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Gut OnnauEin Leben in Hühnermobilen

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 Leckerlis für’s Federvieh verteilen Joachim, Eva-Maria und Josefine Lüpschen. Im Hintergrund: das XL-Hühnermobil.

Kerpen – Für die Bimis, Friedas und Heidis beginnt der Tag um 4 Uhr. Ihr Domizil wird in Licht getaucht, ein Besuch der Futtertröge und der Tränke schließt sich an. Dann suchen viele die abgedunkelten Gemächer auf, wo sie sich auf einem Bett aus Dinkelspelzen ihrer nahrhaften „Fracht“ entledigen.

Nach einem Besuch des Eiersammlers, oft in Gestalt von Joachim Lüpschen und sonntags mit Tochter Josefine, ruft die Freiheit ab 9.45 Uhr: Die Klappen der Behausung öffnen sich automatisch, das muntere Federvieh kann auf dem abgezäunten Areal bei Gut Onnau in Kerpen-Blatzheim picken und sich am Kleegras laben – häufig in Begleitung von Hofhund Jimmy, der eigentlich eine Dame ist, die eines Tages einfach vor Lüpschens Mähdrescher auftauchte.

„99 Prozent gehen raus“, weiß Lüpschen aus Erfahrung, „sie warten drauf.“ Stubenhockerinnen seien jedoch auch hin und wieder zu beobachten. Aber auch solche Hennen, die abends bei Toresschluss noch eine Ex

traeinladung brauchten.

Damit den zurzeit insgesamt knapp 1250 Hennen stets unabgegraste Flächen zur Verfügung stehen, haben sich Joachim und Eva-Maria Lüpschen eine unkonventionelle und kostspielige Haltungsmethode von einem Bio-Betrieb in Zülpich abgeschaut: Die Tiere sind in sogenannten Hühnermobilen untergebracht. Als eine „Art Wohnwagen“ für die Tiere beschreibt Joachim Lüpschen die per Fotovoltaik mit Energie gespeiste Behausung auf Rädern, die bei Bedarf mit dem Trecker an eine andere Stelle hingebracht werden kann. Alle zwei Wochen geschieht das, da sich die Legehennen nicht weit von ihrem Stall entfernen und sonst das Problem der Überweidung droht.

„Es ist einfach umweltfreundlicher und tiergerechter“, sagt Eva-Maria Lüpschen – auch wenn dies laut der Rechnung ihres Mannes mehr als doppelt so viel koste wie ein konventioneller Stallplatz, der mit 70 Euro pro Tier zu Buche schlage. Mit zwei kleinen Hühnermobilen, die jeweils Platz für 225 Tiere bieten, fing es an. Mittlerweile hat das Ehepaar mit einem Modell aufgestockt, das für 800 Hennen geeignet ist – die XL-Variante sozusagen.

Jeweils vier Hähne sind den mobilen Unterkünften zugeordnet, die in Anlehnung an ihre Mitbewohnerinnen als Bimiboys, Friedolins und Herolds firmieren – „Bimi“ ist übrigens eine Wortschöpfung der zwei Jahre alten Josefine. „So viele Mädels kabbeln sich schon mal, dann gehen die Hähne dazwischen“, sagt Landwirt Joachim Lüpschen. Neben der sozialen Komponente spiele aber auch die Sicherheit der Hühner eine Rolle: Nähere sich ein Habicht, der gelegentlich schon mal eine Henne raube, gäben die Gockel Alarmtöne von sich.

2007 übernahm Joachim Lüpschen den Hof der Eltern bei Blatzheim, 2009 bereitete er mit seiner Frau die Umstellung auf den Biolandbetrieb vor, die 2010 „mit ganzer Kraft“ vollzogen wurde. Es sei viel Idealismus im Spiel gewesen, betont die aus Süddeutschland stammende Eva-Maria Lüpschen – und die Sorge um die kommenden Generationen. „Josefine kann einfach draußen herumlaufen, ohne dass wir Angst haben müssen“, betont Joachim Lüpschen. Mit den Landwirten, die ihre Felder konventionell bewirtschafteten, verstünden sie sich gut, betonen sie.

Die jüngsten Betrugsfälle mit angeblichen Bio-Eiern hatten kaum negative Folgen für die Lüpschens. Im Gegenteil, die Kundenzahl habe sich erhöht – wohl eine Folge des transparenten Betriebs. Das jedoch hat gerade jetzt zu Ostern, der Hochzeit des Eis, Engpässe zur Folge. Neben der Direktvermarktung liefern die Lüpschens die Eier unter anderem an den Obstpark Schloss Türnich, den Edeka-Markt Strassfeld in Sindorf und den Edeka-Markt Baumann in Buir.

Bei aller Freiheit auf Gut Onnau: Das Leben einer Legehenne ist kurz. Mit etwa viereinhalb Monaten kommen die Neuzugänge in die jüngste, die Bimi-Gruppe, zwölf bis 15 Monate verrichten sie dann ihr produktives Werk.

„Danach werden die Eier dünnschaliger und brechen leichter“, sagt Eva-Maria Lüpschen – was den Hennen schließlich herdenweise den Gang zum Schlachter beschert. „Es sind schließlich Nutztiere“, sagt Joachim Lüpschen. Die nur per Vorbestellung erhältlichen Suppenhühner fänden ebenfalls regen Absatz, sagt Landwirtin Lüpschen.

Dass auch Tochter Josefine nachhaltigen Anteil am Gewerbe ihrer Eltern nimmt, zeigt nicht nur ihr regelmäßiger Einsatz als Eiersammlerin und am Eiersortierer. Neulich identifizierte sie in einem Bilderbuch Enten – für die junge Dame waren es allerdings Suppenhühner.

www.gut-onnau.de