Frechen – Spaziergänger und Wanderer, die die Wege auf dem Höhenzug zwischen dem Kurt-Bornhoff-Sportpark und der Quarzsandgrube benutzen, wundern sich immer wieder über einen mit Basaltsteinen umgebenen löchrigen „Betonklotz“, der direkt hinter der Verwaltung des Quarzwerkes auf einer Anhöhe steht.
Viele ältere Frechener wissen noch, dass es hier früher eine Gedenkstätte für Soldaten gab. Regelmäßig machten die Schüler noch in den fünfziger Jahren Ausflüge auf die Anhöhe und in vielen Schubladen dürften noch Erinnerungen in Form von Gruppenfotos mit dem Gedenkstein schlummern.
Der Frechener Historiker und Heimatforscher Egon Heeg hat sich vor gut fünf Jahren um die Erinnerungsstätte gekümmert und in dem 35. Band der „Pulheimer Beiträge zur Geschichte“ seine Erkenntnisse schriftlich zusammengefasst. Initiator dieses „Ehrengrabes“ auf der „Höhe 133“ war der Hüchelner Hauptlehrer und Heimatforscher Rudolf Niemann.
Egon Heeg stellt dazu fest: „Das Einzigartige dieser Gedenkstätte für gefallene Soldaten liegt in ihrer besonderen Vorgeschichte begründet. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges im Jahr 1914 wurde in Frechen-Hücheln eine Artillerieeinheit aufgestellt.“ Dass Hücheln Sammelpunkt der „7. Batterie des Schleswig-Holsteinischen Reserve Fußartillerieregiments Nr. 9“ wurde, lag nach Heegs Recherchen darin begründet, dass zu dieser Truppe viele Reservisten aus Hücheln, Buschbell, Frechen und dem übrigen Kölner Raum einberufen wurden. Die Einheit war den ganzen Krieg über stets wechselnden Armeeverbänden unterstellt, war gleichsam ein „nahezu eigenständig operierender militärischer Kleinstverband“.
Nach dem Krieg gründete Niemann, der Feldwebel dieser Truppe gewesen war, 1926 eine „Kameradschaftliche Vereinigung“ der Überlebenden. Und zur Bewältigung der schrecklichen Erlebnisse dieses Krieges wollte man sich eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Einheit schaffen. Ausgewählt wurde die „Höhe 133“ westlich von Hücheln. Den Bauplatz in einer Größe von 200 Quadratmetern stellte nach den Unterlagen, die Heimatforscher Heeg ausgegraben hatte, der Kapellenbauverein St. Ägidius Hücheln zum Preis von einem Reichspfennig pro Quadratmeter zur Verfügung.
Nach längerem Abwägen wurde ein „niedriger kompakter Gedenkstein auf einer künstlich errichteten Kuppe“ ausgewählt und der Architekt Kappes aus Braunsfeld mit der Umsetzung beauftragt. Auf ein em mit Grauwacke verkleideten Betonkern, der in einem Erdhügelring mit Baumbestand vorgesehen war, sollten Schrifttafeln mit den Namen und Einheiten sowie Schlachtfeldern an die Gefallenen erinnern.
Desweiteren sollte ein Text an die Aufstellung der Batterie sowie der Reliefkopf eines Soldaten angebracht werden. Der Plan, die Tafeln und den Kopf von Toni Ooms in Keramik ausführen zu lassen, wurde aus Kostengründen fallen gelassen. Wie Egon Heeg herausfand, wurde wohl Muschelkalb oder Kunststein verwandt.
Am 22. Juli 1927 erfolgte der erste Spatenstich durch den sechsjährigen Willi Küpper, dessen Onkel Franz Statz zu den Gefallenen gehörte. Und damals ging es dann – im Gegensatz zu derartigen heutigen Vorhaben – auch schnell weiter. Schon am 11. September wurde das „Ehrengrab“ für die 38 Gefallenen feierlich mit Festzug, Fahnenabordnungen, Reden und Musik enthüllt. Der damalige Frechener Bürgermeister Dr. Toll legte einen Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife am Fuß des Ehrengrabs ab, bevor abends dieFeier mit einem Feuerwerk beschlossen wurde.
Im Dritten Reich wurde die Gedenkstätte für die Heldengedenktage genutzt. 1944 wurde der Stein durch eine in der Nähe heruntergehende Bombe stark beschädigt, das Denkmal wurde danach aber wieder ausgebessert, der Soldatenkopf sogar erneuert. Wie Egon Heeg bei der Suche in der Archiven weiter herausfand, übernahm nach dem Zeiten Weltkrieg die Stadt Frechen zunächst die Erhaltung und Pflege des Ehrengrabes, das nun als „Denkmal an den sieben Bäumen“ bezeichnet wurde.
Seit den späten 1950er Jahren aber verfällt es langsam und wurde vor allem durch Vandalismus stark beschädigt. Heute sind nur noch der Betonkern und die Grauwacke am Fuß des Steins sowie eine ehemalige steinerne Ruhebank erhalten. Teile der abgeschlagenen Schriftplatten sollen inzwischen wieder aufgetaucht und im Stadtarchiv sichergestellt worden sein. Heeg: „Selbst die Initiative einer Frecherer Ratsfraktion, das Denkmal zu restaurieren, scheiterte vor einigen Jahren.“
Nun ist diese Fraktion nicht mehr in der Opposition, doch das Thema wurde nicht wieder aufgegriffen.“ Heeg sieht darin das „mittlerweile vorherrschende Vorurteil, solche Denkmalobjekte seien grundsätzlich Zeugnisse militaristischer Vergangenheit, die man dem Verfall preisgeben sollte.“ Der Historiker bedauert diese Fehleinschätzung.
