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InterviewNach 27 Jahren als Vorständin beim SkF Rhein-Erft geht Ulrike Schubert in den Ruhestand

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Auf dem Bild ist das Portrait einer Frau zu sehen, sie sitzt an einem Tisch.

 Ulrike Schubert hat 26 Jahre den Sozialdienst katholischer Frauen Rhein-Erft-Kreis e.V. geführt. Der Fokus des Vereins liegt bei Frauen. 

75 Jahre Sozialdienst katholischer Frauen - Vorständin Ulrike Schubert geht im September in Ruhestand

Der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) ist seit 75 Jahren eine Institution im Rhein-Erft-Kreis. Die Mitarbeiterinnen beraten Familien, Alleinerziehende und Schwangere professionell, Ehrenamtler unterstützen Schulkinder bei den Hausaufgaben oder Migrantinnen und Migranten bei der Integration. Beate Schwarz sprach mit der scheidenden Vorständin Ulrike Schubert darüber, ob und warum das Motto „Frauen für Frauen“ noch immer trägt.

In der Geschäftswelt beschreibt das Alleinstellungsmerkmal, der USP, die einzigartige Eigenschaft oder den besonderen Vorteil eines Produkts oder einer Dienstleistung. Was ist der USP des SkF?

Ulrike Schubert: Der frauenspezifische Ansatz. Er steckt im Motto „Frauen für Frauen“. Frauen wachsen mit anderen Rollenbildern und unter anderen Bedingungen auf als Männer. Wer etwas für Frauen erreichen möchte, muss das berücksichtigen.

Der SkF wurde wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, als es viele alleinstehende Frauen gab. Warum liegt der Fokus auch 75 Jahre nach der Gründung bei den Frauen?

Die Benachteiligung von Frauen hat sich etwas verringert, von Gleichstellung sind wir aber noch weit entfernt. Das betrifft die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Benachteiligung aufgrund von Pflegearbeit oder Kindererziehung. Nach wie vor erhalten Frauen einen geringeren Lohn als Männer für die gleiche Arbeit und sind im Alter häufig von Armut betroffen. Es ist Auftrag des SkF, Hilfsangebote zu entwickeln, die an den Möglichkeiten der einzelnen Frau orientiert sind. Daraus ergibt sich auch die Arbeit mit Kindern und Partnern.

Arbeiten beim SkF ausschließlich Frauen?

Auf Führungsebene und im ehrenamtlichen Aufsichtsgremium: ja. Unter den Mitarbeitenden haben wir einige Männer. Familienfreundliche Arbeitsangebote sind uns wichtig. Wenn ich ausscheide, wird es eine Doppelspitze mit Vorständinnen in Teilzeit geben.

Wo im Rhein-Erft-Kreis ist der SkF präsent?

Im gesamten Kreis. Wir wollen wohnortnah erreichbar sein. Gerade Frauen haben oft kein eigenes Auto. Der Öffentliche Nahverkehr ist suboptimal und teuer. Das macht es für Frauen mit kleinen Kindern schwierig, unterwegs zu sein.

Von Beginn hat der Verein Vormundschaften und Betreuungen übernommen. Wie wichtig ist dieser Bereich heute?

Betreuungen nehmen zu. Das hat verschiedene Gründe. Es gibt immer mehr sehr alte Menschen, deren Familien nicht in der Nähe leben. Bei Jüngeren sind psychische Erkrankungen ein Faktor. Der Verein führt 130 Betreuungen und sieben Vormundschaften. Wir würden mehr übernehmen, aber die Refinanzierung deckt leider nicht die Kosten. Ende des Jahres schließt die AWO ihren Betreuungsverein. Dann gibt es im Kreis nur noch drei Vereine von ehemals fünf.

Unterstützung für junge Familien und Alleinerziehende ist ein zweiter Schwerpunkt. Welche Sorgen haben sie?

Alleinerziehende sind zu 85 Prozent Frauen, die schon immer von Armut bedroht sind. Bundesfamilienministerin Karin Prien hat vor zwei Monaten drastische Einschnitte beim Unterhaltsvorschuss angekündigt. Ausgerechnet bei Alleinerziehenden und der Unterstützung ihrer Kinder zu sparen, ist skandalös. Dabei hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag finanzielle Verbesserungen vereinbart.

Wie viele Familien erreichen Sie mit den Frühen Hilfen und der Schwangerschaftsberatung?

Wir haben in drei Kommunen Familienbüros für Frühe Hilfen-Teams und Schwangerschaftsberatung. Eine Familienhebamme oder Familienkinderkrankenschwester sucht Schwangere und Familien mit kleinen Kindern zu Hause auf und berät sie in allen Fragen rund um Geburt und Versorgung. 2025 wurden 878 Familien erreicht.

Der SkF Rhein-Erft hat nach dem Zweiten Weltkrieg rein ehrenamtlich gewirkt, heute hat er 80 Mitarbeitende und 59 Vollzeitstellen. Wie finanziert sich der Verein?

Er erhält Geld von Kommunen, vom Kreis und vom Land NRW, etwa für unsere Kita, für Stellen in den Frühen Hilfen, den Pflegekinderdienst, die Beratungen bei Schwangerschaft oder bei häuslicher Gewalt. Führen wir im Auftrag von Kommunen oder der Justiz gesetzliche Betreuungen oder übernehmen Aufgaben begleiteter Elternschaft und des begleiteten Umgangs, stellen wir Rechnungen. Mittel des Erzbistums Köln machen nur noch 6,6 Prozent unseres Etats aus. Mit Spenden und Stiftungsmitteln finanzieren wir zusätzliche kleine Projekte oder unterstützen bedürftige Familien.

Was leisten die ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützer?

Sie sind sehr wichtig. Wir haben etwa 120 Ehrenamtliche. Aber Ehrenamt braucht Organisation, und hauptamtliche Koordinatorinnen kosten Geld. Die wollen oder können Kommunen oft nicht finanzieren. Das ist schade, weil Menschen weiterhin bereit sind, sich einzubringen und weil das Ehrenamt die Zivilgesellschaft insgesamt stärkt.

Nächstenliebe und der Einsatz für Mitmenschen sind Werte, die in allen Weltreligionen verankert sind. Schwindet mit der Religiosität auch der Einsatz für andere?

Nein, das sehe ich nicht. Für andere etwas zu tun und damit auch für sich selbst, kommt aus dem Inneren. Christliche Werte sind humanitäre Werte.

Nur noch knapp jeder vierte Bewohner Deutschlands gehört der Römisch-Katholischen Kirche an, das Erzbistum Köln will seine Pfarreien zu 67 pastoralen Einheiten zusammenfassen. Wird der SkF Rhein-Erft-Kreis bestehen?

Das hoffe ich sehr. Die caritative Seite von Kirche ist akzeptiert und wichtig. Sorge macht uns aber die Finanznot der Kommunen und des Landes.

Sie hatten über 26 Jahre eine leitende Funktion im SkF. Welche Ereignisse oder Begegnungen behalten Sie in Erinnerung?

Vieles, was durch Kooperationen auf den Weg gebracht wurde. Und die ganz besonderen Gottesdienste, die wir einige Jahre am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im Hürth-Center oder in den Fußgängerzonen in Bergheim, Frechen und Kerpen gehalten haben. Das war sehr eindrücklich. Außerdem bin ich sehr stolz, dass wir 2018 eine Mutter-/Vater-Kind-Einrichtung in Hürth-Kendenich eröffnen konnten.


Mit dem Wandel gewachsen

Der Zweite Weltkrieg war seit sechs Jahren beendet, als Maria Steffens, Rektorin der Katholischen Volksschule Knapsack, den Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder e.V. gründete. Einzugsgebiet war der alte Landkreis Köln mit Brühl, Hürth, Frechen, Pulheim und Wesseling. 1968 wurde der Fürsorgeverein in Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) umbenannt.

In den Nachkriegsjahren unterstützten die Ehrenamtlerinnen Kriegerwitwen, alleinstehende Mütter und unehelich geborene Kinder, vermittelten Pflegeplätze und berieten Frauen in sozialen und wirtschaftlichen Notlagen. Außerdem übernahmen sie Vormundschaften für Kinder und Jugendliche.

In den 1970er-Jahren durchlief Deutschland große gesellschaftliche Veränderungen: Scheidungen nahmen zu, es wurde über das Abtreibungsverbot gestritten. Der SkF beriet nun auch schwangere und trennungswillige Frauen; die ersten hauptamtlichen Mitarbeiterinnen wurden eingestellt. Seitdem ist der SkF kontinuierlich gewachsen, vor allem in den 2000er-Jahren. 2006 arbeiteten 22 Mitarbeiterinnen auf 13,5 Vollzeitstellen, 2025 beschäftigte der Verein 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 59 Vollzeitstellen.

Der SkF unterhält heute Beratungsstellen in Bergheim, Brühl, Frechen, Hürth und Kerpen, die Kindertagesstätte St. Margareta in Brühl sowie in Hürth-Kendenich eine Mutter-/Vater-Kind Einrichtung mit zehn Appartements. (bsz)


Zur Person

Ulrike Schubert wird am 25. September während der Feier zum 75. Jubiläum des Sozialdiensts katholischer Frauen Rhein-Erft-Kreis e.V. in den Ruhestand verabschiedet. Sie kam im Juli 2000 als Geschäftsführerin in die Geschäftsstelle Frechen, seit 2023 ist sie die erste hauptamtliche Vorständin des SkF Rhein-Erft. Die Diplom-Pädagogin und Theologin war zuvor in verschiedenen Verbänden als Referentin mit Schwerpunkt Förderung des Ehrenamtes und in der Erwachsenenbildung angestellt. (bsz)