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RathausEmpörung über Foto-Automaten

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Das Gerät fotografiert , nimmt Fingerabdrücke, scannt Unterschriften und übermittelt die Daten ins System der Verwaltung. Einen Papierabzug, den man mit nach Hause nehmen kann, gibt es nicht. (Foto:  Bappert)

Bergheim – Das Gerät, das zurzeit für einige Aufregung sorgt, steht im Rathaus, direkt am Eingang des Zentralen Bürgerservices – früher nannte man den „Einwohnermeldeamt“. Ein Herr in den besten Jahres steht davor und studiert stirnrunzelnd das Plakat mit der umfänglichen Gebrauchsanweisung. „Geben Sie Ihr Geburtsdatum ein.“ „Nehmen Sie Ihre Fingerabdrücke auf.“ „Nehmen Sie Ihr Passfoto auf.“„Erfassen Sie Ihre Unterschrift.“ Der Besucher zögert. „Muss ich das machen?“ fragt er.

Nein, muss er nicht. Er kann das Passfoto auch in einem Fotogeschäft machen lassen und seine Unterschrift und Fingerabdrücke bei einem der Angestellten im Bürgerservice hinterlassen.

„Der Automat hat den Vorteil, dass die erfassten Daten direkt eins zu eins ins System einfließen, im Bürgerservice muss das Foto nicht mehr eingescannt werden, das spart zweieinhalb bis drei Minuten pro Antragsteller“, erläutert Wolfgang Berger, der zuständige Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung. In Hochzeiten, wenn besonders viele Bürgerinnen und Bürger die Erneuerung ihrer Papiere beantragen, fielen drei Minuten pro Kunde durchaus ins Gewicht, sagt Berger.

Seit Mitte Juli stehe der Automat am Eingang des Bürgerservices. Bis vergangenen Freitag sei er 96-mal in Anspruch genommen worden, das heißt, von etwa 18 Prozent der Besucher, die im Rathaus einen neuen Reisepass oder Personalausweis beantragt hätten.

„Geschäftschädigend“ findet das Björn Wieczarkowiecz, gemeinsam mit seiner Mutter Sibille Wieczarkowiecz Inhaber des Fotostudios Haag in der Fußgängerzone. Das Erstellen von Passfotos mache etwa 40 Prozent ihres Umsatzes aus. In einem Brief an Bürgermeisterin Maria Pfordt haben die beiden darauf hingewiesen, dass die Branche der Berufsfotografen bereits Internet und Einzug der Digitalfotografie zu spüren bekomme: „Wir sind somit auf jedes noch funktionierende Geschäft zur Existenzerhaltung zwingend angewiesen.“

Björn Wieczarkowiecz sagt ganz klar, dass er fordert, dass das Gerät im Rathaus wieder abmontiert werde. „Das wäre die Unterstützung der ortsansässigen Wirtschaft, von der die Stadt Bergheim immer spricht.“

Rückendeckung bekommen die lokalen Fotogeschäfte vom Verband der Berufsfotografen und von örtlichen Politikern. So haben sowohl der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bergheimer Stadtrat, Achim Brauer, als auch sein bma-Kollege Berthold Schulz Anfragen an die Stadtverwaltung und den Stadtrat gerichtet. Schulz will auch wissen, ob die Stadt den Automaten aufgestellt habe, um ihre Einnahmen zu erhöhen, und wie hoch diese voraussichtlich sein werden.

„Die Stadt zahlt nichts für den Automaten, außer Stromkosten. Die Einnahmen gingen bisher alle an die Firma, die ihn aufgestellt hat,“ erläutert Wolfgang Berger. Einnahmen von 1,75 Euro pro Nutzer gäbe es erst dann, wenn mehr als zehn Personen das Gerät an einem Tag bedienen würden. Das sei bisher nicht der Fall gewesen. „Aber selbst, wenn die Nutzerzahlen noch steigen sollten, rechne ich nicht mit mehr als 500 Euro Einnahmen im Jahr.“ Der Automat sei für fünf Jahre gemietet.