Spaziergänger berichten von Begegnungen mit dem Tier. Einige sind besorgt um ihre Hunde. Der Kreis sieht derzeit keinen Handlungsbedarf.
Jagdbehörde ist informiertEin zutrauliches Wildschwein sorgt für Aufsehen in Alt-Hürth

Dem Spaziergänger Olaf Heckmüller lief das zutrauliche Wildschwein beim Gassigehen mit seinem Hund über den Weg.
Copyright: Olaf Heckmüller
Ein Wildschwein sorgt derzeit in Alt-Hürth für Aufsehen. Mehrere Spaziergänger berichteten in den vergangenen Tagen von Begegnungen mit dem offenbar ungewöhnlich wenig scheuen Tier auf Wegen im Bereich des Naherholungsgebiets an der ehemaligen Braunkohlegrube Theresia. In den sozialen Netzwerken hat der Schwarzkittel bereits einen Namen erhalten: „Kalli“ wird das Wildschwein dort genannt. Manchem Anwohner bereitet das massige Tier allerdings Sorgen.
„Meine Freundin traut sich nicht mehr, mit ihrem Hund an der Grube Gassi zu gehen“, sagt etwa die Tierschützerin Manuela Hilgert, die in der Nähe wohnt. Mehrere Bekannte hätten ihr davon berichtet, dem Wildschwein begegnet zu sein. Sie sorgten sich nun, dass ihre Hunde dem Tier hinterherrennen und womöglich attackiert werden könnten. Eine Sichtung sei vom Roten Weg in der Nähe der Museumsbahn gemeldet worden. „Das Wildschwein muss also irgendwie die Frechener Straße überquert haben“, sagt Hilgert.
Ein Hürther hat das Wildschwein mit seinem Mobiltelefon fotografiert
Dass es von dem Wildschwein Fotos gibt, ist Olaf Heckmüller zu verdanken. Der 66-jährige Werkzeugmacher im Ruhestand traf am vergangenen Montag beim morgendlichen Spaziergang mit seinem Hund „Mattes“ auf dem Weg zwischen der Moschee und der Kleingartenanlage auf das Wildtier. „Das Wildschwein kam aus dem Gebüsch, stand ganz gemütlich auf dem Weg und lief dann in Richtung Grube“, berichtet Heckmüller.
Ganz geheuer war ihm die Situation nicht: „Mein Hund hat reagiert und leise vor sich hin geknurrt. Ich habe mir dann gedacht, ich gehe besser zurück, bevor auch das Schwein reagiert.“ Zuvor zückte er allerdings noch sein Mobiltelefon und machte Fotos. „Das glaubt mir doch sonst keiner“, habe er gedacht. Dass es im Bereich der Grube und des Waldstücks am Otto-Maigler-See Wildschweine gibt, sei ihm bekannt. Dieses Tier jedoch habe sich eher wie ein Hausschwein benommen. „Es war regelrecht zutraulich.“

Jäger Egon Conzen, lange Jahre Leiter des Hegerings Hürth, kennt das Problem mit den Wildschweinen in Alt-Hürth.
Copyright: Egon Conzen
In den sozialen Medien wird deshalb spekuliert, dass das Wildschwein möglicherweise von Menschen aufgezogen worden sein könnte. Denkbar sei, dass der Frischling einst privat gehalten und später ausgesetzt wurde, als das Tier zu groß geworden sei.
Auch der passionierte Jäger und frühere Vorsitzende des Hürther Hegerings Egon Conzen aus Alt-Hürth kennt das Gerücht, er ist aber skeptisch. „Ausschließen lässt sich nicht, dass jemand einen Frischling mit der Flasche aufgezogen hat“, sagt der 78-jährige frühere Berufsschullehrer. „Irgendwann wird das Tier dann zu groß, entdeckt seine wahre Natur, richtet Schäden an und gräbt den Garten um.“ Belege für eine solche Herkunft gebe es jedoch nicht. Aus gutem Grund sei es verboten, Wildtiere einzufangen und aufzuziehen. „Wildtiere überlässt man der Wildnis“, sagt der Jäger.
Hürth: Jäger hält das Verhalten des Wildschweins für ungewöhnlich
Auffällig sei das Verhalten des Tieres dennoch. „Wildschweine meiden Menschen normalerweise und suchen eher die Flucht“, sagt Conzen. Zwar lebten Wildschweine häufig in Rotten. Ausgewachsene Keiler seien jedoch auch allein unterwegs – das Wildschwein auf dem Foto schätzt er aber erst auf gut ein Jahr. Für Spaziergänger bestehe in der Regel keine unmittelbare Gefahr, wohl aber für freilaufende Hunde, die sich ins Unterholz schlagen. „Viele unterschätzen das, wenn sie am Otto-Maigler-See unterwegs sind.“
Selbst gesehen hat Egon Conzen das zutrauliche Wildschwein bislang nicht, obwohl seine Joggingstrecke durch das Gebiet führt. Er geht jedoch davon aus, dass es in dem Revier mehrere Dutzend Wildschweine gibt, deren Wühlspuren vielerorts sichtbar sind. Bereits in der Vergangenheit habe es Probleme mit Wildschweinen gegeben, die unter anderem auf dem Friedhof und im Stadion in Alt-Hürth Schäden verursacht hätten. Eine Bejagung sei dort nicht ohne Weiteres möglich, so Conzen.
Unterdessen ist auch die Jagdbehörde des Rhein-Erft-Kreises Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen. „Der Jagdbehörde ist bekannt, dass es sich möglicherweise um ein teilweise zahmes Tier handelt“, sagt Kreissprecher Thomas Schweinsburg. „Zum Ursprung des Verhaltens – etwa durch Fütterung oder Aufzucht durch Menschen – liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.“ Konkrete Schäden, die diesem Tier zugeordnet werden könnten, seien bislang nicht bekannt. Schweinsburg: „Wir sehen aktuell keinen Handlungsbedarf.“
