Bonn/ Erftstadt – Benutzt wurden sie nie. Wind und Wetter haben den Bonner Kanonen am Alten Zoll aber derartig zugesetzt, dass sie nun komplett erneuert werden müssen. Jetzt stehen sie in Erftstadt in der Werkstatt von Walter Keil. Auf seinem Pkw-Anhänger und Lastwagen wurden die Hinterlassenschaften aus dem vergangenen Jahrhundert nach Gymnich gefahren, nachdem sie ein Spezialkran vom Alten Zoll hieven musste.
Der gelernte Schlosser und Maschinenbaumeister Keil, der seit mehr als einem Jahrzehnt auch als nebenberuflicher Stellmacher arbeitet, also Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte baut und repariert, wird die verwitterten Kanonenwagen nun in seiner Werkstatt zerlegen, um dann aus altem guten Eichenholz die einzelnen Teile maßstabgetreu neu zu schaffen.
Wie die Kanonen nach Bonn gekommen sind? Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 hatte der nach Metz versetzte Bonner Landgerichtspräsident Karl Schorn die Idee, Kanonen am Alten Zoll aufzustellen. Ein mit ihm befreundeter Artillerie-Oberst soll zwei Kanonen für ihn aus den Metzer Beständen abgesondert haben. Kaiser Wilhelm I. unterstützte diese Transaktion und schenkte der Stadt im August 1871 die beiden schwergewichtigen Waffen, aus denen vermutlich nie ein Schuss abgegeben wurde.
Walter Keil schätzt, dass er gut eineinhalb Jahre mit dem Wiederaufbau der Kanonenfuhrwerke beschäftigt sein wird. Ein solches Fuhrwerk wiegt laut Keil 800 Kilogramm, die beiden aus Bronzeguss geschaffenen Kanonen bringen sogar 3220 Kilogramm auf die Waage. Dass er den Zuschlag für die Sanierung bekommen habe, erfülle ihn mit Stolz. „Das ist ein ganz tolles Gefühl.“
