Mit Charme und launigen Durchsagen ist Muhammed Sever auf den Linien der REVG unterwegs. Nicht nur bei Schülerinnen und Schülern ist er beliebt.
Nach UmschulungWarum ein gut gelaunter Busfahrer aus Kerpen sogar Autogramme geben muss

Busfahrer Muhammed Sever hat Spaß am Steuer seines Linienbusses. Er fährt für die REVG.
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Ein kalter, regnerischer Abend am Stadtbahnhof in Hürth-Hermülheim. Muhammed Sever beendet seine Pause an der Endhaltestelle, setzt sich hinter das Steuer seines Gelenkbusses und startet den Motor. Per Knopfdruck schließen sich die Türen, dann greift er zum Mikrofon: „Verehrte Fahrgäste, willkommen auf der Linie 960! Wir starten nun auf unsere Tour nach Bergheim. Die Straßen sind frei, die Reisezeit beträgt voraussichtlich eine Stunde.“
Es bleibt nicht die letzte humorvolle Ansage auf der Fahrt. Als ein älterer Fahrgast bereits aufsteht, obwohl der Bus noch rollt, sagt Sever freundlich: „Bleiben Sie ruhig sitzen, bis wir an der Haltestelle stehen. So viel Zeit haben wir.“ Wenig später warnt er die Passagiere vor einer großen Pfütze am Bordstein.
Kerpener Busfahrer redet gern mit Menschen
Am Busbahnhof in Hürth-Mitte beobachtet der Fahrer, wie eine Gruppe Jugendlicher beim Einsteigen ihr Kleingeld zählt, dann aber ohne Ticket vorbeigehen will. „Vorsicht“, ruft er ihnen zu. „Auf dieser Linie wird öfter kontrolliert.“ Beim Aussteigen sagt ein Fahrgast schmunzelnd: „Wenn ich gewusst hätte, wie unterhaltsam Busfahren sein kann, wäre ich schon früher eingestiegen.“
Darauf angesprochen, lacht Sever. „Ich rede einfach gern mit Menschen“, sagt er. Weil während der Fahrt keine Zeit für Gespräche bleibt, nutzt er das Mikrofon – fast wie ein Pilot im Flugzeug.
Seit eineinhalb Jahren fährt der 36-jährige Kerpener Bus bei der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (REVG). „Mein Traumberuf war das nicht“, gibt Sever zu. Doch nach 14 Jahren als Produktionsmitarbeiter im Brühler Eisenwerk wollte er etwas anderes machen. Auf Empfehlung eines Freundes absolvierte er eine sechsmonatige Umschulung zum Busfahrer und bewarb sich anschließend bei der REVG.
Rhein-Erft: Busfahrer war nicht sein Traumjob
„Ich habe mich direkt wohlgefühlt“, sagt Sever über seinen neuen Arbeitsplatz. Besonders das Betriebsklima und die gute Zusammenarbeit mit den Disponenten schätze er sehr. Gearbeitet wird im Schichtdienst, manchmal beginnt sein Arbeitstag bereits um vier Uhr morgens. „Das ist allerdings schon ziemlich früh“, sagt er. Nur alle paar Wochen mal muss er sonntags ans Steuer. Seinen Bus übernimmt er meist am Depot in Kerpen und startet nach einem kurzen Kontrollgang zur ersten Tour.
An seinem Beruf gefällt ihm vor allem die Abwechslung. „Jeder Tag ist anders“, sagt der Sever. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn der Verkehr stockt oder ein Karnevals- oder Martinszug die Straße blockiert. „Dann singe ich über den Außenlautsprecher mit“, sagt er und lacht. Aufs Gaspedal zu drücken, um Verspätungen aufzuholen, komme nicht infrage. „Wir halten uns strikt ans Tempolimit. Wer hinter dem Steuer aggressiv und ungeduldig wird, ist in diesem Beruf falsch.“
Zwischen 150 und 200 Kilometern legt Sever täglich zurück. Er fährt auf vielen REVG-Linien im Rhein-Erft-Kreis und kennt die Region inzwischen bestens. „Ich weiß auch, an welchem Busbahnhof es den besten Kaffee gibt“, sagt er schmunzelnd. Besonders gern ist er auf der Linie 978 nach Köln unterwegs. Zwar seien die Straßen dort oft verstopft, doch die Pause mit Blick auf den Dom entschädige dafür.
Rhein-Erft: Busfahrer sorgt mit Gesangseinlagen für Stimmung
Dabei sei der Beruf durchaus anspruchsvoll – vor allem mit einem Gelenkbus in engen oder zugeparkten Straßen. Gleich zu Beginn seiner Zeit bei der REVG habe er sich einmal am Schulzentrum in Brauweiler festgefahren. „Ich konnte nicht wenden, durfte aber auch nicht einfach rückwärtsfahren“, erinnert er sich. Schließlich sprach er eine Polizistin an, und die half ihm per Handzeichen beim Rangieren.
Besonders gern fährt Sever im Schülerverkehr. „Wenn ich Durchsagen wie ‚Boarding completed‘ mache, sobald alle eingestiegen sind, lachen die sich kaputt“, berichtet er fröhlich. Auch mit kleinen Gesangseinlagen über das Mikrofon sorgt er für Stimmung.
Bei vielen jungen Fahrgästen ist der zweifache Familienvater inzwischen bekannt und beliebt. Man habe ihn schon nach Selfies und einmal sogar nach einem Autogramm gefragt, erzählt er schmunzelnd. „Letztens hat mir eine Schülerin einen Engel aus Papier gebastelt.“ Negative Erfahrungen macht Sever nach eigenen Worten – anders als einige Ticketkontrolleure – nur selten. „Die meisten Fahrgäste sind nett“, sagt er. „Wenn man Menschen mit Respekt begegnet, bekommt man meistens auch Respekt zurück.“
