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„Stadt in Schockstarre“
BMW-Fahrer nach tödlichem Unfall mit Schulklasse in Hürth zu Haftstrafe verurteilt

3 min
Das Landgericht Köln hat einen 21-Jährigen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Das Landgericht Köln hat den 21-Jährigen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Der 21-Jährige war im Juni 2025 bei Rot über eine Ampel gefahren. Zwei Menschen überlebten den Zusammenstoß nicht.

Das Landgericht Köln hat einen 21-Jährigen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in jeweils zwei Fällen zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Zudem wurde ihm ein Fahrverbot von vier Jahren auferlegt. Der Hürther muss den Hinterbliebenen der beiden Opferfamilien insgesamt 195.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Das Foto zeigt den Angeklagten mit seinem Anwalt Marc Donay.

Das Landgericht Köln hat den 21-Jährigen (l.), auf dem Foto im Gespräch mit seinem Anwalt Marc Donay, zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Die 27. Große Strafkammer unter Vorsitz von Dr. Wolfgang Schorn hielt es nach sechs Prozesstagen für erwiesen an, dass der junge Mann im Juni 2025 mit seinem 5er BMW bei Rot über eine Ampel gefahren war und Teile einer Schülergruppe erfasst hatte. Die zehnjährige Avin Vala und der Schulbegleiter Luis Paulo Jochim starben. Zwei weitere Viertklässler der Carl-Orff-Grundschule wurden verletzt.

In Hürth war ein Pkw an einer Ampel in eine Gruppe Kinder gefahren.

Der Unfall auf der Frechener Straße in Hürth löste großes Entsetzen aus.

Damit folgte das Schwurgericht am Freitag (10. Juli) der Forderung der Staatsanwaltschaft. Unter Hinzuziehung einer Bewährungsstrafe wegen eines Verkehrsdelikts im Jahr 2024 hatten deren Vertreter am Mittwoch eine empfindliche Strafe gefordert. Der Verteidiger hatte für seinen Mandanten um „eine milde Strafe“ gebeten. 

Auf dem Bild sind die Eltern von Luis Paulo und der Vater von Avin zu sehen, die sich umarmen.

Im Landgericht umarmten sich die Väter der Opfer, Marcus Jochim (l.) und Amir Vala. Luis Paolos Mutter Lilian Jochim (M.) beobachtet die Szene gerührt.

Schorn machte in der Urteilsbegründung deutlich, dass auch eine höhere Strafe für den 21-Jährigen möglich gewesen wäre. So habe die Kammer eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung oder gar wegen Mordes in Betracht gezogen. Auf Grundlage der Indizien und des Unfallhergangs habe man nicht ausschließen können, dass er billigend in Kauf genommen habe, dass Menschen zu Schaden kommen könnten. Es sei für das Gericht jedoch schwer vorstellbar gewesen, „dass jemand so etwas sehenden Auges in Kauf nimmt“.

Zudem habe das Gericht andere Urteile zu Rate gezogen, bei denen Unfallfahrer wegen vorsätzlicher Tötung oder wegen Mordes verurteilt worden waren. Dies sei oft die Folge eines illegalen Autorennens und meist mit deutlich PS-stärkeren Autos gewesen. Die Kammer, so Schorn, habe gleichwohl das Bild gewonnen, dass den 21-Jährigen die Straßenverkehrsordnung nicht interessiere, er setze sich vielmehr über sie hinweg.

Eine ganze Kleinstadt in Schockstarre versetzt

Deshalb und aufgrund des Umstands, dass durch den Unfall eine ganze Kleinstadt in Schockstarre versetzt worden sei, sei das Urteil in seiner Höhe angemessen, machte Schorn deutlich. Dem 21-Jährigen eine mehrjährige Haft in einer Jugendhaftanstalt zu ersparen, wie dessen Anwalt angeregt hatte, sei daher nie in Frage gekommen. Schließlich seien nicht nur die Eltern der Opfer, sondern auch die Schulgemeinde, die Kinder und deren Eltern für lange Zeit traumatisiert.  

Der Vorsitzende Richter schloss seine Urteilsbegründung mit persönlichen Worten. Für ihn sei es der emotionalste und menschlichste Prozess in seiner Laufbahn als Richter gewesen. Nicht selten hätten er und seine drei Mit-Richter Tränen in den Augen gehabt. Dem 21-Jährigen gab er mit auf den Weg, er solle nach Verbüßung seiner Strafe etwas aus seinem Leben machen: „Das ist Ihre Wertschätzung gegenüber Avin und Luis Paulo.“

Damit griff Dr. Schorn Worte auf, die Marcus und Lilian Jochim, die Eltern des getöteten Schulbegleiters, am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung an den Unfallfahrer gerichtet hatten. „Nutzen Sie die Chance, es besser zu machen“, appellierte sie. Marcus Jochim erneuerte nach Angaben von Doris Müller, einer Vertrauten der Familie aus Königswinter, seine Kritik an der Justiz. Es sei für ihn unverständlich, dass jemand wie der damals 20-Jährige trotz schwerwiegender Delikte wiederholte Male vom Amtsgericht Brühl zu Bewährungsstrafen verurteilt worden war: „Nur zwei Monate nach seiner letzten Verurteilung hat er unseren Sohn totgefahren.“  Wie er sich im Straßenverkehr verhielt, habe der 21-Jährige nur zu gut gewusst, dass etwas passieren könne.