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Ungewöhnliche SammlungBuchbinder eröffnet Kuriositäten-Museum in Kerpen-Horrem

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Das Foto zeigt einen Mann, der ein ausziehbares Buch öffnet.

In diesem Buch stehen Zaubersprüche, wie Roland Zimmer erklärt.

Roland Zimmer hat im Laufe seines Lebens zahlreiche Kuriositäten rund ums Buch gesammelt und möchte diese der Öffentlichkeit präsentieren.

Roland Zimmer hat seinen Beruf zur Leidenschaft gemacht. Viele machen es umgekehrt, doch in die Wiege gelegt wurde ihm das Buchbinde-Handwerk nicht. „Nein, meine Eltern waren keine Buchbinder“, verrät er und lacht: „Ich wollte damals einfach nur nicht mehr zur Schule gehen. Ich habe ein Praktikum gemacht bei einem Buchbinder und der sagte am Ende zu mir: Am 1. August bist du wieder hier als Lehrling. Ist schon alles mit deinem Vater abgesprochen. Und so kam das.“

Heute steht er in der Halle seines Meisterbetriebs in Kerpen-Horrem, bildet selbst aus und nimmt Aufträge von Universitäten, Unternehmen und Künstlern an. Zwischen den Maschinen stapeln sich die Bücher, die repariert oder neu eingebunden werden sollen. Doch beim Handwerk endet Zimmers Begeisterung nicht. Er interessiert sich für alles, was mit seinem Lieblingsmedium zu tun hat.

Das Foto zeigt einen Mann an einer Maschine.

Diese Maschine ist eigentlich schon aus der Mode gekommen. Für ungewöhnliche Formate kommt sie bei Roland Zimmer aber noch zum Einsatz.

„Ich sammle schon mein ganzes Leben lang Kurioses über und aus Büchern“, erzählt der 63-Jährige. Diese Sammlung soll nun auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Darum eröffnet Zimmer nun ein kleines Museum mit dem Namen „Bibliotheka Curiosa“ in den Nebenräumen der Werkstatt. Hier können Gäste ab dem 20. Juni alte Maschinen aus dem Buchbinde-Handwerk sowie Ausgefallenes aus der Welt der Bücher sehen. 

In den beiden Museumsräumen stehen mehrere Vitrinen, in denen sich etwa winzige Bücher finden, die nur mit der Lupe lesbar sind. Daneben gibt es Bücher in ungewohnten Formen: etwa halbrund oder solche, die zugeklappt aussehen wie ein Tortenstück. Auch das Zu- und Aufblättern will hier gelernt sein. So entfaltet sich ein Buch etwa auf mehreren Metern. 

Das Foto zeigt, wie ein Buch an einer Maschine gebunden wird.

An dieser Maschine werden Seiten von Hand „vernäht“.

Und dann gibt es natürlich noch die Ausstellungsstücke, die wie Bücher aussehen, aber keine sind. Oder zumindest nicht mehr als solche genutzt werden. Unter anderem hat Zimmer hier ein funktionierendes Drehscheiben-Telefon aus Büchern stehen oder auch Deckenleuchten und Vasen, die wie das geliebte Medium aussehen. 

Besonders interessant sind nicht nur die Ausstellungsstücke aus der privaten Sammlung des Inhabers, sondern vor allem das, was er darüber zu berichten vermag. So erfährt man hier etwa, woher der Begriff „ein Buch aufschlagen“ stammt. „Früher besaßen Bücher Schlösser“, berichtet er und zeigt auf eines der beiden alten Ausstellungsstücke, die im Museumsraum auf einem Tisch ausliegen: „Und nun schlagen Sie mal auf den Einband!“ Siehe da, das Schloss, auch Buchschließe genannt, springt von alleine auf. Und das sei der Grund, warum man von „ein Buch aufschlagen“ spreche.

Das Foto zeigt winzige Bücher.

Im Museum gibt es unter anderem winzige Bücher, die man nur mit der Lupe lesen kann.

Und noch mehr Spannendes aus der Historie des geschriebenen Worts weiß Zimmer zu berichten: „Früher waren Buchdeckel aus Holz, meistens aus Buche. Und daher – das ist zumindest eine der möglichen Wortherkünfte – kommt die Bezeichnung Buch, von der Buche.“

Wer sich davon selbst ein Bild machen möchte, kann zur Eröffnung des kleinen Museums am Samstag, 20. Juni, zwischen 11 und 18 Uhr zum Tag der offenen Tür vorbeikommen. Die weiteren Öffnungszeiten für das Museum stehen noch nicht abschließend fest, es soll aber voraussichtlich während der Öffnungszeiten der Buchbinderei ohne Anmeldung und Eintrittskosten besichtigt werden können. Am Tag der offenen Tür können Besucher auch die Werkstatt und das Handwerk kennenlernen sowie Zimmers Verein „Forum für Kunsthandwerk und Buchkultur“, zu dem das Museum gehört. Es werden Speisen und Getränke sowie Mitmach-Aktionen angeboten.

Die Bibliotheka Curiosa ist nicht das einzige kleine Museum in Rhein-Erft-Kreis. Hier eine Auswahl: So gibt es in Kerpen-Buir etwa das DDR-Museum, das seine Türen nach Absprache und an besonderen Besuchertagen öffnet. Weiter ist ein Teil des Bestands des früheren Rennsportmuseums aus der Villa Trips in einem Raum auf Schloss Loersfeld ausgestellt.

In Bedburg-Rath findet sich das Rosengart-Museum, das sich ganz dem namensgebenden Autobauer verschrieben hat. In der Böhm Chapel in Hürth finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Auch die Heimatkunde kommt nicht zu kurz, etwa im Heimatmuseum Stommeln.