Eine Brut der Vogelart konnte zuletzt 1891 in der Kölner Bucht nachgewiesen werden. Bundesweit gibt es weniger als zehn Brutpaare.
NaturschutzVom Aussterben bedrohte Kornweihe brütete im Rhein-Erft-Kreis

Zum ersten Mal nach 130 Jahren konnte in der Kölner Bucht wieder eine Brut einer Kornweihe nachgewiesen werden. Die Greifvögel zogen ihren Nachwuchs in einem Weizenfeld im Rhein-Erft-Kreis auf.
Copyright: Komitee gegen Vogelmord
Zum letzten Mal vor 130 Jahren gab es in der Kölner Bucht eine Brut der seltenen Kornweihe. „Das war 1891 in Rheinbach-Wormersdorf“, sagt Biologe Axel Hirschfeld vom in Bonn ansässigen „Komitee gegen Vogelmord“. Nun konnte das Komitee erneut ein Nest des vom Aussterben bedrohten Greifvogels nachweisen: im Rhein-Erft-Kreis. Wo genau, verrraten die Naturschützer nicht, um zu verhindern, dass die Vögel gestört werden.
Für das Komitee gegen Vogelmord ist das in einem inzwischen abgeernteten Weizenfeld gelegene Nest der Kornweihe „das absolute Highlight der diesjährigen Erfassungen“. Um die Besonderheit zu verdeutlichen: Im gesamten Bundesgebiet gibt es laut Komitee weniger als zehn Brutpaare.
Rhein-Erft-Kreis: Vater übernahm Pflege des Jungvogels
Allerdings hat es nur ein Jungvogel aus der Brut im Rhein-Erft-Kreis geschafft, flügge zu werden. Es gab zunächst drei Jungvögel, sagt Hirschfeld. Allerdings sei die Mutter irgendwann nach der Ernte am 14. Juli nicht mehr zurückgekehrt – mit fatalen Folgen für zwei der Küken. Wider Erwarten aber habe sich der Vater um einen der Jungvögel gekümmert.
„Das ist alles andere als selbstverständlich“, sagt Hirschfeld. Denn bei den Weihen sei die Mutter für das Füttern zuständig. Beute, die der Vater macht, wird spektakulär in der Luft an die Mutter übergeben. Doch im Fall der Kornweihe im Rhein-Erft-Kreis habe der Vater das Zerkleinern der Beute übernommen und von Schnabel zu Schnabel gefüttert.

Das ausgewachsene Männchen einer Kornweihe im Flug.
Copyright: Peter Stollenwerk
Das „Komitee gegen Vogelmord“ sieht sich in seiner jahrelangen Arbeit zum Schutz der seltenen Vögel bestätigt. Denn auch bei anderen Weihenarten verzeichnet der Verein in der Region nach eigenen Angaben Erfolge, etwa bei den stark gefährdeten Wiesenweihen, die ebenfalls in Getreidefeldern brüten. „Jeweils drei Paare brüteten in den Kreisen Düren und Rhein-Erft, zwei Paare in Euskirchen und eins im Kreis Heinsberg, wo die Art seit mehr als 30 Jahren wieder als Brutvogel nachgewiesen werden konnte“, sagt Hirschfeld. Zusätzlich seien 22 Bruten der in NRW bedrohten Rohrweihe in Schilfbeständen sowie in landwirtschaftlichen Kulturen festgestellt worden.
Der Verein betreibt großen Aufwand, um einmal entdeckte Nester zu schützen. Weil die Getreideernte aufgrund der Hitzewelle im Juni in diesem Jahr sehr früh stattfand, teilt das Komitee mit, bestand für alle Küken akute Lebensgefahr. Um den seltenen Nachwuchs vor dem Tod im Mähdrescher zu bewahren, arbeiten Naturschützer, Behörden und Landwirte in der Region eng zusammen. „Um jedes entdeckte Nest wurde eine 20 mal 20 Meter große Schutzzone eingerichtet, wo bis zum Ausfliegen der Jungvögel nicht geerntet wurde“, sagt Hirschfeld.
Zum Schutz gegen Räuber wie Füchse wurden die Quadrate nach dem Mähen zusätzlich mit elektrischen Weidezäunen abgesichert. „Alle Landwirte waren sofort bereit, beim Schutz der Bruten zu helfen. Für ihren Ernteausfall werden sie finanziell von den Kreisverwaltungen entschädigt“, sagt Hirschfeld. „Die hohe Zahl von über 50 ausgeflogenen Jungvögeln zeigt, wie erfolgreich dieser kooperative Ansatz ist“.
Axel Hirschfeld betont, dass der diesjährige Rekord-Bruterfolg ohne die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten nicht möglich gewesen wäre. Experten des in Bonn ansässigen Komitees kartieren die Nester und werden dabei von den Biologischen Stationen und lokalen Ornithologen unterstützt. Die Kreisverwaltungen sowie die Landwirtschaftskammer unterstützen das Projekt administrativ und finanziell und die Landwirte sorgen dafür, dass die Maßnahmen auf ihren Flächen umgesetzt werden.

Die junge Kornweihe in einem Weizenfeld im Rhein-Erft-Kreis.
Copyright: Komitee gegen Vogelmord
Während alle jungen Wiesenweihen bereits ausgeflogen sind, nutzt die junge Kornweihe noch immer das Nest. „Auch der Vater ist noch hier. Die beiden nutzen das Nest immer wieder zum Schlafen“, sagt Hirschfeld.
