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SammlerAuf alten Feuerstühlen durchs Leben

3 min

Fahrvergnügen: Enkel Severin mit einer Vespa, Baujahr 2013, zusammen mit seinem Opa Hans Perscheid auf einer Piacco, Baujahr 1958.

Wesseling – „Mein erstes Motorrad war eine NSU Quick Baujahr 1937, mit zweieinhalb PS und 98 Kubik“, erzählt Hans Perscheid. Der heute 77-Jährige hat das Motorrad noch genau vor Augen. „Immerhin brachte sie es auf 55 Kilometer die Stunde“, erinnert er sich. Mit diesem Motorrad ist er in jungen Jahren an nur einem Tag einmal fast 500 Kilometer bis nach Lüchow-Dannenberg an die damalige Zonengrenze gefahren.

Täglich hielt ihm seine NSU auch die Treue, als er als Jugendlicher zwischen 1953 und 1956 damit zu seinem Ausbildungsplatz, der Reederei der Braunkohle am heutigen Rheinforum, fuhr. Maschinenschlosser wollte er werden und wurde er auch. Doch kaum hatte er seinen Gesellenbrief in der Tasche, widmete sich der junge Mann ganz und gar seiner großen Leidenschaft, den motorisierten Zweirädern.

In der Ahrstraße in Wesseling eröffnete er 1957 sein erstes Geschäft. Im Angebot hatte er Fahrräder, Mopeds und Zubehör. „Und Anfang der 1960er Jahre haben wir auch kleinere Motorräder ins Verkaufsprogramm aufgenommen“, erzählt er.

Perscheid sieht die „Feuerstühle“ von damals noch vor sich, die Kreidlers, Hercules’ und Victorias. Täglich haben sich in der Ahrstraße die Fans dieser Mopeds und kleinen Motorräder bei ihm vor der Ladentür getroffen. Noch größer waren die Cliquen, die sich neun Jahre später nach dem Umzug des Unternehmens auf die Keldenicher Straße vor der Geschäftstüre trafen. Mit Fuchsschwänzen und Flatterbändern an der Lenkstange, hätten sie ihre heißen Kisten verziert. „Doch die Begeisterung der jungen Leute von damals für ihre Motorräder ist vorbei“, sagt Perscheid. Allerdings hätten viele Freaks von damals ihre Leidenschaft mit ins Alter genommen.

Nachdem Perscheid bereits 1975 zunächst mit seiner Zweiradwerkstatt ins Gewerbegebiet nach Berzdorf gezogen war, siedelte er 1982 auch mit dem Geschäft in die neuen, noch größeren Räumlichkeiten in die Industriestraße nach Berzdorf um.

Längst hat inzwischen sein Sohn Christoph sein Geschäft übernommen. Jetzt helfen dort sogar schon die Enkel in den Sommerferien im Unternehmen mit.

Und so wie viele Freaks seiner Zeit widmet sich auch Hans Perscheid seiner Leidenschaft als Rentner nun in vollen Züge. Zwölf alte Feuerstühle, die auch in jedem Museum einen Ehrenplatz bekommen würden, hat er bereits restauriert und wieder instand gesetzt. Auch eine alte NSU Quick, die ihn bereits als Jugendlicher so begeistert hat, hat der 77-Jährige fahrbereit in seiner Garage stehen. „Mit ihr habe ich sogar schon an Ralleys teilgenommen“, erzählt er.

Doch noch viel öfter fährt er zu Oldtimer-Treffen nach Dom-Esch oder nach Brühl- Kierberg. Es sei ja längst nicht nur das besondere Fahrgefühl der alten Mopeds und Motorräder, das ihn bis heute begeistert. Tatsächlich könne man ja auch ein Stück seiner eigenen Jugend mit diesen „Feuerstühlen“ mit ins Alter nehmen, erklärt er schmunzelnd.

Er fühlt sich sowieso sicher und richtig wohl auf seinen historischen Zweisitzern. „Man ist stressfrei unterwegs und sieht auch eine ganze Menge von der Region, in der man unterwegs ist“, erklärt er. Und da ist noch etwas, was er nicht missen möchte. „Die Lust am Schrauben und Tüfteln“, sagt er.

Aus dieser Lust heraus hat er sich vor vier Jahren sogar ein eigenes Fahrzeug konstruiert und gebaut, ein neues Dreiradfahrzeug mit Vespa-Motor als Antrieb. „Besonders stolz bin ich darauf, dass es sogar vom TÜV abgenommen ist“, sagt Hans Perscheid.