Frechen-Königsdorf – Seit Jahrzehnten beeindruckt sie die Spaziergänger: Die „zweibeinige“ Buche. Sie steht gleich neben dem Reitweg, der an der Schutzhütte am Alten Heuweg durch den Wald verläuft.
Wann sich die beiden Bäume für ein gemeinsames Leben entschieden haben, kann auch Uwe Schölmerich, Leiter des Forstamt Rhein-Sieg-Erft, nur schätzen. Doch er ist sich ziemlich sicher, dass der Baum jetzt um die 100 Jahre alt sein muss. Er steht im Königsdorfer Altwald, einem Naturschutzgebiet, das zu dem letzten erhaltenen der ehemals weit verbreiteten Eichen-Buchenwälder in der rheinischen Bucht zählt.
Markante Bäume wie die zweibeinige Buche seien früher Wegmarken gewesen. Bis heute zähle es zu den Aufgaben der Förster, solche Naturphänomene zu erhalten. Dazu gehörten auch Bäume mit ungewöhnlichen und skurrilen Formen, auch wenn die nicht immer von der Natur geschaffen seien: „Mitunter handelt es sich dabei auch um alte Grenzbäume, die als Jungbäume auffällig geschnitten wurden“, erklärt Schölmerich.
Nicht so die zweibeinige Buche.
„Die beiden Bäume müssen schon in sehr jungen Jahren von ganz allein zueinander gefunden haben“, ist sich Schölmerich sicher. Seiner Meinung nach könnte dieser Prozess schon vor etwa 80 Jahren stattgefunden haben. „Ich gehe davon aus, dass sie bei Sturm und Wind einander die Rinde abgerieben haben“, erklärt er. Dabei könnten sich die Bäume ineinander verkeilt und so die Grundvoraussetzung für das Zusammenwachsen geschaffen haben. Der Prozess sei ähnlich wie beim Pfropfen, wenn Zier- und Obstbäume zur Vermehrung oder zum Verdeln zusammengefügt werden. Pfropfen sei jedoch ein Handwerk, das in Baumschulen und von Obstbauern von Hand und ganz gezielt durchgeführt werde. „Bei der zweibeinigen Buche hatte aber nur die Natur ihre Finger im Spiel gehabt“, sagt der Forstamtsleiter. „Solche Bäume sind schon extrem selten.“ Auch deswegen ist für ihn die „zweibeinige Buche“ eine Attraktion. Schölmerichs Zuständigkeitsgebiet erstreckt sich vom Rhein-Erft-Kreis bis ins Siebengebirge. Und bisher weiß er lediglich von nur einem weiteren „zweibeinigen“ Baum, einer Eiche, die im Kottenforst auf Bonner Stadtgebiet steht.
Sagen und Legenden ranken sich um solche Bäume. Oft werden ihnen Zauberkräfte nachgesagt – auch der Buche im Königsdorfer Wald. Deutlich erkennbar ist der Trampelpfad zwischen den beiden mächtigen Stämmen. „Das deutet auf sehr viele Besucher hin“, sagt Schölmerich. Früher hätten sich oft Liebespaare zum Küssen im Baumbogen getroffen. „Das sollte Glück bringen“, sagt er. Sogar heilende Kräfte wurden dem Baum nachgesagt. Wer unter dem Baumbogen hindurch gehe, der werde oder bleibe gesund. „In diesem Baum leben eben gute Geister“, sagt Schölmerich mit einem Augenzwinkern.
Beim Sturm Kyrill haben sie den Baum allerdings nicht geschützt. Damals, so vermutet Schölmerich, seien die oberen rund zehn Meter des früher einmal mehr als 30 Meter hohen Baumes abgebrochen. Doch abgestorben ist er nicht. „Er steckt sogar voller Leben“, sagt Schölmerich und deutet auf das Spechtloch, das hoch oben am Stamm zu sehen ist.