Die Himmelsleiter-Trails auf der Glessener Höhe im Königsdorfer Wald sind ein Paradies für Biker. Mindestens einmal im Monat pflegen sie die Strecke.
Trails und Skill-ArenaSo genießen die Mountain-Biker den Königsdorfer Wald in Frechen

Nur für das Foto und wirklich nur ganz kurz, fahren die Biker um Dennis Müller (l.) dann auch mal gegen die Fahrtrichtung.
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„Hier auf den Trails spüre ich mich und das Leben ganz intensiv“, sagt Dennis Müller (34). Das sei Freiheit pur. Und alleine ist er mit diesem Gefühl keineswegs. Denn auch im Winter sind die beiden Himmelsleiter-Trails auf der Glessener Höhe im Königsdorfer Wald ein wahres Mekka für Biker, besonders am Wochenende. Manche, wie Dennis Müller, vergessen bei ihrem Hobby alles um sich herum, leben nur im Hier und Jetzt, genießen auf der Abfahrt das schöne Gefühl von Freiheit und Nervenkitzel – und werden dabei eins mit ihrem Bike, dem Wald und dieser atemberaubenden schönen Strecke.
Der blaue Trail, „die Glessener Welle“, ist für Einsteiger und Fortgeschrittene geeignet. Der rote Trail, die „Teufelsleiter“, hat es richtig in sich. Mit einer Länge von rund 450 Metern führt sie teils steil bergab und ist für etliche Biker in nur einer Minute zu schaffen. Mühsam ist – je nach Kondition und Bike – anschließend allerdings der Weg den Berg hinauf zurück zum Start. „Ohne E-Antrieb muss man da schon ganz ordentlich in die Pedale treten – fünf bis sechs Minuten geht es stramm bergauf“, erklärt Müller.

Und wer möchte, der strampelt nach dem Training auf den Trails auf dem Hauptweg locker auch noch bis ganz nach oben - bis zum Gipfelkreuz in 204 Metern auf künstlichen Berg - die Glessener Höhe.
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Rund um die Uhr geöffnet ist auch die Skill-Arena, der „Fuchsbau“, wo die Fahrtechniken verfeinert werden können. Zurückblickend ist der 34-Jährige froh, dass alles so gekommen ist. Noch ist die Strecke ja nicht einmal sechs Monate alt. Und doch kommt es auch Müller schon so vor, als sei es bereits Jahrzehnte her, dass die Biker mit ihren Rädern noch einfach so im Königsdorfer Wald durch das Gelände gesaust sind. Damals kannten sich die Biker auch untereinander kaum. Erst mit der Neugestaltung des Naturkonzepts im Königsdorfer Wald 2022 ist diese Gemeinschaft entstanden. Es ist ein neues Miteinander und das „Wir-Gefühl“ gewachsen.
Ohne E-Antrieb muss man da schon ganz ordentlich in die Pedale treten – fünf bis sechs Minuten geht es stramm bergauf
Quasi von heute auf morgen hatte damals die Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft die Seitenwege und die schmalen Pfade geschlossen, die Radfahrer, Wanderer und Reiter über Jahrzehnte abseits der Hauptwege in dem Königsdorfer Wald genutzt hatten. Dicke Baumstämme, Geäst und andere Hindernisse machte es den Bikern und Wanderern fortan unmöglich, die alten Wege weiter zu nutzen.
Dem Frust der Biker folgten bald Gespräche mit den zuständigen Mitarbeitern der Kreisverwaltung und des Regionalforstamts – Kompromisse wurden gesucht und gefunden. Im Februar 2024 erhielten die Biker dann die verbindliche Zusage für den Bau einer Mountainbike-Strecke in den rekultivierten Wald der Glessener Höhe. Noch im gleichen Jahr, im Mai 2024, wurde die Interessengemeinschaft Erft (mit inzwischen fast 90 Mitgliedern) gegründet. „Wir sind zwar eigenständig, aber trotzdem der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) angeschlossen“, erklärt Müller, der direkt auch zum Vorsitzenden der IG Erft gewählt wurde.
Frechen: Mehr als 50 Tonnen Lehm mit Schubkarren in den Wald gerollt
Er war auch dabei, als im November 2024 der ausgehandelte Gestattungsvertrag für das besprochene Gebiet unterschrieben wurde. „Damit hatten wir grünes Licht für den Bau unserer Himmelsleiter-Trails“, sagt er. Unter seiner Regie wurde die Strecke geplant und immer sonntags über mehrere Monate bis Ende August 2025 gebaut. Ohne schwere Arbeitsgeräte haben rund 30 Ehrenamtler Rampen gezimmert und die Fahrspuren in den Berg gegraben – und dabei mehr als 50 Tonnen Lehm mit Schubkarren in den Wald auf den Glessener Berg gerollt, um so die Strecke zu festigen.

Mindestens einmal im Monat bringen die Biker von der Glessemer Höhe ihre Strecke gemeinsam auf Vordermann.
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„Die Glessener Höhe ist ja eine Abbauhalde“, erklärt Müller. Man müsse nur ein bisschen an ihrer Oberfläche kratzen, da stoße man schon auf Sand. „Und Sand ist wegen der Rutschgefahr für Biker kein guter Untergrund“, erklärt er. Letztendlich haben sich die Mühen aber gelohnt, und Müller bereut rückblickend nicht eine Stunde, die in er dieses Projekt investiert hat. Sogar bei Frost, Eis und Schnee kommen Biker aus dem ganzen Rheinland zu den Himmelsleiter-Trails. „Die Strecke ist ja auch öffentlich und darf von jedem gefahren werden“, betont Müller.
Auch jetzt, fast sechs Monate nach der offiziellen Eröffnung der Bike-Parcours, kommt der harte Kern der IG Erft mindestens an einem Sonntag im Monat zusammen, um an ihrer Strecke weiter zu arbeiten. Dann werden Pläne geschmiedet, Elemente entworfen, die Fahrspuren repariert und möglicherweise auch erneut mit Lehm unterfüttert. Mitunter werden aber auch die Kurven dem Fahrstil der Nutzer angepasst und ausgebaut, um die Abfahrt vielleicht sogar noch ein bisschen spektakulärer zu gestalten. „Fertig werden wir hier nie - doch das ist ja auch in keiner Weise unser Ziel.“, lacht der IG Vorsitzende.

