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Boeser FrischfleischSo stark baut der Familienbetrieb in Frechen sein Unternehmen aus

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Auf dem Bild ist eine Luftaufnahme des Produktionsstandorts in Frechen zu sehen.

Der Frechener Familienbetrieb Boeser Frischfleisch GmbH verfügt in Frechen über 6300 Quadratmeter Produktionsfläche. 2025 erwirtschaftete Boeser mit 320 Mitarbeitern rund 210 Millionen Euro Umsatz, bis zu 20.000 Schweine werden hier wöchentlich zerlegt

2025 erwirtschaftete Boeser mit 320 Mitarbeitern rund 210 Millionen Euro Umsatz. Nun expandiert das Unternehmen erheblich.

Der Frechener Familienbetrieb Boeser Frischfleisch GmbH hat in einem Bieterverfahren einen großen Schlachthof in Crailsheim in Süddeutschland vom Vion-Konzern übernommen und baut sein Tätigkeitsfeld damit erheblich aus: Bislang war das Frechener Unternehmen mit einem weiteren Standort im Münsterland auf Fleischzerlegung spezialisiert. 2025 erwirtschaftete Boeser mit 320 Mitarbeitern rund 210 Millionen Euro Umsatz, bis zu 20.000 Schweine werden wöchentlich zerlegt. In Crailsheim werden jährlich rund eine Million Schweine und 95.000 Rinder geschlachtet, 593 Mitarbeiter sind dort beschäftigt – sie sollen alle übernommen werden.

Auf dem Bild ist ein Portrait des Geschäftsführers Christian Boeser zu sehen.

Geschäftsführer Christian Boeser leitet das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Axel in der dritten Generation.

Mit der Zustimmung des Kartellamts wird in den nächsten Wochen gerechnet, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Geschäftsführer Christian Boeser, der das Unternehmen mit seinem Bruder Axel leitet, erläutert im Gespräch mit Alexa Jansen, warum das Unternehmen in die Schlachtung einsteigt und welche Pläne er für Frechen und den neuen Standort hat.

Was sind Ihre Ziele mit dem Kauf des Schlachthofs? Was bedeutet er für das Unternehmen?

Christian Boeser: Das Hauptziel für uns ist tatsächlich die Rohstoffsicherung. Frechen ist ja ein reiner Zerlegestandort. Mit Blick auf die Wertschöpfungskette würde es nicht viel bringen, dort Schlachtkapazitäten zu schaffen, da in Frechen und Umgebung nur noch wenig Viehhaltung angesiedelt ist. Wir kaufen unsere Schweinehälften von verschiedenen deutschen Schlachthöfen zu, aber mit unseren wachsenden Umsätzen wird es immer aufwendiger, an genügend Fleisch zu kommen.

Zudem beliefern wir bereits heute Kunden in Süddeutschland, der Standort passt daher strategisch sehr gut zu unserer Struktur. Von Frechen aus liefern wir viel nach Süddeutschland und in die angrenzenden Nachbarländer, da fehlte uns in diese Richtung noch ein Stück weit die Absicherung des Rohstoffs.

Wieso haben Sie sich 2003 für den Standort Frechen entschieden?

Die Immobilie und die Flächen in Frechen haben damals eine gute Gelegenheit für uns geboten. Die Rahmenbedingungen, die wir dort vorgefunden haben, passten zu unserer Geschäftsentwicklung, wir konnten auf den dortigen Gegebenheiten aufsetzen und so an einem neuen Ort eine moderne Produktionsstätte schaffen.

Diese Gelegenheit haben wir genutzt und sind seinerzeit mit dem Unternehmen von Köln nach Frechen gezogen. Ein Teil des Betriebs ist Altbestand, dann haben wir einmal angebaut und einmal Räumlichkeiten zugekauft. Im Laufe der letzten Jahren haben wir uns stetig weiterentwickelt. Aktuell haben wir 6300 Quadratmeter Produktionsfläche.

Wie sah die Entwickung Ihrer Produktpalette aus?

Wir haben auch den Schritt in Richtung Feinzerlegung gemacht, so dass Metzgereien, Einzelhandel, Fleischwarenindustrie und auch Gastronomie von uns laden – oder produktionsfertige Teilstücke bekommen. Selbstbedienungswaren wie geschnittene Scheiben, Geschnetzeltes oder Gulasch liefern wir bislang nicht, dies könnte allerdings mittelfristig eine strategische Ergänzung sein – auch für den Standort in Frechen. Auch daher war es für uns wichtig, den Rohstoff für das gesamte Unternehmen zu sichern.

Welche Vorteile bietet der zugekaufte Schlachhof noch für das Unternehmen?

Crailsheim ist für uns auch eine gute Gelegenheit, nicht nur Schweine- , sondern auch wieder mehr Rindfleisch zu verarbeiten. Wir kommen ursprünglich aus dem Rindersektor. Bislang war ja der Zerlegebetrieb in Frechen auf Schweine spezialisiert, nachdem wir dort früher beide Fleischsorten parallel hatten. Dann haben wir aber vor einigen Jahren auf einen reinen Monobetrieb mit Schweinen umgestellt, um auch bestimmte Exportmärkte bedienen zu können.

Dies ist eben sehr wichtig, um die maximale Wertschöpfung generieren zu können. Da können die typischen „Chen-Artikel“, also Schwänzchen, Füßchen, Öhrchen, auch vermarktet werden, weil es in anderen Ländern dafür eine andere Wertschätzung als in Deutschland gibt. Das sind Länder in Asien, Amerika oder auch Afrika. Hierzulande werden sie an der Ladentheke kaum noch verkauft. Es ist auch im Sinne der Landwirte, möglichst viele Teile vom Tier zu verarbeiten.

Wie entwickeln sich die Märkte nach Ihrer Prognose weiter?

Wie sich die Märkte weiterentwickeln, gerade im Bereich der Metzgereien oder auch im Einzelhandel, da ist die Personalfrage ein ganz großes Thema. Es kann durchaus sein, dass wir den Standort Frechen und dessen Verbrauchernähe für einen nächsten Schritt in der Wertschöpfungskette nutzen – zum Beispiel hinein in den SB-Bereich. Das wird aber die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall werden wir in Frechen künftig unseren Bestandskunden auch Rindfleisch anbieten. Wie, das hängt vom Kundeninteresse ab.

Ist beim Fleischkonsum ein Trend erkennbar?

Schweinefleisch war zwei, drei Jahre lang rückläufig im Konsum, hat sich die letzten zwei Jahre aber wieder stabilisiert und ist sogar minimal steigend. Das ist sicherlich durch die wachsende Vielfalt bei den Esskulturen bedingt. Dem gegenüber steht ein bewusster Verzicht auf Schweinefleisch, beispielsweise aus religiösen Gründen. Mit einer breiteren Aufstellung können wir insgesamt noch besser auf die Anforderungen von Kunden und ihre Essgewohnheiten reagieren. Darüber sind wir natürlich froh.

Wie sieht die Personalsituation bei Ihnen aus?

Insgesamt haben wir ja bislang 320 Mitarbeiter an beiden Standorten, in Frechen sind ungefähr 60 Prozent davon tätig. Wir haben eine eigene Fahrzeugflotte mit rund 30 Fahrzeugen, mit denen wir die Ware deutschlandweit und in die Nachbarländer ausliefern. Mitarbeiter und Fahrer zu finden, wird immer schwieriger. Auch die Hürden, in Deutschland einen Lkw-Führerschein zu machen, werden immer höher. Ich habe zwei Söhne, die ihn jetzt gemacht haben, auch um mal eine Tour zu übernehmen, da ist man dann beim LKW-Führerschein mit je mehreren Tausend Euro dabei.

Die vierte Generation ist also auch schon im Betrieb aktiv?

Ja, von den Kindern von meinem Bruder und mir, gibt es bereits drei, die mit Anfang 20 und 30 schon im Betrieb aktiv sind und auch Interesse bekundet haben, das Unternehmen später mal fortzuführen. Insgesamt haben meine Schwester, mein Bruder und ich zusammen neun Kinder, bei einigen ist die Zukunft noch offen. Da muss man mal schauen, ob noch mehr mit einsteigen, aber das sollen alle frei wählen können. Natürlich war das Interesse und Engagement der nächsten Generation auch ein Grund, so einen großen Schritt für die Zukunft zu machen.


Das Unternehmen Boeser Frischfleich GmbH

Der Vater der heutigen Geschäftsführer Axel und Christian Boeser arbeitete als Metzger und Viehhändler. 1988 übernahm die Familie den Kölner Fleischgroßhandel Claus Hätsch, 1995 den Fleischgroßhandel Otto Willi Haas. 2000 wird der Geschäftsbetrieb erweitert, der Innereiengroßhandel Pütz & Clemens wird übernommen.

2003 wird mit dem Kauf des Grundstücks und der Immobilie der Firma K & S Agra-Fleisch der Firmensitz nach Frechen an die Gottlieb-Daimler-Straße 1 verlegt. 2015 wird der Betrieb in Frechen durch den Zukauf von Hallen und Büroflächen erweitert. 2017 entsteht der weitere Produktionsstandort Schöppingen im Münsterland. (aj)