Bergheim – Für Boris Taxacher sind Hufeisen die Glücksbringer schlechthin – und das längst nicht nur zum Jahreswechsel. Dabei weiß der 45-jährige selbstständige Hufschmied aus Bergheim ganz genau, wovon er spricht. „Der Beruf hat mir Glück gebracht, er macht mir täglich Freude, und ich kann meine Familie davon ernähren“, beschreibt er sein persönliches Glück. Es ist ihm also nicht fremd, der Mythos vom Hufeisen als Glücksbringer. Und folglich verwundert es ihn auch nicht, dass zum Jahreswechsel die Nachfrage nach Hufeisen ansteigt. Dann klingelt bei ihm häufiger als sonst das Telefon. Glücksbringer werden bestellt.
Glück kann man nicht zwingen, nur finden
„Aber nur Hufeisen, die man nicht sucht, sondern zufällig auf Wegen findet, bringen Glück“, sagt der Experte. Ganz besonders viel Glück würden dabei Hufeisen verheißen, in denen noch ein oder zwei Hufnägel stecken würden. Generell gelte auch, dass man sie mit der Öffnung nach oben am oder im Haus aufhängen solle. „So kann das Glück hineinfallen“, erklärt er. Früher habe man die Hufeisen mitunter aber auch ganz bewusst andersherum aufgehängt. „Denn in den beiden Schenkel des Hufeisens haben viele Leute auch die Hörner des Teufels gesehen, sie hingen deswegen die Hufeisen mit der Öffnung nach unten auf, als Tor, durch das sich weder der Teufel noch böse Geister trauen.
Boris Taxacher vermutet, dass Hufeisen auch deswegen als Glücksbringer gelten, weil Pferde früher sehr kostbare Güter waren. „Wer ein Pferd besaß und es zudem auch gut beschlagen lassen konnte, der konnte sich glücklich schätzen“, sagt Taxacher. Und so sei es ja eigentlich auch heute noch.
Anders jedoch als früher, als es in jedem Dorf noch mindestens eine Hufschmiede gab, arbeiten die meisten Hufschmiede heute mobil. Auch Taxacher hat in seiner mobile Hufschmiede alles dabei, was er braucht, um den Pferden die Eisen auf Maß anzupassen – auch den mit Gas befeuerten Schmiedeofen.
Rot glühen jetzt die beiden Hufeisen, die Taxacher wenige Minuten zuvor in den Ofen gelegt hat. „Im Ofen herrschen Temperaturen von bis zu 1300 Grad“, erklärt er. Erst bei dieser Hitze lasse sich das Eisen in Form bringen. „Doch bevor die Eisen den Pferden angepasst werden können, müssen die Hufe zurückgeschnitten werden“, erklärt Taxacher.
Mit einer Zange schnappt sich der Hufschmied anschließend das glühende Eisen und hält es auf den Huf des Pferdes. Ohne zu zucken lässt das Pferd diese Prozedur über sich ergehen, obwohl es zischt und qualmt. „Dem Pferd tut das nicht weh“, weiß Taxacher. Die Hornhaut sei ein ganz schlechter Wärmeleiter. Lange dürfe man die heißen Eisen aber nicht auf die Hufe halten, sonst könnte das Pferd doch die Hitze spüren.
Mehrmals muss Taxacher dann das Hufeisen auf seinem Amboss in Form schlagen, bis es hundertprozentig passt. Erst ganz zum Schluss holt Taxacher den Hammer hervor, um die Hufeisen mit speziellen Hufnägeln festzunageln. Auch davon, so versichert er, spüre das Pferd nichts.
„Alle sechs bis acht Wochen sollten die Hufe entweder neu beschlagen, oder die Hufstellung korrigiert werden“, erklärt er. Dies sei auch deswegen wichtig, weil die Hufe der Pferde nie gleichmäßig wachsen. „Und eine Fehlstellung der Hufe kann dann Auswirkungen auf alle Gliedmaßen des Tieres haben“, so Taxacher.
