Im Vorfeld hatte das Stadtarchiv in den historischen Fotoalben der örtlichen Sportvereine geblättert. Auch das älteste Buch war zu sehen.
Tag der ArchiveIn Hürth lagern Schätze aus mehreren Jahrhunderten

Archivleiter Michael Cöln (r.) und sein Team verwahren im Stadtarchiv Hürth auf etwa 2000 Regalmetern Unterlagen aus mehreren Jahrhunderten.
Copyright: Markus Peters
Stramme Ringer mit grimmigen Gesichtsausdrücken aus ferner Zeit – zum bundesweiten Tag der Archive hatte das Stadtarchiv Hürth ausgiebig in den historischen Fotoalben der örtlichen Sportvereine geblättert. Nicht der einzige Hingucker, den Archivleiter Michael Cöln und seine Mitarbeiter Erik Heller und Eric Barthelemy im Rathaus vorbereitet hatten – gezeigt wurde auch das älteste Buch aus dem Bestand des Archivs, erschienen im Jahr 1645, sowie Funde aus der Römerzeit.
Hürth: Die erste Umsiedlung
Unter dem Thema „Alte Heimat – neue Heimat“ präsentierte das Archiv zudem Dokumente zu den in Hürth aufgelaufenen Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aus der Sowjetzone in den 1950er-Jahren sowie zu den Auswanderern nach Nordamerika im 19. Jahrhundert. Ein weiterer Schwerpunkt bildete die wegweisende Umsiedlung von Alt-Berrenrath nach Neu-Berrenrath. „Das war in den 1950er-Jahren die erste Umsiedlung eines kompletten Ortes mit sozialer und wirtschaftlicher Struktur“, erinnerte Cöln.
Offiziell existiert das Stadtarchiv seit den 1970er-Jahren, zunächst wurde es ehrenamtlich geführt. Die erste hauptamtliche Besetzung erfolgte 1981 mit Manfred Faust, einem Historiker. Seit 2015 leitet Cöln die Einrichtung – als erster ausgebildeter Archivar mit abgeschlossenem Studium der Archivwissenschaften und Geschichte. Heute umfasst der Bestand gut 2000 Regalmeter Unterlagen.
Besonders interessant sind Vereinsunterlagen, die auf Wunsch auch bei uns ins Archiv ausgelagert werden können
„Die ältesten Verwaltungsbestände stammen aus der napoleonischen Zeit um 1794“, berichtet der Leiter. Noch weiter zurück reichen die Dokumente des Adelsarchivs von Groote, dessen Unterlagen bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen. Der Bestand umfasst Schriftgut und Plakate der Stadtverwaltung sowie Fotos und Dokumente aus der Bürgerschaft.
Diese privaten Sammlungen, Nach- und Vorlässe bilden eine wichtige Säule des Angebots; historische Artefakte, Karten und Pläne sowie zahlreiche Bücher, Zeitungen und Zeitschriften von und über die Region runden das Angebot ab. „Besonders interessant sind Vereinsunterlagen, die auf Wunsch auch bei uns ins Archiv ausgelagert werden können“, erläuterte Cöln.
Ein Verhältnis mit Casanova
Hingegen werden Dokumente mit eher überschaubarem historischem Wert, wie die städtischen Bestellungen von Papierhandtüchern, eher aussortiert. Im Magazin verbergen sich auch kuriose Schätze, wie die Sterbeurkunde einer Hürther Adeligen, die ein Verhältnis mit Casanova gehabt haben soll. Ebenso breit gestreut wie der Bestand sind die Nutzer.
Die Stadtverwaltung greift öfter auf das Archiv zurück, häufige Anwender sind auch Personen, die ihre Familiengeschichte recherchieren oder Schulklassen im Rahmen von Unterrichtsprojekten. Ein großer Teil der Bestände ist bereits digitalisiert und über einen vor drei Jahren eingerichteten Online-Lesesaal zugänglich – für Cöln eine Erfolgsgeschichte.
„Damit haben wir im vergangenen Jahr gut 2400 Personen erreicht, davon über 400 in den USA. Sogar ein Nutzer aus Simbabwe war dabei.“ Die Digitalisierung ist gleichzeitig eine der größten Herausforderungen, vor denen derzeit die Archivare stehen: „Dabei priorisieren wir die Unterlagen, die voraussichtlich stark nachgefragt werden. Aber ohne die Unterstützung von Ehrenamtlern wie Bernd Kröger, der dreimal wöchentlich für uns digitalisiert, wären wir längst nicht so weit.“
Zusätzliche Unterstützung soll eine weitere hauptamtliche Stelle bieten, die in Kürze besetzt wird. Davon abgesehen ist weitere ehrenamtliche Hilfe sehr willkommen. Die Nutzung des Archivs ist kostenlos, nur für Recherche-Aufträge und Fotokopien fallen Gebühren an. Für den Online-Lesesaal sollte man sich registrieren lassen.

