Wesseling – Etwas Morbides geht von einem Teil der Bildobjekte, Assemblagen und Collagen aus, die der Kölner Künstler Herbert Rosner unter dem Titel "Herbst-zeitlos" derzeit in der Städtischen Galerie im Schwingeler Hof präsentiert. Das Vanitas-Thema begegnet einem gleich im Foyer in Gestalt einer lebensgroßen Raumskulptur aus dem Zyklus "Totentanz"; auch der Anblick des Objektkastens "Das Verhör" kann einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen.
Dabei ist Rosner (Jg. 1950), Absolvent der traditionsreichen Kölner Werkschulen, doch eigentlich für seinen hintersinnigen Humor bekannt. Auch diese Seite kommt nicht zu kurz in der umfangreichen Schau, die Besuchern den Einfallsreichtum und die überbordende Fantasie des Künstlers vor Augen führt.
Man täte gern mal einen Blick in den riesigen Fundus von altem Kinderspielzeug, rostigen Haushaltsgegenständen, Möbelteilen, Lederresten, Schriftfragmenten, plattgewalztem Blech und anderem mehr, der unter Rosners Händen zu poetischen Szenen geformt wird. Nichts scheint es zu geben, das er nicht verwenden kann.
Er malt, baut und fügt zusammen, "verwandelt Gefundenes in Erfundenes" und lässt "rätselhafte Stillleben des Verbrauchten" entstehen, wie der Schriftsteller und Maler Bernd Bohmeier bei seiner Einführung treffend formulierte.
Dinge, die ihren praktischen Zweck verloren haben, feiern in dreidimensionalen Materialbildern und großen und kleinen Objektkästen eine kunstvolle Wiederbelebung. Banales und Abgelegtes formiert sich zu Szenen und Kulissen, die literarische und theatralische Bezüge aufweisen.
Spielerische Leichtigkeit und eine unübersehbare Nähe zum Dadaismus gehen dabei einher mit einer soliden handwerklichen Umsetzung und einem kritisch-fragenden Blick auf die Welt. Existenzielle Themen greift Herbert Rosner ebenso auf wie politische und spirituelle; dabei bedient er sich einer knappen, fast aphoristischen Sprache. In Rosners künstlerischem Kosmos greifen alle Ausdrucksformen wie ein Räderwerk ineinander: die aquarellierten Kompositionen könnten als Skizzen für die Assemblagen gedient haben; alte Druckstöcke werden zum Hintergrund der Materialbilder. Seit den 70er Jahren hat er sich den Objektkästen gewidmet, in jüngerer Zeit gewinnen Tafelbild und Flachreliefs wieder eine größere Bedeutung in seinem Schaffen.
Die Ausstellung in der Städtischen Galerie im Schwingeler Weg 44 läuft bis zum 2. Dezember. Geöffnet ist mittwochs, samstags und sonntags von 15-18 Uhr.
