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Förster ärgert sich über TrampelpfadeForstbetrieb repariert Waldwege in Rhein-Erft

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Damit das Niederschlagswasser problemlos abfließen kann, bekommt der Waldweg ein Profil.

Rhein-Erft-Kreis – Es staubt, rumpelt und hämmert. Immer wieder lenkt Reiner Schwarz seinen Fendt 724 mit 240 Pferdestärken über den fast 400 Meter langen Waldweg. Mit einer Kraft von je drei bis vier Tonnen hämmern die drei am Traktor befestigten Vibrationsplatten den Untergrund fest, bis zu 60-mal in der Minute. „So forme ich dem Waldweg ein Profil“, erläutert Schwarz. Damit bei starken Regenfällen das Wasser abfließen könne, müsse der Waldweg so angelegt werden, dass er in der Mitte ein bisschen höher ist.

Der 54-Jährige ist Inhaber des Forstbetriebs Konrad Schwarz und Sohn OHG aus Walberberg. Für ihn gehören die Sanierungen und die Schaffung von Waldwegen zum Tagesgeschäft. Selten jedoch seien die Waldwege derartig beschädigt wie der, der in Fischenich am Waldrand vorbei parallel zur Gennerstraße Richtung Fußballplatz führt. „Dieser Weg war völlig ausgefahren und übersät mit tiefen Schlaglöchern“, sagt Revierförster Frank Pechtheyden.

„Dieser Waldweg zählt zu den beliebtesten Wanderstrecken“

Um den Untergrund zu stabilisieren, hat Schwarz zunächst eine dicke Schicht aus Lavagestein auf dem Weg verteilt. Aus ungewaschenem Kies wurde anschließend die Deck- beziehungsweise Verschleißschicht darübergelegt und begradigt. „Das Wichtigste ist dabei die Körnung des Kieses von null bis 32 Millimeter“, erläutert Schwarz. Nur die richtige Mischung könne sich miteinander verzahnen und so den Weg verfestigen. „Dabei hilft auch der ganz normale Niederschlag“, ergänzt Schwarz.

Forstbetrieb Waldweg III

Revierförster Frank Pechtheyden (Mitte) mit Reiner Schwarz (rechts) und seinem Vorarbeiter Guido Niedeggen im Gespräch.

Denn trotz der maschinellen Verdichtung dauere es ein paar Wochen, bis sich der Belag gesetzt habe und der Weg mit Fahrrädern, Kinderwagen und Gehhilfen zu nutzen sei. Die Spaziergänger freuen sich jedoch schon jetzt. „Dieser Waldweg zählt zu den beliebtesten Wanderstrecken“, berichtet ein Ehepaar.

Rhein-Erft: Trampelpfade sind Förster ein Dorn im Auge

Es wird nicht der einzige Waldweg bleiben, den die Firma Schwarz im Auftrag des Landesbetriebs Wald und Holz beziehungsweise von Revierförster Pechtheyden auf Vordermann bringt. So sei geplant, im Wald bei Fischenich mindestens vier Kilometer Waldweg zu reparieren. „Am Bleibtreusee müssen weitere mindestens drei Kilometer Waldweg aufgeschüttet werden“, kündigt Pechtheyden an. Er wisse, dass damit nur ein sehr kleiner Teil der rund 150 Kilometer langen Waldwege allein im Forstrevier Villeseen repariert würden. „Aber wegen der begrenzten Zuwendungen können wir auch immer nur begrenzt die Wege wieder instandsetzen.“

Rund 350 Tonnen Kies wurden bisher schon zur Sanierung des Waldweges in Fischenich gebraucht.

Von seinen Berufskollegen weiß Pechtheyden, dass die Waldwege vor mehr als 70 Jahren für die Bewirtschaftung der Wälder nach der Rekultivierung angelegt wurden. „Für ihre Stabilität hat man damals sogar die Trümmer der alten Brikettfabriken eingearbeitet“, berichtet er. Erst in den 70er-Jahren seien die Wälder auch zur Erholung der Menschen zugänglich geworden. Damit Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeuge in den Wald fahren könnten, müssten die Hauptwege mindestens 3,50 Meter breit sein. Deshalb würden Hecken und Bäume von Zeit zu Zeit zurückgeschnitten.

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Ein Dorn im Auge sind Pechtheyden Trampelpfade. „Durch die Pandemie haben viele Menschen den Wald als Erholungsraum wiederentdeckt“, sagt der Förster. Um so mehr gelte es, Rücksicht zu nehmen. Um die Rückzugsgebiete der Tiere zu schützen, musste er einige Schneisen und wilde Waldwege mit Schranken sperren.