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Auftritt bei BenefizveranstaltungWillibert Pauels setzt sich für Hospizbewegung Pulheim ein

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Karnevalist Willibert Pauels engagiert sich für die Hospizbewegung.

Karnevalist Willibert Pauels engagiert sich für die Hospizbewegung. 

Willibert Pauels kommt zur Benefizveranstaltung für das Hospiz Pulheim in den Rhein-Erft-Kreis. Er sagt: Der Humor nimmt dem Grausamen seinen Schrecken. 

Seit 28 Jahren veranstaltet die Senioren-Union Pulheim jährlich eine Benefizveranstaltung für den Verein „Hospiz Pulheim“. Am 27. September treten wieder Künstlerinnen und Künstler ehrenamtlich für den Verein auf, unter ihnen Willibert Pauels, bekannt als „Ne Bergische Jung“. Der langjährige Diakon und Büttenredner findet: „Humor und Hospiz passen gut zusammen“. Mit ihm sprach Markus Peters.

Was hat Sie bewogen, für die Veranstaltung in Pulheim zuzusagen?

Ich halte die Hospizbewegung für eine der großartigsten Entwicklungen überhaupt. Mit dem Fortschritt der Medizin ist die Frage eines würdigen Todes aktueller denn je. Ich kann sowohl diejenigen verstehen, die sagen, man solle schwerstkranke Menschen von ihrem Leid erlösen, als auch jene, die meinen, man dürfe nicht in den Lauf der Natur eingreifen – selbst, wenn dies für einen Schwerstkranken große Qualen bedeutet. Wo liegt also die größere Schuld: jemanden von seinem Leid zu erlösen oder jemanden weiter leiden zu lassen, ohne Aussicht auf Heilung und Linderung?

Ein Hospiz ist dann die Lösung?

Unbedingt! Die Medizin ist heute so weit, dass niemand mehr am Lebensende unerträgliche Schmerzen erleiden muss. Damit entfällt auch der Hauptgrund für den Todeswunsch vieler Schwerstkranker. Hospize sind wie kleine Oasen, die die Zeit vor dem unausweichlichen Tod so angenehm wie möglich gestalten. Etwas Besseres gibt es meines Erachtens nicht.

Sie gelten als Vertreter des eher leisen Humors. Wie passt dies zum Hospiz?

Dafür genügt schon ein Blick auf den schwarzen Humor, der sich über die menschliche Vergänglichkeit lustig macht. Oder nehmen Sie den jüdischen Humor, entstanden aus einem Volk, das seit über 2000 Jahren von seinen vielen Feinden mit vollständiger Vernichtung bedroht wird. Humor ist etwas zutiefst Gesundes. Er verschafft eine Perspektive, die frei macht. Schwarzer Humor ist therapeutisch – er nimmt dem Grausamen den Schrecken. Aus religiöser Sicht ist Humor der Triumph über den größten Diktator des Universums: den Tod. In dem Moment, in dem der Mensch über den Diktator lacht, ist er frei – wenn auch nur für einen Augenblick. Wenn ich über den Tod lache, stehe ich in diesem Moment über ihm.

Wenn man auf die Welt blickt, wie sie jetzt ist – kann da jemand wie Willibert Pauels das Lachen vergehen?

Nö. Eindeutig nein. Das Lachen vergeht mir nie, hoffe ich. Natürlich gibt es Situationen – schlimmste Schmerzen oder ein furchtbares Ereignis im Umfeld –, in denen Lachen nicht angebracht wäre. Aber ist unsere derzeitige Situation so schlimm, dass man ihr nicht mehr mit einem Lachen begegnen kann? Im Gegenteil. Humor ist die rettende Insel im Meer der Angst und Verzweiflung. So sehe ich das.

Sie haben Ihre Lebensplanung einmal bewusst auf „Halt“ gestellt. Als einer der meistgebuchten Büttenredner im rheinischen Karneval haben Sie entschieden: Stopp, ich fahre herunter. Wie schwer war das?

Als die Entscheidung gefallen war, war es eine große Erleichterung – aber der Weg dahin war schwer. Bei bis zu 300 Auftritten pro Session ist man irgendwann kaputt. Warum soll man das machen? Man muss sich fragen: Leide ich unter einer Situation oder nicht? Wenn man nicht leidet, ist alles gut. Wenn man aber leidet, sollte man etwas ändern. Mit einer guten Psychotherapie und Fachleuten kann man ein Trainingsprogramm entwickeln, um sein Leben zu ändern. Das kann man schaffen, wenn man es will. Ludwig Sebus, der kürzlich 101 Jahre alt wurde, sagte mir einmal: „Sag nicht, ich höre auf. Sag, ich trete kürzer.“ Und genau das habe ich gemacht.

Als katholischer Christ und Seelsorger haben Sie einen besonderen Blick auf den Tod. Wie sehen Sie ihn?

Der Kabarettist Jürgen Becker sagte mir einmal: Das ewige Leben – die ersten 5000 Jahre mögen ja noch gehen, aber spätestens dann wird es anstrengend. Erstaunlicherweise sah das der spätere Papst Joseph Ratzinger genauso: Die Vorstellung des ewigen Lebens als nicht endender Zeitstrahl wäre nicht der Himmel, sondern die Hölle. Ewiges Leben bedeutet nicht endlose Zeitabfolge, sondern die Aufhebung der Zeit. Natürlich ist es kaum vorstellbar, in eine Dimension zu wechseln, in der Zeit keine Rolle spielt. Aber selbst Albert Einstein zeigte: Im Licht steht die Zeit still. Die Vorstellung einer zeitlosen Dimension – also bei Gott – ist daher nicht unwissenschaftlich. Wie das aussieht, weiß ich nicht. Aber die Frage lässt die Menschen nicht los.

Warum eigentlich?

Die atheistische Sichtweise sagt: Der Mensch ist nichts anderes als Materie, Leben besteht aus biochemischen Reaktionen. Das ist möglich – aber eine kalte Trostlosigkeit, wenn man alles Leben auf einen Zellhaufen reduziert. Es gibt etwas, das wir alle spüren, das unendlich darüber hinausgeht. Am tiefsten spüren wir das in der Liebe, die für mich mehr ist als eine biochemische Reaktion zur Weitergabe von Genen. Ich vertraue dieser Sehnsucht.

Wenn Sie es sich aussuchen könnten – wie soll es eines fernen Tages mit Ihnen zu Ende gehen?

Viele Menschen wünschen sich, plötzlich tot umzufallen und dass dann alles vorbei ist. Nein, das will ich nicht. Ich möchte wissen, dass ich sterbe – ohne Schmerzen und in einer liebevollen Umgebung. Zum Beispiel in einem Hospiz.


Willibert Pauels wird 1954 in Wipperfürth geboren. Nach einem Theologiestudium wird er 1993 zum katholischen Diakon geweiht ist; eine Tätigkeit, der er hauptamtlich bis November 2006 in verschiedenen Pfarrgemeinden nachgeht. Er tritt erstmals 1975 im lokalen Karneval als Büttenredner auf. 1996 wird er für den Kölner Sitzungskarneval entdeckt, wo er rasch zu einem der beliebtesten Redner aufsteigt. 2013 gibt Pauels bekannt, dass er sich wegen schweren Depressionen zeitweise vom Karneval zurückziehen musste. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.


Benefizveranstaltung der Senioren-Union Pulheim für den Verein „Hospiz Pulheim“, Sonntag, 27. September 2026, 15 Uhr, Pfarrsaal St. Kosmas und Damian, Hackenbroicher Straße 7, Pulheim