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Serie Mein LieblingsplatzEin Feldweg ist für Sabine Frömel aus Pulheim das Ziel

4 min
Eine Frau spaziert auf einem Feldweg, sie reckt die Arme in die Höhe.

Ein Weg fürs ganze Leben - Sabine Frömel findet auf einem stillen Feldweg zwischen Geyen und Manstedten neue Energie und Ideen.

Dort fliegen ihr auch immer die besten Ideen zu, sagt sie. Die setzt sie dann in die Tat um. Den Sachensucherladen in Geyen etwa.

Es ist still und friedlich hier oben, nur der Wind singt ein leises Lied. Zwei Meisen baden in einer Pfütze. Sie scheinen Sabine Frömel zu kennen und zwitschern der Spaziergängerin vergnügt zu. „Hier ist mein Lieblingsort“, verrät die quirlige Engagementförderin, Leiterin der Beratungsstelle Lotsenpunkt und Sachensucherin strahlend. „Den Rundweg zwischen Getreide- und Maisfeldern, Kartoffeläckern und Wiesen gehe ich schon seit meiner Kindheit. Ich habe ihm viel zu verdanken.“

Dieser Weg ist ihr Ziel, immer wieder. Mehrmals in der Woche geht sie ihn, stets allein. Gerade weil Sabine Frömel, Mutter von vier Kindern, ihre ansteckende Fröhlichkeit und Energie aus den zahlreichen Begegnungen mit Menschen schöpft, braucht sie diese Oase der Ruhe, um aufzutanken. Eine Stunde lang. Sie geht von ihrem Heimatdorf Geyen die Steigung  hinauf Richtung Manstedten, mit Blick aufs Ommelstal. Oben begrüßt sie zuverlässig der Wind, es geht eine Weile geradeaus. Bei schönem Wetter lässt sich der Kölner Dom in der Ferne blicken, bevor es wieder abwärts geht.

Blick in Ferne: Im Vordergrund Felder, im Hintergrund Strommasten und der Kölner Dom.

Ziemlich nah und doch so fern - Der Kölner Dom erinnert sie an Trubel und Großstadtleben.

„Dann kommt mir oft der Gedanke, was am Dom wohl gerade alles geschieht, während ich hier friedlich wandere“, sagt Sabine Frömel nachdenklich. „Der ganze Trubel auf der Domplatte, die  vielen Touristen, die Obdachlosen.“ Doch in diesem Moment ist sie weit davon entfernt. Die Verantwortung, die sie oft spürt, hat der Wind für einen Moment weggeweht. Schon als Kind ging sie an der Hand ihrer Mutter diesen Weg. Sie ist ihr hier noch immer ganz nah, sagt sie bewegt. Später, als sie verliebt war oder nicht weiter wusste, fand die 56-Jährige hier Antworten und Trost.

Oft habe sie am Rande des Feldwegs in all den Jahren eine Füchsin mit ihren Jungen getroffen und sich an ihrem Anblick erfreut. „Vielleicht waren es immer wieder Nachkommen der ersten Füchsin, das wäre schön“, sinniert Sabine Frömel. Hier oben fliegen ihr auch immer die besten Ideen zu, sagt sie. Die setzt sie dann in die Tat um. Den Sachensucherladen in Geyen etwa, der als Haushaltskarussell begann und zur Begegnungsstätte für Menschen jeden Alters und jeder Nationalität wurden.

Manchmal denke ich dann aber auch voller Vertrauen: Lieber Gott, ich lege das jetzt in deine Hände
Sabine Frömel, Engagementförderin des Kirchengemeindeverbandes Brauweiler-Geyen-Sinthern

Ein Kunstprojekt für Senioren, bei dem wundervolle Engel und andere Kunstwerke entstanden, ein Fahrradkurs für Frauen, die Zeitperlen, die älteren Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken, eine „Plauderbank“ zum Zuhören und Austauschen, Spielenachmittage mit Geflüchteten in Brauweiler. „Wir haben zusammen Uno gespielt und uns dabei kaputtgelacht“, verrät sie. Als Engagementförderin für Brauweiler-Geyen-Sinthern gehört sie ab August der pastoralen Einheit der Kirchengemeinde St. Benedikt an. Sabine Frömel arbeitet mit der Jugendgerichtshilfe zusammen und fördert ehrenamtliche Projekte.

Kürzlich habe sie gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen die verwahrloste Wohnung eines alten Engländers aufgeräumt und geputzt. „Er war ganz verwundert, dass seine Küche eigentlich weiß ist und hat sich riesig gefreut“, erinnert sie sich mit einem Lächeln. Die christliche Nächstenliebe und das soziale Engagement liegen ihr besonders am Herzen.

Schon als Kind sei sie so gewesen und auch die Eltern hätten es ihr vorgelebt. Wenn sie ihren Weg hier gehe, denke sie beim Aufstieg oft an all die Sorgen und Nöte. Oben auf der Anhöhe hält sie inne, genießt die Stille und Weite und fragt sich, wie sie helfen kann. „Manchmal denke ich dann aber auch voller Vertrauen: Lieber Gott, ich lege das jetzt in deine Hände“, verrät Sabine Frömel.

Geht es dann wieder bergab Richtung Geyen, ist die neue Energie bereits da. Sie sei mit sich im Reinen und blicke zuversichtlich und tatkräftig auf das, was kommt. Der Weg sei wie ein „Reset-Knopf“, der Belastendes löscht und Raum für Neues schafft. „Dieser Weg ist wie mein Lebensrhythmus“, philosophiert sie. „Die Vegetation um mich herum erinnert mich an Wachsen, Gedeihen und Sterben. Jeder Stein hier kennt meine Freude, Trauer, Sehnsucht und Liebe. Alles, was unser Menschsein ausmacht.“ Sabine Frömel nickt, wirft einen Blick auf den Kölner Dom in der Ferne und macht sich lächelnd auf ihren Weg zurück ins Tal.