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AbschiedHans-Georg Rabe hat 24 Jahre die deutsch-italienische Gesamtschule geleitet

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Tiefe Liebe zur Musik: Seit einiger Zeit singt Hans-Georg Rabe in einem Kirchen- und in einem Kammerchor. Zu seinen Lieblingswerken gehört Mozarts Requiem.

Pulheim-Stommeln – Hans-Georg Rabe war Lehrer und Schulleiter mit Leib und Seele. „Mein Leben und mein Beruf waren immer sehr eng miteinander verbunden. Ich war bereit, alles für diesen Job zu tun.“ Heute, Freitag, wird der Wahl-Brühler, der 24 Jahre Leiter der deutsch-italienischen Papst-Johannes-XXIII-Gesamtschule im Mühlenort war, mit einer Feierstunde offiziell verabschiedet.

Erfahrungen mit bilingualen Schulkonzepten hat der dreifache Vater und fünffache Großvater, der Germanistik und klassische Philologie studiert hat, schon zu Beginn seiner Laufbahn gesammelt.

Geschwister-Scholl-Gymnasium

Nach seiner ersten Stelle – er war vier Jahre am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim Lehrer – zog der gebürtige Kölner 1984 mit seiner Familie nach Barcelona. Fünf Jahre sei er als Fachleiter Deutsch für die deutschen Schulen auf der iberischen Halbinsel zuständig gewesen. „Wir haben intensiv über den Fremdsprachenunterricht für Kinder nachgedacht.“

Die Rückkehr nach Deutschland sei schwer gewesen. „Ich hatte Feuer gefangen für die Idee, Menschen verschiedener Sprachen und Kulturen zusammenzuführen.“ Er sei begeistert gewesen von dem binationalen Lehrerzimmer und beseelt von der Idee, ein positives Bild von Deutschland zu vermitteln. „Es war und ist mir wichtig, dass Kinder ihre binationalen und bikulturellen Potenziale auch behalten.“

Bilinguales Schulkonzept

Die Begeisterung für ein bilinguales Schulkonzept führte Hans-Georg Rabe 1993, nach einem vierjährigen Intermezzo am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth, zur Schulleiterstelle an der erzbischöflichen Papst-Johannes-XXIII-Gesamtschule. Angefangen habe alles in Bensberg, bei einer Fortbildung für das Kollegium der neu gegründeten bilingualen Gesamtschule (der ersten des Erzbistums Köln). „Das war auf den Tag genau vor 24 Jahren“, er sei dort Referent für Fremdsprachendidaktik gewesen.

„Abends, bei einem gemütlichen Beisammensein, wurde ich gefragt, ob ich katholisch und schon einmal in Italien gewesen sei. Beides habe ich bejaht.“ Kurze Zeit später, nach den Sommerferien, trat Hans-Georg Rabe seine Stelle als Schulleiter an.

Anfangs habe er Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. „Das war wichtig, da das Internat – es wurde 2003 aufgelöst – noch bestand und dort viele Kinder wohnten, deren Muttersprache Italienisch war, die Unterstützung brauchten.“

Schulkultur und Offenheit

Doch sehr schnell habe die Schule damit leben müssen, dass die italienischen Kinder immer weniger wurden. Und sie habe immer auf bildungs-, gesellschafts- und migrationspolitische Änderungen und Gegebenheiten reagieren müssen. „Aufgrund ihrer Schulkultur und Offenheit war die Schule auch dazu in der Lage.“

Eine neue Herausforderung für Schulleiter Rabe und das Kollegium brachte das Jahr 2015: „Wir haben 35 Flüchtlingskinder aufgenommen und dafür gesorgt, dass sie Deutschunterricht bekommen und in den Schulbetrieb integriert werden.“ Eine Schule müsse fähig sein, sich an das anzupassen, was von ihr verlangt werde. Und katholisch zu sein bedeute für ihn nunmal, für die Menschen da zu sein, die Hilfe, Solidarität und Mitgefühl brauchen und die sich nicht selbst helfen können.

Unsere Gesellschaft werde immer bunter aufgrund verschiedener Veränderungen. „Somit muss ein Klima geschaffen werden, das das Miteinander von Kindern aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten fördert.“

Auch müsse das Augenmerk auf die Kinder gelegt werden, die nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft geboren seien und Unterstützung bräuchten. 2014 ist dies wieder gelungen: „Von den 26 Schülern, die das Abitur geschafft haben, hatten elf eine Hauptschulempfehlung, als sie zu uns kamen.“

Ärztlich verordnete Muße

Doch das „Mitfühlen mit jedem Problem und der Wunsch, helfen zu wollen,“ hatten ihren Preis, wie Hans-Georg Rabe heute weiß. „Beides hat mich als Mensch überfordert. Somit bin ich an die Grenzen meiner gesundheitlichen Belastbarkeit gestoßen und musste 2016 in den Ruhestand versetzt werden.“

Mit der ärztlich verordneten Muße tat er sich anfänglich schwer. Doch inzwischen genießt Hans-Georg Rabe, dass er Zeit für seine fünf Enkelkinder, für seine Frau, für Reisen und für seine Liebe zur Musik hat: „Ich habe mein Leben lang sehr gern gesungen. Ich singe wieder, in einem Kirchen- und in einem Kammerchor, beides in Köln.“