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MordprozessAngeklagter: „Ich will nur noch zu meiner Frau“

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Prozess_Hürth_Totschlag

Seit Dienstag steht der Hürther vor Gericht, der im März seine Frau erdrosselt haben soll.

Hürth/Köln – Es sei eine gute Ehe gewesen. Im Dezember hätte das Paar aus Hürth goldene Hochzeit feiern können. „Aber dazu ist es leider nicht mehr gekommen“, sagte der 70 Jahre alte Rentner am Dienstag auf der Anklagebank sitzend im Kölner Landgericht. Dem früheren Großhandelskaufmann wird heimtückischer Mord vorgeworfen; er soll seine Frau mit einer Wäscheleine erwürgt haben.

Am 31. März 2019, einem Sonntag, habe der 70-Jährige morgens den Plan gefasst, seine Ehefrau zu töten. „Er schnitt ein Stück von einer Wäscheleine ab und testete es auf seine Reißfestigkeit“, heißt es in der Anklageschrift. Er habe mit seiner gleichaltrigen Frau noch gefrühstückt und sich dann von hinten angeschlichen, als sie in der Küche das Geschirr spülte.

Der Mann habe seiner Frau die Wäscheleine um den Hals gelegt, woraufhin die sich heftig wehrte. „Sie drehte sich um, kratzte ihren Mann und konnte sich losreißen“, trug der Staatsanwalt vor. Die 70-Jährige schaffte es bis zur Haustür, die sie aufriss und um Hilfe rief. Doch ihr Mann habe sie in die Küche zurückgezerrt und gedrosselt, bis sie sich nicht mehr geregt habe, so die Anklage.

100 Tabletten geschluckt

Den Leichnam legte der Angeklagte im Schlafzimmer des gemeinsamen Hauses an der Bahnstraße ab. Dann schluckte er laut Anklageschrift wahllos 100 Tabletten und legte sich zum Sterben auf das Ehebett. Am Nachmittag soll die Tochter vorbeigekommen sein und Polizei sowie Notarzt gerufen haben. Der Mann konnte gerettet werden, wurde ins Hospital gebracht.

Kurz darauf erließ ein Richter einen Haftbefehl, der Rentner kam in Untersuchungshaft. In einer Polizeivernehmung gestand er die Tötung. Beim Prozessauftakt widerrief Verteidiger Oliver Kleine das Geständnis, da sein Mandant womöglich nicht vernehmungsfähig gewesen sei. An der objektiven Täterschaft bestehe aber kein Zweifel, es komme niemand anderes in Betracht.

An die Tat selbst erinnere sich sein Mandant nicht, sagte der Verteidiger und berichtete von einer Begegnung des Mannes mit seinen beiden Kindern im Gefängniskrankenhaus. „Mama ist tot“, habe die Tochter gesagt, worauf der Vater geantwortet habe: „Warum, wo ist meine Frau?“ Da habe der Sohn auf ihn gezeigt, woraufhin die Kinder den Raum verlassen hätten.

Angeklagter äußert Scham

„Ich habe meine Frau immer geliebt, was ich immer noch tue und ich schäme mich so vor den Kindern, dass ich die ganze Familie zerstört habe“, sagte der Angeklagte. Eine depressive Phase soll die Tat ausgelöst haben, zuletzt hatte der Mann Sorgen wegen eines geplanten Umzugs. „Keiner in meinem Umfeld hat verstanden, warum ich das getan habe“, sagte der Angeklagte.

„Wie soll es denn jetzt mit Ihnen weitergehen?“, fragte der Vorsitzende Richter Peter Koerfers. „Ich will nur noch zu meiner Frau“, antwortete der Angeklagte da. Er habe am Wochenende versucht, sich das Leben zu nehmen, aber das habe nicht funktioniert.

Die JVA Köln hat ihn in einer gesicherten Zelle untergebracht. Die Tochter berichtete im Zeugenstand, dass sich ihr Vater wenige Monate vor der Tat verändert habe. Ihn hätten Existenzängste geplagt, mehrere Male sei er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht gewesen.

„Wie stehen Sie jetzt zu ihm?“, fragte der Richter. „Er ist und bleibt mein Vater, ich habe ihn trotzdem noch lieb“, so die Tochter. Ihre Mutter sei ihre Vertraute und Freundin gewesen, auch der Vater habe sich rührend gekümmert, auch um die Enkel. „Jeder kann sich solche Eltern eigentlich nur wünschen.“

Ein Urteil soll am 20. Dezember fallen.