Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die ehemalige Grundschullehrerin ehrenamtlich in der Katholischen Öffentlichen Bücherei.
Serie „Die gute Seele“Brauweilerin Barbara Schwend begeistert Kinder fürs Lesen

Barbara Schwend engagiert sich seit 20 Jahren ehrenamtlich in der KÖB Brauweiler.
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Wer Barbara Schwend begegnet, merkt schnell: Die 82-Jährige sprüht vor Energie, sie lacht viel und wenn sie von ihrer Bücherei spricht, gerät sie regelrecht ins Schwärmen. „Ich bin sehr gerne hier, ich freue mich immer, wenn ich Dienst habe“, sagt die Wahl-Brauweilerin mit einem strahlenden Lächeln. Im Schnitt zweimal pro Woche steht sie in der Ausleihe – und das seit nunmehr zwei Jahrzehnten.
Seit 1971 lebt die fünffache Mutter und mittlerweile neunfache Großmutter nun schon im Abteiort. Der Job ihres Mannes hat die ausgebildete Grundschullehrerin bewogen, die Zelte im badenwürttembergischen Baiersbronn abzubrechen und ins Rheinland zu ziehen.
Pulheim: Regisseurin im Harlekin-Theater in Frechen
Eine Nachbarin brachte Barbara Schwend auf die Idee, sich im Büchereiteam einzubringen. „Ich hatte gerade Zeit“, erinnert sie sich. „Die kleine Hexe“, eine Produktion für Kinder des Harlekin-Theaters in Frechen, die sie als Regisseurin begleitet hat, war gerade beendet. Zehn Jahre war sie dort aktiv.
Barbara Schwend musste nicht lange überlegen: 2005 stieß sie zum Team der katholischen Bücherei, die damals noch im Pater-Kolbe-Haus an der Kaiser-Otto-Straße untergebracht war. Es war ein kurzes Intermezzo für Barbara Schwend. 2006 wurden die Katholischen Büchereien Brauweiler (KÖB), Dansweiler und Sinthern zusammengelegt, es entstand die Katholische Öffentliche Bücherei „Im alten Rathaus“ am Konrad-Adenauer-Platz 1.
Am 1. Januar 2006 zog die KÖB in die renovierten Räume ein, in der zuvor eine Filiale der Bücherei Pulheim untergebracht war. Der Umzug verlangte dem Team um die damalige Leiterin Juliane Schröder viel ab. Mehr als 10.000 Bücher mussten für den Neustart vorbereitet werden, darunter rund 5000 Exemplare aus der ehemaligen Bücherei Pulheim.
Bücher wurden eingepackt, Regale aus anderen Büchereien geholt, die Bestände gesäubert, neu etikettiert, katalogisiert und in eine neue Systematik übertragen. Besonders die alten Rückenschilder sind Barbara Schwend in Erinnerung geblieben: „Das war eine Riesenarbeit, sie zu entfernen.“ Über Monate war das Team beschäftigt, die vielen Bücher, die sich in den sieben Räumen stapelten, zu bearbeiten.
Wunderbare Wochenenden
Am 12. März 2006 wurde die neue KÖB feierlich eröffnet. Kürzlich wurde der runde Geburtstag mit einem bunten Fest gefeiert. Von Anfang an wollte das Team mit der Zeit gehen. „Wir haben hier gleich mit Computern angefangen.“ In Basis-12-Kursen eigneten sich die Ehrenamtlichen die notwendigen Kenntnisse an – drei Samstage lang jeweils sechs Stunden. Barabara Schwend erinnert sich gerne daran: „Das waren wunderbare Wochenenden.“ Um immer auf dem Laufenden zu sein, nahmen die Ehrenamtlichen an Fortbildungen teil und hörten Vorträge. „Wir waren sehr eifrig.“
Die Leseförderung liegt Barbara Schwend besonders am Herzen. Seit 2007 bietet die KÖB Kita-Kindern im Vorschulalter den Bücherei-Führerschein „Bibfit“ an. Spielerisch lernen die Kinder dabei die Bücherei kennen, insbesondere den Kinderbereich mit den rund 4000 Medien.Für die Erst- und Zweitklässler hat die KÖB den Lesekompass im Angebot. „Die Klassen kommen zweimal im ersten und zweimal im zweiten Schuljahr zu uns.“ Sie lernen die Bücherei noch genauer kennen, erfahren, was die Signaturen auf den Rückenschildern bedeuten und müssen zu zweit Aufgaben lösen, beispielsweise ein Buch in einem der sieben Räume suchen.
Gemeinsame Lesenächte
Entwickelt wurde das Projekt Lesekompass vom Borromäusverein. „Wir, unsere Leiterin Ute Heitkemper, und ich, haben das Angebot etwas verändert, haben es mit Leben gefüllt, wir haben beispielsweise den spielerischen Aspekt reingebracht, damit das Ganze nicht so trocken ist.“ Die Kinder zu begleiten, mache einfach Spaß, schwärmt sie. Es erfülle sie mit großer Freude zu beobachten, wie sich die Lesekompetenz der Kleinen entwickelt.
„Das Allerwichtigste, das Schönste“ in all den Jahren waren für Barbara Schwend die Lesenächte, die die KÖB ab 2006 kurz vor dem Ende der Sommerferien angeboten hat – jede unter einem anderen Motto. 15 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren waren dabei. Los ging es um 18 Uhr, „wir haben zusammen Abendbrot gegessen, haben passend zum Thema Geschichten ausgesucht, wir haben gebastelt, um halb zwölf gab es einen Mitternachtssnack und dann haben die Kinder hier geschlafen.“ Jedes Kind hatte eine Isomatte und einen Schlafsack dabei.
„Ich habe so lange vorgelesen, bis das letzte Kind eingeschlafen ist. Ich war in meinem Element. Es hat mir einfach Spaß gemacht.“ Am nächsten Morgen wurden die kleinen Übernachtungsgäste um 7 Uhr mit Brötchen geweckt. Dass diese Nächte mit der Corona-Pandemie einschliefen, sieht sie realistisch: Alles habe eben seine Zeit.
Barbara Schwend ist nach wie vor mit voller Hingabe dabei. „Es ist immer was los.“ Sie habe schon immer gerne gelesen, betont die dynamische Seniorin. „Ich finde es wichtig, Kinder zum Lesen zu bringen, dass sie Spaß an Büchern haben und nicht nur mit dem Handy spielen. Hier in der Bücherei kann man ihnen zeigen, dass auch Bücher lebendig sind.“
