Abo

70 Jahre EheFür Hürther Gnadenhochzeitspaar war es fast Liebe auf den ersten Blick

4 min
Das Foto zeigt das Gnadenhochzeitspaar.

Theresia und Friedrich Mund sind seit 70 Jahren verheiratet.

Theresia und Friedrich Mund feiern ein seltenes Ehejubiläum. Das Paar lernte sich beim Tanzen kennen.

Sie liefen sich 1953 beim Hermülheimer Schützenfest in der Gaststätte Draaf auf der Luxemburger Straße über den Weg und blieben nunmehr über 70 Jahre zusammen. Theresia (91) und Friedrich Mund (96) feiern heute den 70. Hochzeitstag. Und übereinstimmend erklären sie auch heute noch: „Es war fast Liebe auf den ersten Blick.“

Friedrich Mund kommt aus dem thüringischen Teil des Harzes. Er wurde in Hainrode geboren und wuchs in Sülzheyn auf. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Maler. Kurz nach dem Krieg ging er in den Westen. Über Hannover, Braunschweig und Mönchengladbach kam er nach Köln, wo er 1949 eine Anstellung in einem Malergeschäft fand. Etwas später zog er in ein möbliertes Zimmer in Efferen.

Paar lernte sich in der Gaststätte Draaf in Hermülheim kennen

Theresia Feiner ist gebürtige Hermülheimerin. Von 1943 bis 1945 allerdings lebte sie bei den Großeltern im Bayerischen Wald, um den Kriegswirren zu entkommen. „Da bin ich dann auch zur Schule gegangen, bis ich wieder nach Hürth zurückkonnte.“ Sie machte nach der Schule eine Ausbildung zur Verkäuferin in einem großen Kölner Schuhgeschäft.

Seine spätere Ehefrau lernte Friedrich Mund 1953 beim Tanz in der Hermülheimer Gaststätte Draaf kennen. „Ich hatte sie am Abend vorher schon einmal gesehen und am nächsten Abend dann gleich aufgefordert“, erinnert er sich. Und Theresia Feiner nahm die Einladung an. Dabei musste Friedrich Mund auch noch einen anderen Verehrer „aus dem Weg räumen“, der die junge Dame gern nach Hause bringen wollte: „Ich kam, sah und siegte“, erklärt er lachend bei der Rückschau. Ja, es war „fast Liebe auf den ersten Blick“, wie die Ehefrau bestätigt.

Hochzeit im ehemaligen Rathaus an der Luxemburger Straße

Weihnachten 1955 verlobte sich das Paar, am 14. Juli 1956 wurde im Hermülheimer Rathaus an der Luxemburger Straße (das heutige türkische Generalkonsulat) standesamtlich geheiratet. Die kirchliche Trauung fand ein Jahr später statt. „Das war wegen der eigenen Wohnung, mein Vater erlaubte nicht, dass wir ohne kirchlichen Segen zusammenziehen“, so Theresia Mund.

Das Paar zog nach Efferen, wo es auch heute noch lebt. 1961 kam Sohn Günther zur Welt, 1964 folgte Tochter Claudia. Inzwischen hat das Paar auch zwei erwachsene Enkelinnen. Friedrich Mund wechselte später den Beruf. Er ging 1961 zu einem großen amerikanischen Getränkehersteller in die Werbung und arbeitete anfangs als Schildermaler im Marketingbereich. Hier blieb er bis zum Ruhestand.

Das Hochzeitsbild des Jubelpaars.

Vor 70 Jahren gaben sich Theresia und Ferdinand Mund im alten Hermülheimer Rathaus das Ja-Wort. (Repro)

Die Urlaube verbrachte das Paar immer gern in Südtirol, wo es über Jahre ein festes Quartier hatte. „Da haben wir fast alles besucht, was interessant war“, so der Rückblick. Aber auch der Harz und der Bayerische Wald wurden besucht. Das Ehepaar war auch viel mit Busunternehmen unterwegs, besuchte Österreich, machte viele Städtereisen, und zur diamantenen Hochzeit ging es ins Salzburger Land. „Das war unsere nachgeholte Hochzeitsreise, denn damals hatten wir dafür ja kein Geld“, so Friedrich Mund.

Er sang früher beim MGV Liederkranz, spielte auch etwas Theater und engagierte sich im Hürther Stadtsportverband. Zu seinen Hobbys gehörten auch das Radfahren und die Blumen auf dem Balkon. „Mein Mann hat einen grünen Daumen“, sagt Theresia Mund, die sich mehr um den Haushalt und die Familie gekümmert hat. Heute ist man im Alter etwas genügsamer geworden, aber sie hat immer gern gekocht. Sehr begehrt waren in der Familie stets ihre bayerischen Knödel. Früher genoss man die gemeinsamen Spaziergänge, heute lässt das Alter dies nicht mehr zu.

„Wir haben immer gern und viel gefeiert, waren oft zum Tanzen in Hermülheim oder im Steinfeld und bei ‚Paula‘ in Alt-Hürth“, erzählen die Jubilare. Das gesellige Beisammensein und die Feiern im Freundeskreis hatten einen hohen Stellenwert. Und so wird auch die Gnadenhochzeit im Familien- und Freundeskreis gefeiert. „Die Kinder werden sich um alles kümmern“, erzählt Theresia Mund. Und die Hochzeitsfeier ist nicht das einzige Fest in diesen Wochen, denn bald kann Friedrich Mund seinen 97. Geburtstag feiern. „Da kommen wieder alle zusammen.“