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Kerpener KorbjägerKerpener nach dem Abitur als Lehrer in Afrika

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Kerpen – Kai Tostes und Jannik van Egdom lieben Basketball – und sind sehr gut darin. Gemeinsam traten sie viele Jahre lang für den TV Blatzheim an, spielten sich hinauf in die Regionalliga der Unter-16-Jährigen und sammelten mehrere Kreismeistertitel – Kai als wendiger, treffsicherer Aufbauspieler, Jannik mit seinen 1,98 Metern als reboundstarker Center unter den Körben. In der Mannschaft des Europagymnasiums Kerpen gelang den beiden mit ihren Freunden sogar der Einzug in das NRW-Landesfinale der Schulen. Auch künftig wird der Sport in ihrem Leben eine große Rolle spielen. Doch ihre Spielfelder liegen bald nicht mehr in NRW, sondern in Afrika.

Im Rahmen des Programms „weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gehen die beiden 18 Jahre alten Korbjäger, die am Freitagabend in der Aula des Europagymnasiums ihre Abiturzeugnisse ausgehändigt bekamen, freiwillig und ehrenamtlich an Schulen in Regionen, in denen die Ärmsten wohnen.

Jannik van Egdom nimmt im August seine Arbeit an der Basketball Artist School in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia im südlichen Afrika auf. „Die Schule hat das Ziel, benachteiligten Kindern aus dem Township Katutura durch Bildung und Basketball eine bessere Lebensperspektive zu ermöglichen“, erklärt der Abiturient. Das Motto der Schule laute „Education First – Basketball Second“, klärt er die Rangfolge: „Ich werde die Kinder bei ihren Hausaufgaben unterstützen, im Basketball-Coaching assistieren und bei sogenannten Life-Skill-Aktivitäten, also dem Erwerb allgemeiner Fähigkeiten, die man für das künftige Leben braucht, mithelfen.“

Außerdem wird er ein offenes Programm für Menschen zwischen zwölf und 24 Jahren mitgestalten, manchmal als Trainer, aber auch als Vorbereiter von Turnieren. Hinzu kommen Arbeiten im Namibischen Basketballverband. Sie reichen von Sportunterricht in Schulen über die Mitarbeit beim Auswahlverfahren für die Nationalteams bis zur Organisation von Basketball-Camps.

Kai Tostes Arbeitsplatz sieht anders aus. Er liegt nicht in der Großstadt, sondern auf dem Land. Der Blatzheimer wird Mathematik und Sport – seine Leistungskurse – an einer Dorfschule in Ghana im westlichen Afrika unterrichten. Das Dorf Wusuta liegt 25 Kilometer entfernt von der Distrikthauptstadt Kpando in der fruchtbaren Voltaregion direkt neben dem Voltasee im Südwesten Ghanas. In der Royal Academy School wird Kai nicht nur unterrichten, sondern einen Teil der 246 Kinder und Jugendlichen auch bei den Hausaufgaben betreuen und für sie Sportprogramme entwickeln.

„Es gibt dort eine Volleyball-AG für Mädchen und eine Fußball-AG für Jungen“, berichtet der 18-jährige Abiturient, der vor wenigen Tagen auch bereits die Aufnahmeprüfung für die Sporthochschule in Köln geschafft hat. Fußball sei in Ghana sehr populär, hat er im Kontakt mit den jetzigen Helfern aus Deutschland erfahren: „Aber meinen Basketball nehme ich auf jeden Fall auch mit.“

Sport in einer Gemeinschaft sei eine „hervorragende Möglichkeit, Werte und Normen wie Fairness, Teamgeist, Disziplin, Verantwortung und Empathie zu vermitteln“, sagt Jannik van Egdom: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Sport sich sehr positiv auf die Persönlichkeit und das Befinden auswirken kann. Wenn man auf dem Platz steht, dann sind zum Beispiel Sorgen und Aggression schnell vergessen.“ Jannik ist überzeugt: „Dass man gerade Kindern aus schwierigen Verhältnissen mit der Förderung im Basketball sehr helfen kann.“

Der junge Centerspieler, der auch als Schiedsrichter im Westdeutschen Basketballverband tätig ist, wird im Auftrag des ASC Göttingen, mit 9000 Mitgliedern einem der größten Sportvereine Niedersachsens, nach Windhoek fliegen. Kai Tostes hingegen wird von einer Organisation nach Ghana entsendet, deren Urvater aus Kerpen stammt: Adolph Kolping. Kai Tostes ist für die „Kolping Jugendgemeinschaftsdienste“ (JGD) im Kolpingwerk aktiv. Das Geburtshaus des Gesellenvaters steht nur wenige Kilometer von seinem Haus entfernt. Die Ziele der Kolping JGD sind, junge Menschen „zur Übernahme sozialer Verantwortung in der Gesellschaft“ anzuregen und ihr Verständnis für globale Zusammenhänge zu wecken und zu fördern. Diesen Zielen wollen beide Kolpingstädter nacheifern.