburt verbunden.

Wenn Paul Pesch seinen beiden Enkeltöchtern beim Klaviervorspiel im Orchestersaal der städtischen Musikschule Frechen zuhört, schließt er manchmal die Augen. „Dann meine ich, ganz genau den Geruch von früher riechen zu können, das ist sehr berührend“, erzählt der Leiter der Bigband der Musikschule wehmütig.

„Früher“ bedeutet dabei für den 71-Jährigen die Zeit, in der er als kleiner Junge fast jeden Sonntag schon um 6.20 Uhr in diesem Raum als Messdiener tätig war – der Orchestersaal wurde früher als Kapelle des dort ansässigen, ehemaligen St.-Katharinen-Hospitals genutzt. „Nach der Messe gab es immer bei den Nonnen Frühstück, an Weihnachten und Ostern sogar kleine Geschenke“, erinnert sich Pesch.

Frechen: An Rosenmontag 1955 im Kreißsaal des ehemaligen Krankenhauses geboren

Die Nonnen arbeiteten als Schwestern in dem Krankenhaus und wohnten direkt nebenan in einem Wohnheim, das heute noch in fast gleichem Grundriss für die Unterrichtsräume der Musikschule genutzt wird. Das 1882 eingeweihte Krankenhaus, das durch die großzügige Spende der Witwe Katharina Schmitz ermöglicht wurde, war bis 1974 an dem Standort ansässig. Dann zog es in den Neubau an der Kapellenstraße, die Musikschule übernahm die Räume an der Dr.-Tusch-Straße 1976.

Auf dem Bild ist die ehemalige Kapelle des Krankenhauses zu sehen, sie ist heute Orchestersaal.

Die ehemalige Kapelle des Krankenhauses und heutige Orchestersaal der Musikschule hat für Paul Pesch eine ganz besondere Bedeutung.

Die Verbundenheit von Pesch mit dem Standort reicht aber noch viel weiter zurück als nur zu seiner Messdienerzeit: Am 21. Februar 1955 – einem Rosenmontag – wurde er dort im Kreißsaal geboren, wenige Wochen später in der Kapelle getauft. Als Kind spielte er auf dem Grundstück und wurde zweimal in dem Krankenhaus operiert. Auch sein Vater musste sich dort einer Operation unterziehen, als Pesch etwa acht Jahre alt war.

Auf dem Schwarz-Weiß-Bild ist eine Taufe im Jahr 1955 zu sehen.

Paul Pesch wurde kurz nach seiner Geburt sogar in der ehemaligen Kapelle, dem heutigen Orchestersaal, getauft.

„Er lag genau hier mit elf anderen Patienten in einem Krankenzimmer“, erinnert sich Pesch in einem großen Unterrichtsraum in der ersten Etage der Musikschule. Der Vater habe erzählt, dass einige seiner Mitpatienten trotz ihrer Gipsbeine nachts über die Mauer geklettert und in die benachbarte Eckkneipe zum Biertrinken ausgebüxt seien. „Als die Nonnen dies am nächsten Morgen bemerkt haben, haben sie sehr geschimpft“, berichtet er.

Paul Pesch war als Teenager beim Umbau der Musikschule aktiv

Auch als Teenager kam er in das Gebäude zurück: Er spielte bereits in einem Orchester und wurde von dem späteren Leiter der Schule, Bernd-Rainer Stammwitz, angesprochen, bei der Herrichtung der Räume in dem ehemaligen Schwesternwohnheim mitzuhelfen.

„Wir haben alle mit angepackt, damals ging so etwas noch unbürokratischer als heute“, berichtet Pesch. Es wurden Mauern eingerissen und renoviert: Unter anderem half er dabei, Wände in einem großen Raum im Erdgeschoss mit Holzpaneelen zu vertäfeln. Und noch heute, Jahrzehnte später, steht er jeden Freitagabend in genau diesem Raum und probt mit seiner Bigband – die Paneelen sind immer noch gut in Schuss.

Es ist ein Platz, an dem ich seit Jahrzehnten festgewachsen bin, mein zweites Zuhause
Paul Pesch, Leiter der Bigband der Musikschule Frechen

„Dieser Raum hat für mich – neben der Kapelle – eine ganz besondere Bedeutung und ist mein Lieblingsplatz hier“, erklärt der zweifache Vater und Großvater von vier Enkeln. Manchmal, bei den Proben, sei er von Musik und Betriebsamkeit erfüllt, manchmal könne es aber auch ganz still sein – immer dann, wenn Pesch einfach mal so vorbeikommt und sich unter anderem dem großen Holzschrank an einer Wandseite widmet: „Hier verbirgt sich ein Schatz, den ich hüten darf“, schmunzelt der Bachemer. In ihm lagern, sorgfältig von Pesch sortiert und gepflegt, etliche Notenpapiere.

Nicht nur dieser Raum, der eine kleine Bühne, Platz für Musiker und Instrumente sowie für die Lagerung von Trommeln für den Karnevalszug biete, bringe Besucher von außerhalb manchmal zum Staunen, so Pesch: „Die Musikschule ist wirklich ein Schlaraffenland, viele glauben gar nicht, dass uns die Stadt so etwas ermöglicht.“ Und auch er selber, der hauptberuflich in der pharmazeutischen Industrie tätig war, könne diesen Ort einfach nicht missen. „Es ist ein Platz, an dem ich seit Jahrzehnten festgewachsen bin, mein zweites Zuhause“, so Pesch mit Rührung.


Auftritt der Bigband

Beim Stadtfest auf dem Johann-Schmitz-Platz am Mittwoch, 2. September, spielt die Bigband von 16 bis 17 Uhr. Weitere Informationen hier.


Die Serie „Mein Lieblingsplatz“

Für die eine ist es der Friedhof, für den anderen ein Sportplatz oder ein verstecktes Wegekreuz – ganz individuell fällt die Wahl des Lieblingsplatzes im Kreis aus. In jeder Ausgabe während der Sommerferien stellen wir mit der Serie „Mein Lieblingsplatz“ einen Ort in den zehn Kommunen vor, der für einen Menschen eine besondere Bedeutung hat, und laden zur Entdeckungstour ein.

Mit dieser Folge endet unsere Sommerserie. (red)