Vor 40 Jahren fand Pitzens Priesterweihe im Kölner Dom statt, seit zehn Jahren predigt der 66-Jährige im Seelsorgebereich Kerpen Süd-West.
PfarrvikarFranz-Josef Pitzen aus Kerpen blickt zurück auf 40 Jahre Priesterdienst

Pfarrvikar Franz-Josef Pitzen feierte 40 Jahre im Dienst der Kirche.
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Das Pfarrhaus liegt abseits der Straße, schattenspendende Bäume säumen die Einfahrt zu dem weißen Gebäude mit den dunkelgrünen Fensterläden. Pfarrvikar Franz-Josef Pitzen nimmt auf der Stuhlkante im Büro Platz, einem schlicht eingerichteten Raum mit einem Kreuz über der Tür, einem Aktenschrank an der Wand und einem überdimensionierten Kopiergerät in der Ecke.
Der Pfarrvikar kommt rasch ins Erzählen. Die Erinnerungen an die Festmesse zu seinem Jubiläum sind noch frisch, andere sind Jahrzehnte alt. Vor nunmehr 40 Jahren fand Pitzens Priesterweihe im Kölner Dom statt, seit zehn Jahren predigt der 66-Jährige neben dem leitenden Pfarrer Ludger Möers im Seelsorgebereich Kerpen Süd-West und übernimmt hauptsächlich die Gottesdienste in Blatzheim und Buir.
Kerpen: Geschichten über andere Menschen
Beim Erzählen beugt sich der Pfarrvikar vor, gestikuliert lebhaft, lacht und schaut auch mal in die Ferne. Erinnerungen, Anekdoten und Ereignisse aus 40 Jahren sprudeln aus ihm heraus. Auf Fragen zu seiner eigenen Person antwortet Pitzen meist mit Geschichten über andere Menschen. Er erzählt von seiner Mutter, seinem Bruder, ehemaligen Mitschülern, Ehrenamtlern, KJG-Frauen. Und von persönlichen Begegnungen mit Priestern, die ihm Motivation waren, selbst Priester zu werden.
Der damalige Kaplan seiner Heimatgemeinde Wermelskirchen, wo Pitzen am 21. Mai 1960 geboren wurde, sei ein „grandioser Kinder- und Jugendseelsorger“ gewesen. „Bei dem durften wir schon mit sieben Jahren Messdiener sein. Deshalb hatte der auch Heerscharen an Messdienern“, schmunzelt der Pfarrvikar.
Er selbst sei nicht nur Messdiener gewesen, auch Pfadfinder und bei den Schützen. „Ich war immer im Dunstkreis des Kirchturms unterwegs“, erinnert er sich. Kurz vor dem Abitur am städtischen Gymnasium in Wermelskirchen sei der Wunsch nach einem Theologiestudium in ihm gereift. Ein Lehramt aber sei nie in Frage gekommen. „Ich kann mit Kindern und Jugendlichen, aber der Betrieb Schule hat mich nie interessiert.“ Seine damalige Freundin akzeptierte seinen Wunsch, Priester zu werden und im Zölibat zu leben. Bei seiner Primiz sang sie Bachs „Jesu, meine Freude.“
Stationen als Kaplan und Dekanatsjugendseelsorger
Nach Stationen als Kaplan und Dekanatsjugendseelsorger, unter anderem in Horrem, führte ihn sein Weg nach Brühl, Leverkusen, Solingen und schließlich zurück nach Kerpen. Ab 1995 legte Pitzen ein Sabbatjahr ein, arbeitete als Altenhilfspfleger und absolvierte unter anderem eine Zusatzausbildung zum Krankenhausseelsorger. Bis 2000 war er dann auch als Krankenhauspfarrer am Marienhospital Brühl tätig, gründete den Hospizverein Brühl e. V. mit und wurde dessen Erster Vorsitzender.
Aus dieser Zeit stammen Erinnerungen, die den Pfarrvikar schlucken und mit den Tränen ringen lassen. Doch: „Das schöne im Krankenhaus aber war, dass es auch eine Geburtshilfe gab. Wenn man einen grauen Tag hatte, ging man Babys gucken.“ Der Dank der Menschen, denen er dort als Seelsorger begegnet sei, habe ihn stets gestärkt. Einmal hatten die Ärzte drei Tage um das Leben einer jungen Frau gekämpft, die bei der Geburt ihres Sohnes einen Herzstillstand erlitten hatte. Pitzen hatte den frisch gebackenen Vater betreut. „Als am dritten Tag endlich klar war, sie lebt – da war es, als hätte das ganze Haus ausgeatmet“, erinnert sich der 66-Jährige und nimmt seine Brille ab, um eine Träne wegzuwischen. Trotz solcher Erlebnisse verbucht er die Jahre als Krankenhauspfarrer als „gute Zeit“.
Eine unbeschwerte Zeit folgte in den Jahren bis 2008 in Leverkusen. Als Pfarrer nahm er dort auch an KfG-Bildungsfahrten, an Familien- und Jugendfahrten teil. „Das war eine schöne Zeit.“ Dann kam die Versetzung nach Kerpen. „Und hier werde ich auch bleiben“, ist sich der Pfarrvikar sicher. Vor allem die Mentalität der Menschen im Seelsorgebereich Kerpen-Süd sei der Grund gewesen, warum er sich vor zehn Jahren entschied, hier, statt in Wuppertal zu predigen.
„Hier wird Gemeinschaft gelebt und gepflegt, es gibt noch ein Miteinander und man nimmt einander nichts übel“, findet Pitzen und spricht von „paradiesischen Zuständen“, wenn es um das geistliche Team geht. Viele Wegbegleiter hatten das Jubiläumsfest mitgestaltet – vom Posaunenchor bis zu den Schützenbruderschaften. Dankbar sei Pitzen, dass er in 40 Jahren immer Menschen um sich hatte, die ihn aufgebaut haben. „Ich wünsche mir, dass ich meinen Dienst noch lange ausüben kann“, sagt der 66-Jährige. Als das Foto gemacht ist, fällt sein Blick auf die Straße „Oh, jetzt muss ich aber erst mal die Mülltonnen rein holen.“
