Im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen reinigten Jugendliche 20 Stolpersteine von Familien aus Kerpen – und erinnerten an deren Verfolgung in der NS-Zeit.
Gedenken an NS-OpferStolpersteine in Kerpen wieder sauber

Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Kerpen reinigten die Stolpersteine.
Copyright: Heimatfreunde Kerpen
Konfirmandinnen und Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Kerpen haben die Stolpersteine vor den ehemaligen Wohnhäusern von Emma, Sigmund, Julius, Rosa, Karl, Egon und Berthold Brünell (Hahnenstraße), Erna, Joseph und Karl-Philipp Schwarz, genannt Charles, (Bachstraße), Sara, Rosa, Paula, Hermann, Jenny, Fritz und Lotte Capell (Mähnstraße) sowie Elisabeth, Hermann und Fritz Roer gereinigt. Das berichten die evangelische Kirchengemeinde Kerpen und die Heimatfreunde Stadt Kerpen in einer gemeinsamen Mitteilung.
Gedenken im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen
So gedachten die Jugendlichen der Verfolgung der Jüdinnen und Juden, die als Mitglieder der Kerpener Gesellschaft in der Politik, in den Karnevals-, Schützen- und Fußballvereinen aktiv waren und zusammen mit den christlichen Kerpener Bürgerinnen und Bürgern in Chören gesungen haben, heißt es in der Mitteilung. Die Aktion fand im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen im Rhein-Erft-Kreis statt.
Schon im September hatten die Konfirmandinnen und Konfirmanden zusammen mit Pfarrerin Dr. Yvonne Brunk eine Radtour zu den jüdischen Spuren in Kerpen unternommen, berichten die Gemeinde und die Heimatfreunde.
Die Vorsitzende der Heimatfreunde, Susanne Harke-Schmidt, habe die Gruppe vom Jüdischen Friedhof zu den Mahnmalen an der Alten Landstraße, zum „Ghettohaus“, zur ehemaligen Synagoge und zu den Wohnhäusern geführt, vor denen 2017 und 2020 Stolpersteine verlegt worden waren. Vincent Ries vom Stadtarchiv unterstützte sie dabei.
Bei der Reinigungsaktion informierten Vereinsvorsitzende Susanne Harke-Schmidt und Stadtarchivarin Susanne Kremmer, zugleich zweite Vorsitzende, über die jüdischen Familien und verteilten die erforderlichen Materialien. 20 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an der Hahnenstraße an Mitglieder der jüdischen Familie Roer, an der Eulenstraße an die der Familie Brünell, an der Mähnstraße an die der Familie Capell und an der Bachstraße an die der Familie Schwarz.
Das Schicksal der Familie Roer
„Im Oktober 1941 gehörten Elisabeth, Hermann und Fritz Roer zu den 2011 Kindern, Frauen und Männern, die von Köln-Deutz aus in das Ghetto Litzmannstadt (Łód´z) deportiert wurden“, heißt es in der Mitteilung. Am Tag vor der Deportation habe Hermann Roer seine Buirer Verlobte Edith Frank in Kerpen geheiratet.
„Mein Bräutigam ist für einen Transport nach Litzmannstadt vorgesehen, der am Donnerstag, den 29. des Monats von Köln abgeht und zu dem sich mein Verlobter am Mittwochmorgen um 7 Uhr in der Messehalle stellen muss“, zitieren die Gemeinde und der Heimatverein Edith Frank.

Stolpersteine für Familie Schwarz.
Copyright: Heimatfreunde Kerpen
Es war dem frischvermählten Ehepaar nicht vergönnt, sich wiederzusehen: „Elisabeth sowie Hermann und seine Frau Edith, die am 14. Juni 1942 von Buir nach Bonn deportiert wurde, wurden ermordet. Fritz Roer überlebte Auschwitz und den Holocaust. Er kehrte 1945 nach Kerpen zurück“, wissen Heimatverein und die evangelische Gemeinde zu berichten. 1949 sei er in die USA ausgewandert, er starb 2010 im Alter von 89 Jahren.
Weitere Stolpersteine in Sindorf
2022 seien auch in Sindorf Stolpersteine für die Mitglieder der Familien Kahn und Nathan verlegt worden, die vom dortigen Heimatverein gesäubert werden. In Kerpen sollen zukünftig Stolpersteine für die Mitglieder der Familien Leiser an der Hahnenstraße und der Stiftsstraße verlegt werden.
Entsprechende Pläne gebe es auch zur Erinnerung an jüdische Familien in Blatzheim, Brüggen und Buir. (rag)
Weitere Informationen im Netz
www.evangelisch-in-kerpen.de
www.instagram.com/evangelisch_in_kerpen/
www.heimatfreunde-stadt-kerpen.de
