Die Politik ist uneins, ob Michael Schumacher geehrt werden soll. Zudem hat die Kolpingstadt nicht einmal eine Ehrenordnung.
FDP-Mann mahnt Tempo anNeuer Vorstoß in Kerpen, um Schumi zum Ehrenbürger zu machen

Im Beisein vom damaligen Bürgermeister Peter Müller (l.) trug sich Michael Schumacher 2001 ins Goldene Buch der Stadt Kerpen ein.
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Der FDP-Politiker Tamer Kandemir hat die Debatte um eine Ehrenbürgerschaft Michael Schumachers in Kerpen erneut angestoßen. Seit Jahren werde in der Kolpingstadt darüber diskutiert, wie man den mehrmaligen Formel-1-Weltmeister angemessen würdigen könne. Der Umstand, dass vor Jahren eine Straße nach dem Sportler benannt worden ist, reicht für den Kommunalpolitiker nicht aus. Schumacher habe sich in hohem Maße um seine Heimatstadt verdient gemacht, daher müsse er zum Ehrenbürger ernannt werden. Kerpen aber lasse seine Vorbilder im Stich.
Die Ehrung ist bisher in der 70.000-Einwohner-Stadt im Rhein-Erft-Kreis zum einen am politischen Willen gescheitert. Zum anderen fehlen die formalen Voraussetzungen, um jemanden zum Ehrenbürger zu machen: Anders als die Mehrzahl anderer Städte verfügt Kerpen über keine Ehrenordnung.
Die Hintergründe bleiben diffus und für Außenstehende nicht nachvollziehbar
Ein FDP-Antrag war vertagt worden und sollte vom neuen Stadtrat nach der Kommunalwahl im September 2025 wieder auf die Tagesordnung genommen werden. Kandemir kritisiert, dass dies bisher nicht geschehen ist. Er erwartet, dass es nicht bei weiteren Gesprächsrunden bleibt, „sondern dass endlich eine konkrete Entscheidung getroffen wird“. Die Ehrenordnung dürfe kein Dauerthema ohne Ergebnis bleiben, sondern müsse abgeschlossen werden.
In einer Stellungnahme auf Facebook zeigt sich der FDP-Ratspolitiker irritiert darüber, dass sich „seit Jahren vor allem aus der Verwaltung immer wieder Widerstände gegen die Einführung einer Ehrenordnung zeigen, ohne dass diese überzeugend begründet würden. Die Hintergründe bleiben diffus und für Außenstehende nicht nachvollziehbar“.

Tamer Kandemir wirft der Kerpener Stadtverwaltung vor, sie blockiere die Einführung einer Ehrenordnung.
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Kandemir versichert, es gehe ihm nicht allein um Michael Schumacher, sondern um alle Menschen, „die sich mit außergewöhnlichem Engagement und besonderen Verdiensten um die Stadt verdient gemacht haben“.
Kerpen: Michael Schumacher ist bereits Ehrenbürger in anderen Städten
Unterstützung erhält Kandemir für seinen erneuten Vorstoß vom Vorsitzenden des Michael-Schumacher-Fanclubs, Reiner Ferling. In seiner Zeit als aktiver Sportler hätten sich die Verantwortlichen in Kerpen mit dem siebenmaligen Weltmeister geschmückt. Davon könne aber schon lange keine Rede mehr sein: „Aus den Augen, aus dem Sinn“, sagt Ferling. Im Dezember 2013 hatte sich Schumacher bei einem Skiunfall schwere Kopfverletzungen zugezogen. Er wird seitdem von seiner Familie abgeschirmt, über seinen Gesundheitszustand gibt es keine verlässlichen Informationen.
Dass es anders gehe, hätten die die Städte Maranello, Spa und Sarajevo gezeigt – Orte, an denen der Formel-1-Pilot große Erfolge gefeiert hat – gezeigt: Dort ist Michael Schumacher Ehrenbürger, erinnert Ferling.

Reiner Ferling ist Vorsitzender des Michael-Schumacher-Fanclubs.
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Das weitere Echo auf Kandemirs Forderung fällt – wie auch in früheren Debatten zu dem Thema – gemischt aus. Ob Kerpen nicht andere Probleme habe, heißt es da in einigen Kommentaren. Andere verweisen auf die Kosten für die finanziell notorisch klamme Kommune, die mit der Verleihung von Ehrenbürgerschaften einhergingen. Andere halten Schumacher für eine solche Ehrung für ungeeignet. Dass er keine Beziehung zu seiner Heimatstadt habe, zeige sich allein schon daran, dass er seinen Wohnsitz vor vielen Jahren in die Schweiz verlagert habe, daher keine Steuern in der Kolpingstadt zahle.
Erfolg und Leistung zählen bei vielen Entscheidungsträgern nicht mehr
Besonders hart geht Annika Effertz, die Vorsitzende der Grünen in Kerpen, mit FDP-Politiker Kandemir ins Gericht. Ob es ihm nicht auffalle, dass seit der Kommunalwahl alle anderen Politikerinnen und Politiker im Stadtrat Gemeinsamkeiten suchten, um die Dinge zusammen, konstruktiv anzugehen – Kandemir der einzige sei, der ständig meckere. Effertz hält dies für „destruktiv und kontraproduktiv“. Kerpens Zukunft liege jetzt darin, „dass die Verantwortlichen anpacken und parteiübergreifend an einem Strang ziehen“. Zur Forderung nach einer Ehrenordnung sagt sie derweil nichts.
Unverständnis über die Kerpener Hängepartie hatte 2024 Michael Schumachers Bruder Ralf geäußert. Im Gespräch mit dieser Redaktion sagte er: „So eine Entscheidung ist typisch für Deutschland. Erfolg und Leistung zählen bei vielen Entscheidungsträgern nicht mehr. Das ist ein Problem unseres Landes. Anstatt stolz zu sein auf eine solche Persönlichkeit und dessen außergewöhnliche Leistung, lässt man die Dinge einfach so laufen.“

