Seit 2020 ist die Anzahl wohnungsloser Menschen im Kreis um 255 Prozent von 1.418 auf 3.615 Personen gestiegen. Der SKM fordert kommunalpolitische Konsequenzen.
SKM appelliertSo groß ist die Wohnungskrise in Frechen und im Kreis

Die Zahl der Wohnungs- und Obdachlosen im Rhein-Erft-Kreis ist alarmierend gestiegen. (Symbolbild)
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Die Zahlen bleiben weiterhin alarmierend, der Handlungsbedarf scheint dringlicher denn je: Immer mehr Menschen geraten aufgrund gestiegener Mieten in Not. Viele verlieren ihre Wohnungen und finden keinen Ersatz – die Folge ist oft Obdachlosigkeit mit Unterbringung in kommunalen Unterkünften.
Für den Rhein-Erft-Kreis gelten erschreckende Zahlen: Seit 2020 ist die Anzahl wohnungsloser Menschen im Kreis um 255 Prozent von 1.418 auf 3.615 Personen gestiegen. Hiervon waren 2024 3.365 Personen von den Kommunen in Notunterkünften untergebracht, 250 Menschen waren gänzlich ohne Wohnraum.
Der Verlust der Wohnung ist für die Betroffenen eine Katastrophe. Präventiv Wohnungsverluste zu vermeiden, ist daher erstes Mittel der Wahl
Seit mehr als 50 Jahren, seit 1987, unterstützt der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) mit den Fachdiensten der Wohnungsnotfallhilfe diese in Not geratenen Personen. „Wir haben täglich mit Betroffenen zu tun und unterstützen im Rahmen unserer Möglichkeiten, doch es werden jährlich mehr. Der Hauptgrund hierfür ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum“, analysiert Dominik Schmitz, Abteilungsleiter der Wohnungsnotfallhilfe.
In 2024 wurden dem SKM insgesamt 1.402 wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen persönlich beraten und betreut. Zusätzlich fanden 1.260 anonyme Beratungen per Telefon oder E-Mail statt.

Dominik Schmitz ist Abteilungsleiter der SKM-Wohnungsnotfallhilfe.
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„Der Verlust der Wohnung ist für die Betroffenen eine Katastrophe. Präventiv Wohnungsverluste zu vermeiden, ist daher erstes Mittel der Wahl. Falls das nicht möglich ist, schnell eine neue Wohnung zu beschaffen, braucht es ein strukturiertes Angebot sowohl in Frechen als auch im gesamten Rhein-Erft-Kreis“, so Schmitz.
Frechen: Laut einer Studie sind Mieten seit 2021 um 20 Prozent gestiegen
Die Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ biete beides erfolgreich. „Wir sehen die nächsten Stadträte und den Kreistag in der Pflicht, das Angebot nachhaltig im kommunalen Haushalt zu verankern. Falls das nicht gelingt, fällt dieses Angebot ersatzlos weg. Eine Lücke die von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen direkt trifft“, erläutert der SKM.
Auch in Frechen ist die Lage bedrohlich: „Die Wohnungskrise in Frechen spitzt sich zu“, analysiert der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) für den Rhein-Erft-Kreis. Seit 2021 seien die Mieten dort um 20 Prozent gestiegen, wie die Zahlen der Empirica Preisdatenbank zeige. Zudem liege die Leerstandsquote mit 0,98 Prozent unter den von Fachleuten empfohlenen drei Prozent, was auf einen angespannten Wohnungsmarkt und einen hohen Konkurrenzdruck bei der Wohnungssuche hinweise. Hinzu käme, dass eine Studie der NRW. Bank zeige, dass in Frechen bis 2030 rund 62 Prozent der Sozialwohnungen aus der Preisbindung fallen und dann zu Marktpreisen vermietet werden könnten.
Das Thema Wohnen gehört ganz oben auf die kommunalpolitische Agenda. Wer zur Kommunalwahl antritt, muss sagen, wie er oder sie bezahlbares Wohnen sichern will und kann nicht nur auf Bund und Land verweisen
„Durch die hohen Wohnkosten haben Beschäftigte Probleme, eine bezahlbare Wohnung in der Nähe ihrer Arbeitsstelle zu finden. Das führt zu erhöhtem Verkehrsaufkommen und Unternehmen haben Schwierigkeiten, Fachkräfte anzuwerben. Eine soziale Wohnungspolitik entlastet die Verkehrsinfrastruktur und ist Teil kommunaler Wirtschaftsförderung. Diese Zusammenhänge müssen bei kommunalen Investitionsentscheidungen mitgedacht werden. Ferner fällt es den Menschen schwer ihrer Beschäftigung weiter nachzugehen, wenn sie sich durch Wohnungsverlust in prekären Wohnsituationen mit Mehrbettzimmern in Notunterkünften wiederfinden“, betont der SKM.
„Das Thema Wohnen gehört ganz oben auf die kommunalpolitische Agenda“, betont der Sozialdienst. „Wer zur Kommunalwahl antritt, muss sagen, wie er oder sie bezahlbares Wohnen sichern will und kann nicht nur auf Bund und Land verweisen. Alle politischen Ebenen können und müssen ihren Beitrag für bezahlbares Wohnen leisten.“
Es sei ihm ein Anliegen, gemeinsam mit dem Bündnis „Wir wollen wohnen“ auf die Misere und die Dringlichkeit einer sozialen kommunalen Wohnungspolitik aufmerksam zu machen, so Schmitz. Daher beteiligt sich der SKM am Aktionstag des Bündnisses, Freitag, 29. August, von 9 bis 12 Uhr mit einem Stand in der Nähe des Marktplatzes am Rathaus in Frechen.