Seit rund zehn Jahren wartet die Bodelschwingh-Schule auf eine Mensa. Das Geld stand im Haushalt, doch der Stadt fehlen Planungskapazitäten.
Mensa fehltWarum Hürther Grundschüler immer noch im Klassenzimmer zu Mittag essen müssen

Die Stadt will einen weiteren Anbau an die Bodelschwingh-Schule vermeiden und sucht nun nach einere kleinen Lösung im Bestand.
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Mittags wird es eng an der Bodelschwingh-Schule. Knapp 250 Kinder besuchen den offenen Ganztagsbetrieb und erhalten dort täglich eine warme Mahlzeit – doch das kleine Kinderrestaurant in einem umgebauten Betreuungsraum bietet lediglich 50 Sitzplätze. Hinzu kommt eine nur 19 Quadratmeter große Miniküche, in der Konvektionsofen und die Industriespülmaschine gerade so Platz finden. Seit fast zehn Jahren wartet die Grundschule auf eine zugesagte Mensaerweiterung. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen.
Bereits 2015 hatte die damalige Schulleiterin Renate Adamy die Stadtverwaltung auf das Raumproblem hingewiesen. Innerhalb von zehn Jahren war die Betreuungsquote in der Offenen Ganztagsschule von anfangs 30 auf über 90 Prozent der Kinder gestiegen. Selbst im Zweischichtbetrieb reicht der Platz im Kinderrestaurant nicht aus, so dass viele Schülerinnen und Schüler ihr Mittagessen in den Klassenräumen einnehmen müssen.
Verpflegung in den Klassenräumen führt zu logistischen Problemen
Das bringt nicht nur hygienische, sondern auch logistische Probleme mit sich, wie es aus der Schulgemeinde heißt. Speise- und Geschirrwagen werden mit einem kleinen Aufzug in die oberen Etagen transportiert. Kinder mit eingeschränkter Mobilität müssen dadurch mitunter länger warten, bevor sie zur großen Pause nach unten fahren können.
Nach mehreren Gesprächen zwischen Schule und Verwaltung beschloss der Planungsausschuss im Frühjahr 2018, im Rahmen einer Bauberatung mit externen Experten nach Lösungen zu suchen. Neben Architekten waren auch Pädagogen beteiligt, um den Raumbedarf zu ermitteln. Die Verwaltung setzte auf Lösungen im Bestand, um einen weiteren Anbau an die erst 2010 erweiterte Schule zu vermeiden. „Doch seitdem ist nichts passiert“, kritisiert eine Vertreterin der Schulpflegschaft. Die Ergebnisse der Bauberatung seien der Schule nie vorgestellt worden.
Investition taucht im aktuellen Hürther Haushalt nicht mehr auf
Allerdings stand das Projekt seit 2021 im Haushaltsplan der Stadt, zunächst nach Angaben von Kämmerer Marco Dederichs mit rund 2,5 Millionen Euro. Im Haushalt 2024 waren dann sogar knapp 2,9 Millionen Euro für die mittelfristige Finanzplanung in den Jahren 2026 und 2027 vorgesehen.
Im Dezember fiel Elternvertretern jedoch auf, dass dieser Posten im aktuellen Haushaltsentwurf plötzlich fehlt. Die Schulleitung lud daraufhin Kommunalpolitiker zum Ortstermin ein, um auf die Situation aufmerksam zu machen. „Der politische Wille scheint da zu sein“, sagte eine Vertretern in der Schulpflegschaft. „Wir sind kompromissbereit, wollen aber einbezogen werde und lehnen eine Hauruck-Lösung ab.“
Die SPD beantragte schließlich im Finanzausschuss, die Mittel für die Mensaerweiterung wieder in den Haushaltsplan aufzunehmen. Fraktionschef Heiko Twellmann kritisierte, es sei nicht nachvollziehbar, warum die Gelder gestrichen worden seien. Es sei „ein Unding“, dass die Schule darüber nicht informiert worden sei. CDU-Fraktionschef Björn Burzinski räumte das Probleme an der Bodelschwingh-Schule ein, verwies jedoch darauf, dass andere Bauprojekte – wie die Schaffung von Schulraum an den Grundschulen in Fischenich, Gleuel und an der Realschule – derzeit höhere Priorität hätten.
Wie der Erste Beigeordnete Jens Menzel auf Nachfrage erklärte, seien die Mittel für einen Mensaneubau auf dem Schulhof vorgesehen gewesen. Am Geld scheitere es nicht, aber: „Die Bauverwaltung hat auf absehbare Zeit keine Kapazitäten, um das Projekt umzusetzen“, so Menzel. Nun werde geprüft, welche Verbesserungen durch Umbauten im bestehenden Gebäude möglich seien. Zuletzt habe es dazu eine Ortsbegehung der Bauverwaltung gegeben. Der Finanzausschuss verständigte sich schließlich darauf, das Thema zeitnah im Planungsausschuss weiter zu beraten.

