Frechen – Seit geraumer Zeit beschäftigen sich die Kommunen in der Region mit dem Verlauf der alten Römerstraßen in der römischen Provinz Niedergermanien mit ihrer Hauptstadt Köln.. Unter dem Stichwort „VIA – Erlebnisraum Römerstraße“ wurden die alten Handelswege „nachgezeichnet“, wurden Stelen und Hinweistafeln errichtet. So sollen die Römerstraßen mit ihrem Umfeld einen attraktiven Erlebnisraum bilden: Die Rad- und Wanderrouten entlang der antiken Fernstraßen von Köln bis Dahlem (Agrippastraße) und von Köln bis Übach-Palenberg (Via Belgica) laden mit Hinweis- und Infotafeln oder –stelen ein zu einem Ausflug in die Geschichte – von der Römerzeit über das Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit.
Doch wie überall gibt es auch Ausnahmen, wie der Königsdorfer Professor Dr. Paul Stelkens feststellt: „Leider hatte sich –als einzige Kommune im Rhein-Erft-Kreis – der Rat der Stadt Frechen entgegen dem Vorschlag der Stadtverwaltung geweigert, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Die Weigerung verhinderte, dass ausgerechnet die besterhaltene Trasse der Via Belgica für die Bürger erlebbar wurde.“ Das aber hat sich nach Stelkens Aussage in den letzten Wochen etwas geändert. Die von Köln der Aachener Straße folgende „Via Belgica“ verlässt sie nach der Kreuzung mit der Bonnstraße und verläuft schnurgerade durch Neufreimersdorf, dann über den Hohlweg und die Dechant-Hansen-Allee durch Königsdorf. Sie durchquert den Park der ehemaligen Villa Pauli (Elisabethheim). An dem kürzlich unter Denkmalschutz gestellten Westportal der Villa erreicht sie den Königsdorfer Forst und umkreist das Sumpfgebiet des Klingelpützes, der im 18. Jahrhundert von Mönchen angelegten Quelleinfassung.
Seit einigen Monaten sind unter anderem auf der Aachener Straße und der Sebastianusstraße sowie auf den Wegen im Königsdorfer Wald weiße und schwarze VIA-Zeichen aufgetaucht. Mit den VIA-Zeichen an Straßenschildern und auf Baumstämmen wird seit Herbst 2014 im Rahmen des Projekts „Erlebnisraum Römerstraße“ auf die Kreuzungen der „Via Belgica“ mit den Waldwegen aufmerksam gemacht. Und mehrere VIA-Schilder weisen zum Parkplatz an der Waldstraße. Von hier aus ist der sogenannte Klingelpütz erreichbar, in dessen Nähe die ersten VIA-Zeichen angebracht sind.
Ohne weitere Erklärungen machen diese Zeichen aber keinen Sinn, meint Stelkens. Er hatte damals bei den zuständigen Stellen beantragt, Informationstafeln aufzustellen. Sie wurden wegen der Weigerung des Frechener Rates, sich an dem Projekt zu beteiligen, aber abgelehnt. Partner fand Professor Dr. Paul Stelkens aber im Landesbetrieb Wald und Holz NRW, dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft und des Stadtarchivs Frechen. So war es möglich, an fünf Hütten im Wald Informationstafeln anzubringen, die auf die Bedeutung der VIA-Zeichen hinweisen. Möglich wurde das durch eine Privatinitiative mit Unterstützung der Dorfgemeinschaft Kleinkönigsdorf und des Vereins der Freunde und Förderer des Stadtarchivs Frechen.
Die römische Trasse kreuzt an vielen Stellen die Wanderwege im Wald. Im weiteren Verlauf - schon auf Bergheimer Gebiet und westlich der Nord-Süd-Kohlebahn - wurde 1929 ein sogenannter „Burgus“, ein römischer Straßenpolizeiposten, ausgegraben. Entlang der „Via Belgica“ gab es damals auch eine Reihe römischer Landgüter, die das römische Köln versorgten. Eine „Villa Rustica“ wurde 2004 ausgegraben und später auf der Königsdorfer Flur „In der Widdau“ nördlich von Neufreimersdorf überbaut. An dem Kreisverkehr Brauweiler Straße/ Römerhofallee steht eine Informationstafel, die die Siedlung und die „Via Belgica“ erklärt. Auch an der Dechant-Hansen-Allee wird eine Informationsstele über die alte römische Handelsstraße informieren. Eine Familie an der Dechant-Hansen-Allee hat sie gestiftet.