Der Aktionstag sollte für Gefahren im Straßenverkehr sensibilisieren. Die Luis-Paulo-Stiftung übergab Schutzwesten für alle Hürther Grundschulen.
Nach tödlichem UnfallHürther Schule erinnert mit Aktionstag zum Verkehr an Avin und Luis

930 Schutzwesten übergaben Lilian und Marcus Jochim (vorne r.) an Schulleiterin Birgit Schneider (vorne l.) und die Vertreterinnen der anderen Grundschulen. Gespendet hat sie der Lions-Club.
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„Wir alle denken oft an Luis und Avin“, sagten die Viertklässler Captain und Leah auf dem Schulhof der Carl-Orff-Schule ins Mikrofon. Die Grundschule im Hürther Stadtteil Alstädten-Burbach erinnerte am Donnerstag (11. Juni) mit einem Aktionstag zur Verkehrssicherheit an die zehnjährige Schülerin Avin und den 25-jährigen Schulbegleiter Luis, die vor einem Jahr bei einem schrecklichen Schulwegunfall auf der Frechener Straße ihr Leben verloren haben.
Ein damals 20-Jähriger hatte auf der Frechener Straße laut Staatsanwaltschaft eine rote Ampel missachtet. Sein Wagen erfasste an der Fußgängerquerung an der Theresienhöhe mehrere Kinder und Begleitpersonen, die auf dem Weg ins Alt-Hürther Stadion waren, um dort ausgefallene Laufdisziplinen der Bundesjugendspiele nachzuholen. Der Fahrer muss sich derzeit vor dem Landgericht Köln unter anderem wegen des Vorwurfs der zweifachen fahrlässigen Tötung verantworten.
Hürth: Aktionstag soll künftig jedes Jahr an Avin und Luis erinnern
Auf Bundesjugendspiele verzichtet die Carl-Orff-Schule in diesem Jahr. Beim Aktionstag Verkehrssicherheit, der künftig jährlich stattfinden soll, gab es neben einem Verkehrsparcours, einem ADAC-Check, einem Toter-Winkel-Test und einer Fahrradstation für die Kinder auch zahlreiche Spiel-, Spaß- und Sportangebote.
„Wir alle hier vor Ort haben lange überlegt, was wir als betroffene Schule leisten können, um eine positive Erinnerungskultur zu schaffen“, sagte Schulleiterin Birgit Schneider. „Wir wollten für unsere Schülerinnen und Schüler ein Format schaffen, das sie dafür sensibilisiert, Gefahren im Straßenverkehr rechtzeitig zu erkennen.“ Das entspreche auch dem Anliegen der Luis-Paulo-Stiftung, die von der Familie des getöteten Schulbegleiters gegründet wurde, so Schneider.

Ehemalige Viertklässler gestalteten eine Betonschlange mit Mosaiken, die an Avin und Luis erinnern soll.
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Luis' Eltern Marcus und Lilian Jochim sowie die Geschwister Gustavo und Sofia waren mit einem Infostand ihrer Stiftung vor Ort. Die Stiftung übergab 930 vom Hürther Lions-Club gespendete Schutzwesten an die Vertreterinnen und Vertreter aller elf Hürther Grundschulen. „Sichtbarkeit ist ein wichtiger Aspekt für die Sicherheit im Straßenverkehr“, sagte Marcus Jochim.
Ihm sei es ein großes Bedürfnis gewesen, beim Aktionstag dabei zu sein, sagte Jochim: „Luis würde sich wie immer sehr wohl hier fühlen.“ Er wolle außerdem Danke sagen für die große Unterstützung, die die Stiftung von den Hürther Schulen erfahren habe. An einigen Schulen gab es Spendenläufe, an anderen wurde bei Schulveranstaltungen für die Stiftung Kuchen gebacken. Auch beim Aktionstag an der Carl-Orff-Schule überreichten Kinder Spenden, die sie für die Luis-Paulo-Stiftung gesammelt hatten.
Hürther Schule bedankt sich bei den vielen Helferinnen und Helfern
„Nicht zuletzt wollen wir mit dem Aktionstag auch den vielen Helferinnen und Helfern, die uns nach dem Unfall so unglaublich unterstützt und das ganze Jahr über begleitet haben, ein herzliches Dankeschön sagen“, betonte Schulleiterin Birgit Schneider. Ersthelfer, Polizei, Feuerwehr, das Schulamt, Kolleginnen und Kollegen sowie Eltern – auch anderer Schulen – sowie Seelsorger: „Jeder war da, und das ist bis heute so“, so Schneider. „Das hat uns als Schule unglaublich gestärkt.“

Den Unfallort an der Kreuzung Frechener Straße und Theresienhöhe nahm Anfang Juni eine Strafkammer des Landgerichts Köln mit den Prozessbeteiligten in Augenschein.
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Pfarrerin Christiane Birgden richtete Grüße von Avins Familie aus, für die ein Besuch an der Schule nach ihren Worten zu schmerzhaft gewesen wäre. Der tragische Unfall hinterlasse bei allen Betroffenen viele offene Fragen, wie die, ob man etwas hätte anders machen können. „Ihr habt alles richtig gemacht“, sagte Birgden. „Die Kinder haben Warnwesten getragen. Ihr seid bei Grün rüber – alles so, wie man es im Verkehrsunterricht lernt. Das ist die Tragik und das Unauflösbare dieses Unfalls.“
Die Pfarrerin würdigte das Engagement der Schulgemeinschaft, die etwas zu bewältigen habe, worauf das Lehramtsstudium nicht vorbereite. „Ihr habt das großartig gemacht miteinander.“ Sie erlebe, dass Gemeinschaft tragen und selbst das, was nicht wieder gut werde, heilsam begleiten könne.
Künftig erinnert auf dem Schulhof auch eine mit Mosaiken gestaltete Betonschlange an Avin und Luis. Ehemalige Viertklässler kehrten am Aktionstag an ihre frühere Grundschule zurück, um die Motive zu entwerfen und aufzubringen.
