Erftstadt – Ein Leben ohne Kunst ist für Gabriele und Theo Hüntemann schwerlich vorstellbar. „Wenn ich nicht malen würde, hätte ich vielleicht längst ein Burn-out“, vermutet die Leiterin des Ernst-Mach-Gymnasiums in Hürth, „an der Staffelei vergesse ich die Welt.“
Ehemann Theo hat sich in seiner Zeit als Kunsterzieher ebenfalls „an dicken Steinen abreagiert“; als Ruheständler dann aber zu feineren Ausformungen seiner Skulpturen gefunden. Vor zehn Jahren hat das Künstlerehepaar eine ehemalige Sattlerei unweit des Stadthauses entdeckt und als Atelier angemietet.
Das versteckt liegende Backsteingebäude mit Blick ins Grüne und auf die Dächer der Lechenicher Altstadt bietet ideale Arbeitsbedingungen. Unten hat sich der Bildhauer eingerichtet, der in der „Werkstatt für Kunst“ regelmäßig Bildhauerkurse durchführt; die erste Etage mit der durchgehenden Fensterfront ist das Reich der Malerin, die sich wegen ihrer beruflichen Inanspruchnahme freilich „die Zeit stehlen muss“, die sie mit dem Malen verbringt. Im Atelier kann sie „arbeiten, ohne zu denken“, wie sie sichtlich beglückt preisgibt.
Gaby Hüntemann, die Germanistik und Geschichte studiert hat, zeichnet und malt seit Jugendzeiten. Den entscheidenden künstlerischen Schub aber verdankt sie ihrem Ehemann.
„Er hat mich ermutigt, meine Bilder auszustellen“, erzählt die Malerin, die ihre Werke fortan bei der Jahresausstellung der „Lehrer im Erftkreis“ und beim Kunstmarkt in Liblar zeigte und sich dem Künstlerforum Schau-Fenster anschloss. Die positive Resonanz, die sie erntete, hat sie zu einer immer freieren, zunehmend abstrakten Gestaltung ihrer Farblandschaften angeregt; mit den großzügigen Atelierräumen war dann auch der Weg zu größeren Formaten gebahnt.
Schon seit einer ganzen Weile begnügt sie sich nicht mehr mit vorgefertigten Farben, sondern mischt sie selbst aus Pigmenten und Bindemittel. „Allein der Anblick der Gläser macht mir Lust aufs Malen“, erzählt sie mit Blick auf den Schrank, in dem die Farbpigmente in Reih und Glied stehen.
Gaby Hüntemann baut ihre Bilder in vielen Schichten dünnflüssiger Farbe auf, oft durchkreuzt sie die Leinwände später brachial mit einem Spachtel. Das gibt den Oberflächen eine besondere Verletzlichkeit und bewahrt sie vor allzu glatter Schönheit.
Ab und zu steigt Theo die schmale Stiege hinauf, um zu sehen, was sich in der oberen Etage ereignet. Früher hat er selbst viel gemalt hat, sich dann aber gänzlich auf die Bildhauerei verlegt hat. „Er ist ein ganz wichtiger Ratgeber“, berichtet die Malerin, die ihrerseits das Werk ihres Mannes kritisch begleitet. „Ich bin sehr mäkelig“, gesteht sie – was dem Bildhauer allerdings schon häufig weitergeholfen hat.
Gemeinsame Ausstellungen
Seine Entwürfe werden nicht selten in der gemeinsamen Diskussion weiterentwickelt; Gabys Anregungen ist Theo Hüntemann etwa bei der hübschen Bronzeskulptur der „Windsbraut“, die sich energisch gegen den Sturm stemmt, gern gefolgt. „Ohne meine Frau wäre ich nur ein Staubkorn“, schmunzelt der bedächtige Pfeifenraucher, der Henry Moore und Alberto Giacometti zu seinen Vorbildern zählt.
Hat es Gaby denn nie gereizt, sich mal als Bildhauerin zu betätigen? „Das ist mir zu schmutzig“, lacht die Malerin mit Blick auf die dicken Schichten von Steinstaub, der sich auf Fensterbänken und Tischen abgelagert hat.
Die Beglückung, die sie beide aus der künstlerischen Betätigung beziehen, gipfelt in den gemeinsamen Ausstellungsaktivitäten. Da werden ihre farbleuchtenden Leinwände in Beziehung zu seinen figürlichen Skulpturen gesetzt, und voller Freude beobachtet das kreative Duo dann, wie sich ihre Werke in der Wirkung gegenseitig steigern.
Klar, dass auch im Urlaubsgepäck Farbe, Pinsel und ein paar kleinere Steine nicht fehlen. „Es wird auf jeden Fall etwas gemacht“, versichern die beiden.
