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Öffnungszeiten und BetriebDarum streitet sich die Kerpener Politik um die Erftlagune

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Das Foto zeigt ein Schwimmbad.

Die Erftlagune wurde im Jahr 2019 wiedereröffnet (Archivfoto).

Das Vier-Jahreszeitenbad Erftlagune in Sindorf ist ein Minusgeschäft. Wie damit künftig umgegangen werden soll, wird politisch diskutiert.

Das Thema Erftlagune erhitzt derzeit in Kerpen die Gemüter. Doch warum eigentlich? Und wie sieht die Zukunft des Schwimmbads nun aus, wenn am Dienstag, 30. Juni, im Stadtrat darüber entschieden werden soll? Die Diskussion im Überblick.

Kerpen: Erftlagune schreibt rote Zahlen

Worum geht es?

Das Vier-Jahreszeitenbad Erftlagune in Sindorf ist ein Minusgeschäft. Die Kerpener FDP-Gruppe rechnete jüngst in einem Antrag durch: „Für das Jahr 2026 stehen ordentlichen Erträgen in Höhe von 682.830 Euro Aufwendungen von 3.757.020 Euro gegenüber. Unter Berücksichtigung weiterer relevanter Positionen ergibt sich ein jährliches Gesamtdefizit von rund 3,15 Millionen Euro.“

Ein Problem beim Betrieb des Bads ist zudem die Personallage. Immer wieder musste das Bad in der Vergangenheit schließen, etwa wegen hoher Krankenstände. In Anbetracht dessen und der ohnehin angespannten Haushaltslage wollen CDU, Grüne und die BBK/UWG-Fraktion die Öffnungszeiten der Erftlagune für die Öffentlichkeit ab September einschränken. Das Schwimmbad soll unter der Woche als Schul- und Vereinsbad genutzt werden und nur noch abends und an den Wochenenden für Publikum geöffnet werden. Bis dahin soll das Bad mit den gewohnten Öffnungszeiten betrieben werden.

Was hat das mit dem Haushalt zu tun?

Bisher gibt es keinen Haushalt für das Jahr 2026 in Kerpen. Die CDU hatte im April Beratungsbedarf angemeldet. Der Grund? Angesichts der klammen Finanzen gebe es noch Sparpotenzial, unter anderem bei der Erftlagune. Um den Haushalt auf den Weg zu bringen, luden die Christdemokraten die anderen Fraktionen und Gruppen zu Gesprächen ein. Während sich zwischen CDU, Grünen und der BBK/UWG-Fraktion schnell ein Konsens abzeichnete, sowohl bezogen auf die Erftlagune als auf andere Sparmaßnahmen, wollte sich die SPD darauf nicht einlassen.

Am Schwimmbad scheiden sich die Geister

Knackpunkt war das benannte Schwimmbad. Die SPD wollte längere Schwimmzeiten für die Öffentlichkeit und stattdessen auf anderem Wege Geld sparen, etwa durch Änderungen an den Eintrittspreisen. Beide Seiten wollen dem Haushalt nur zustimmen, wenn die Erftlagune nach ihren Vorstellungen weiterbetrieben wird.

Weil es keinen Haushalt gibt, kommt erschwerend hinzu, dass die Stadtverwaltung die Erftlagune aktuell geschlossen hält. Wie die Stadtverwaltung berichtete, könne sie ohne einen Haushaltsbeschluss keine Saisonkräfte einstellen. Dies sei aber notwendig, um das Freibad Türnich und die Erftlagune parallel zu betreiben.

Kleine Gruppen im Rat könnten entscheidend sein

Was geschieht nun mit der Erftlagune?

CDU, Grüne und BBK/UWG haben sich für einen entsprechenden Antrag zusammengeschlossen, der ihren Kompromissvorschlag im Rat zur Abstimmung stellt. Das Thema ist sowohl am Dienstag, 30. Juni, wenn auch der Haushalt beschlossen werden soll, als auch am Dienstag, 23. Juni, im Hauptausschuss auf der Tagesordnung.

Allerdings haben CDU, Grüne und BBK/UWG gemeinsam 28 Stimmen im Rat. Stimmberechtigt sind 57 Mitglieder. Es fehlt also eine Stimme zur Mehrheit. Entscheiden werden also die drei kleinen Gruppen im Rat (Linke, FDP, Piraten) und/oder die AfD – vorausgesetzt man einigt sich nicht doch noch vorher.

Am Montag vor dem Hauptausschuss ließ die Linke auf Anfrage eher Sympathie für die Positionen der SPD durchblicken, die FDP eher für die der CDU. Die Piraten gaben an, noch keinen Entschluss gefasst zu haben. Allerdings müssten alle Ratsmitglieder abseits der CDU, Grünen und der BBK/UWG-Fraktion mit der SPD stimmen, um eine andere Mehrheit zu erlangen.

Dies ist, auch in Anbetracht der von der AfD zuvor zumindest verbal vorgebrachten Sparabsichten und der Tendenz der FDP eher unwahrscheinlich. Und: Auch bei zwei Enthaltungen anderer Ratsmitglieder hätten CDU, Grüne und BBK/UWG eine Mehrheit.


Die Position des Bürgermeisters

Der Bürgermeister ist im Rat stimmberechtigt. Thomas Jurczyk hat sich in der Vergangenheit bereits deutlich für den Erhalt der Erftlagune ausgesprochen. Eine frühere Anfrage beantwortete seine persönliche Referentin wie folgt: „Unabhängig von den politischen Entscheidungen zum Haushalt und unabhängig davon, wann die vorläufige Haushaltsführung beendet werden kann, erkennt Herr Jurczyk die wichtige Bedeutung der Erftlagune für unsere Stadt und spricht sich klar dafür aus, dass diese langfristig erhalten bleiben soll.“

Jurczyk ist SPD-Mitglied, was dafür sprechen könnte, dass er im Sinne der eigenen Partei entscheidet. Jedoch wird die Erftlagune auch nach dem Vorschlag der CDU, Grünen und BBK/UWG erhalten. Es würden ab September lediglich die Nutzungszeiten zu Ungunsten des Publikumsverkehrs verschoben.

Der Bürgermeister appellierte am Montag, 22. Juni, erneut an die Ratsmitglieder, am 30. Juni einen Haushalt zu beschließen, da die Handlungsfähigkeit der Stadt sonst enorm eingeschränkt sei. Die Verwaltung teilt mit: „Ein wesentlicher Grund für die noch ausstehende Einigung war die intensive Debatte über die Zukunft der Erftlagune. Inzwischen liegen jedoch Vorschläge vor, die eine Verständigung möglich machen.“ Und: „Für die weitere Beratung über die Erftlagune hat der Ausschuss für Sport, Freizeit und Kultur bereits einen runden Tisch beschlossen, der zeitnah einberufen werden soll. Dieser sollte nun zunächst seine Arbeit aufnehmen und die verschiedenen Optionen sorgfältig prüfen.“

„Ich hoffe sehr, dass der Rat am 30. Juni einen Haushaltsbeschluss fasst“, sagt Jurczyk: „Damit stellen wir die Handlungsfähigkeit der Stadt wieder her und gewinnen zugleich die nötige Zeit, um die Zukunft der Erftlagune am runden Tisch intensiv und verantwortungsvoll zu beraten.“