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Prozess vor dem Kölner LandgerichtPlötzlich steht eine Frau mit Messer vor der Tür

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Angeklagte

Die Angeklagte mit ihrem Verteidiger Dirk Graf beim Prozessauftakt.

Frechen – „Da war ich baff“. So beschrieb der Frechener vor dem Kölner Landgericht eine Szene, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Unbedarft hatte der 55-Jährige im November seine Wohnungstür geöffnet, nachdem es geklingelt hatte. Plötzlich stand eine Frau vor ihm, die unvermittelt ein Messer zog. Sie muss sich nun wegen versuchten Mordes verantworten.

Die Angeklagte und ihr Opfer kannten sich seit einigen Jahren. Am Tattag hatten sie in einem Kiosk am Frechener Busbahnhof Fußball geschaut, das Spiel der DFB-Frauen gegen Spanien. Aus nichtigem Anlass soll es zum Streit gekommen sein. Die Staatsanwältin geht davon aus, dass die Angeklagte Geld gefordert hatte und es nicht bekam.

„Ich habe mein Bier ausgetrunken und bin nach Hause gegangen“, berichtete das Tatopfer im Zeugenstand. Wenige Minuten, nachdem er seine Wohnung betreten hatte, habe es geklingelt. „Sie war aufgebracht, wollte es ihm heimzahlen“, heißt es in der Anklageschrift. Dann habe sie dem Mann ein Messer in die linke obere Brust gerammt.

Staatsanwaltschaft geht von Tötungsabsicht aus

Laut Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte, die nach der Attacke flüchtete, von einem Stich mit tödlicher Wirkung ausgegangen sein. Da der Geschädigte nicht mit einem Angriff gerechnet hatte, geht die Anklagebehörde von einem versuchten heimtückischen Mord aus. „Ich habe das Messer nicht gesehen, sonst hätte ich die Tür direkt wieder zugemacht“, sagte das Opfer aus.

Erst als das Blut an ihm heruntergelaufen sei, habe er bemerkt, dass er verletzt wurde. Er habe Küchentücher auf die Wunde gedrückt, die Blutung aber nicht stillen können. Dann habe er den Notarzt gerufen. In der Uniklinik wurde er operiert. „Der Stich traf zum Glück weder Herz noch Lunge, eine konkrete Lebensgefahr bestand daher nicht“, sagte die Staatsanwältin.

Opfer reagiert cool

Ob er noch unter den Folgen leide, fragte der Richter den Geschädigten. Der reagierte cool: „Zwei Wochen später habe ich mir die Schulter gebrochen, das war schlimmer.“ Die Tatwaffe, ein Klappmesser mit einer Klingenlänge von zehn Zentimetern, hatten Ermittler später in der Nähe des Tatorts im Gebüsch gefunden. Als der Richter das asservierte Messer im Gerichtssaal zeigte, wunderte sich das Opfer: „Ich dachte, das wäre viel größer gewesen.“

Die Angeklagte wurde nach der Tat von Polizisten ausfindig gemacht und überwältigt. Bei der Festnahme soll sie von Notwehr gesprochen haben. Die 27-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ihre Beweggründe wollte die Angeklagte nicht erläutern. „Meine Mandantin wird sich derzeit nicht äußern“, sagte Verteidiger Dirk Graf. Laut Akte soll die Kölnerin bei der Tat unter dem Einfluss von Amphetamin und Cannabis gestanden haben. Der Prozess wird fortgesetzt.