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Ausbildungsmarkt Rhein-ErftSelbsterkennungs-Tool soll Bewerbern helfen

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Neues Tourismus-Netzwerk FRATZ 311019

Auch wegen der digitalen Lehrmittel sind Sema Günes (l.) und Beyda Akdag  engagiert bei der Sache. Sie lassen sich zu Industriekauffrauen ausbilden.

Kerpen – Die Anzahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz ist im Rhein-Erft-Kreis leicht gesunken, die Zahl der Ausbildungsplätze dagegen deutlich. Das weist der Bericht der Agentur für Arbeit zum Ausbildungsstellenmarkt aus, den Geschäftsführer Rainer Imkamp zusammen mit Caroline Mager (Industrie- und Handelskammer, IHK) und Heribert Ropertz (Kreishandwerkerschaft) jetzt vorstellten.

2719 Bewerber (Vorjahreszeitraum 2870, -5,3 Prozent) standen im Zeitraum von Oktober 2018 bis Ende September 2175 Ausbildungsstellen (3094, - 29,7 Prozent) gegenüber. Als Grund für den Rückgang bei den Stellen nannte Imkamp einen außerordentlichen Anstieg im Vorjahr bei der außerbetrieblichen Ausbildung, der sich jetzt normalisiere. Bereinigt auf die betrieblichen Plätze sei die Zahl um 205 Ausbildungsangebote gestiegen. 84 Prozent der gemeldeten Stellen konnten laut Arbeitsagentur besetzt werden, sodass 1208 junge Menschen mit Beginn des Ausbildungsjahres eine ungeförderte betriebliche Ausbildung antreten konnten. 135 Bewerber sind noch auf der Suche, dagegen sind 339 Stellen noch nicht besetzt.

Stellen für Bewerber schmackhaft machen

„Wir versuchen jetzt, den Bewerbern Stellen schmackhaft zu machen, die große Überschneidungsmengen mit ihrem Wunschberuf haben“, sagt Imkamp. Wer sich frühzeitig informiere, könne „neben den üblichen Wunschberufen andere spannende Ausbildungsberufe entdecken“, rät er zu „Flexibilität und Mobilität“. Die Agentur helfe vor und nach der Vermittlung mit Einstiegsqualifizierung wie Praktika, ausbildungsbegleitende Nachhilfe und intensiven Betreuung der Azubis. Unterstützt werde auch betriebliche Einzelumschulung für etwa 40-jährige Arbeitnehmer. Noch gebe es Ausbildungsplätze unter anderem für Einzelhandels- und Industriekaufleute, Chemikanten, Friseure und Mechatroniker.

Ropertz konnte 612 abgeschlossene Ausbildungsverträge im Handwerk vermelden. „Das ist ein Zuwachs von 6,4 Prozent, der im Umkreis überdurchschnittlich ist“, betonte er. Er ermunterte zu einem dualen Studium. „Das ist eine große Chance für junge Leute.“In Industrie und Handel verzeichnet Mager mit 1322 neuen Azubis einen Rückgang um 14 Verträge. „Damit sind wir zufrieden. Wir holen auch Studienabbrecher gezielt an Hoch- und Fachhochschulen ab. Dieses Engagement zahlt sich aus.“ Auch bei Ausbildungen nach Bachelor- oder Master-Studium, die oft zu wenig Praxis vermittelten, sei ein Anstieg zu verzeichnen.

Selbsterkennungstool soll helfen

Sedma Günes und Beyda Akdag lassen sich zu Industriekauffrauen ausbilden. Beim Kerpener Unternehmen Lucas-Nülle, wo die Zahlen jetzt vorgestellt wurden, ist man gleich doppelt mit Ausbildung befasst. Der „Weltmarktführer“ (Imkamp) für Trainingssysteme für berufliche Bildung bietet Technik und Software für Azubis in mehr als 100 Sprachen an. Die beiden 20-Jährigen lernen also nicht nur ihren Job, sondern sind auch willkommene Tester der Unternehmensprodukte.

Günes hatte zuvor ihr VWL-Studium abgebrochen, „weil ich erkannt habe, dass ich mehr Praxis benötige und weil ich einen Beruf suchte, hinter dem ich voll stehe“. Akdag hat nach dem Fachabitur ihre Lehre begonnen, weil sie „einen vielfältigen Beruf“ gefunden habe. „Mit unserem Selbsterkennungstool können Jugendliche ihre Stärken im Internet ermitteln“, wies Imkamp auf ein weiteres Hilfsmittel hin.