Rhein-Erft-Kreis – Von der gewaltigen Gewitterfront jäh beendet wurden auch im Kreis am Montagabend die hochsommerlichen Pfingsttage. An Rhein und Erft forderte das Unwetter nach Angaben von Polizei und Feuerwehr insgesamt acht Verletzte. Schwerer verletzt wurde dabei aber nur ein 32-jähriger Autofahrer, der nach Angaben der Polizei gegen 21.50 auf der A 61 von Bedburg in Richtung Bergheim ins Schleudern geriet und gegen einen Baum prallte.
Die Feuerwehren im Kreis waren im Dauereinsatz: Sie mussten ihre Leitstelle verstärken und hatten im gesamten Kreis am Abend und in der Nacht vor allem mit umgestürzten Bäumen und abgebrochenen Ästen zu kämpfen. Besonders betroffen waren die Städte im Norden und Westen des Kreises, wo fast zwei Drittel der insgesamt 595 Einsätze notwendig wurden. Trauriger Spitzenreiter war Bedburg mit 101 Einsätzen.
Unterdessen wurde die Polizei auch zu anderen „witterungsbedingten“ Einsätzen gerufen: „Es gab eine ganze Reihe von gemeldeten Einbrüchen, die auf Fehlalarme der Anlagen durch die statische Aufladung im Gewitter zurückzuführen waren“, erklärt Polizeisprecher Bernd Mauel.
„Die Ausmaße des Gewitters waren erstaunlich“, sagt der Brühler Wetterbeobachter Hans-Dieter Müller. Bereits gegen 19.30 Uhr, als sich das Zentrum des Gewitters noch über Ostbelgien befand, habe er den Eisschirm der bis zu 15 Kilometer Höhe aufragenden Gewitterwolken im Westen erkennen können. Später habe er dann jene spektakulären Höcker- oder Beutelwolken über Brühl gesichtet, die am Rand von Gewittern auftreten. „Normalerweise haben sie keine Bedeutung für das Wetter“, sagt Müller. Wenn sie aber aufplatzen, erklärt er, komme es zu starken Regenschauern.
Am Morgen danach begann unter anderem in Elsdorf das Aufräumen. Arg erwischt hatte es Familie Krumbach. Eine knapp 15 Meter hohe städtische Linde, die als eines der ältesten Gewächse an der Allee der Gladbacher Straße gilt, stürzte mitsamt Wurzelwerk um, begrub das vor dem Haus geparkte Auto unter sich und beschädigte das Dach. „Wir waren hinter dem Haus und haben das Terrassendach festgehalten, das im Sturm abzuheben drohte. Der Sturm war so laut, dass wir den Aufprall des Baumes nicht gehört haben“, erzählt Lutz Krumbach. Erst als er nach dem Unwetter ums Haus ging, habe er den Schaden bemerkt.
Nach dem Unwetter wurde aufgeräumt
Mit dem Abzug des Gewitters war die Gefahr aber noch nicht gebannt. Geschlossen blieben vorerst die Friedhöfe, gestern wurde zuerst an Kindergärten und Schulen aufgeräumt und die Baumkronen inspiziert. Auch das Freibad bleibt bis Donnerstag geschlossen. Die Schwimmbecken müssen, so Beigeordneter Johannes Mies, von Laub und Astwerk befreit und auch dort die Bäume überprüft werden.
Aufräumen war auch im Paffendorfer Schlosspark in Bergheim angesagt. Wegen zahlreicher umgestürzter Bäume bleibt der Park einige Tage lang geschlossen. Vor dem Tor knickte ein Baum ab, dessen mächtige Krone jetzt im Wassergraben liegt.
Ein Bild der Verwüstung bot sich den Bogenschützen vom SSK Kerpen. Auf dem Vereinsgelände hatte der Sturm in der Nacht eine etwa 40 Meter hohe Pappel einfach umgerissen. Abgebrochene Äste hängen auch in anderen Bäumen, die auf dem Gelände stehen. „Vorerst ist das Gelände hier alles andere als sicher“, räumt Jörg Langbehn ein, der eigentlich am Dienstag den Rasen mähen wollte.
Spur der Verwüstung in den Wäldern
„Das war richtig heftig“, lautet die erste Bilanz der Revierförster. Die Orkanböen haben in den Wäldern eine Spur der Verwüstung hinterlassen. „Am schlimmsten ist Knechtsteden und der nördliche Kreis bei Kerpen und Königsdorf betroffen“, sagt Uwe Schölmerich, Chef des Forstamtes Rhein-Sieg-Erft. Alte und kräftige Bäume seien teils ganz aus der Erde geschlagen, teils aber auch wie Streichhölzer abgebrochen.
Viele Waldwege sind zurzeit aufgrund von abgebrochenen Ästen gar nicht passierbar. „Es ist zurzeit überdurchschnittlich gefährlich, in den Wald zu gehen“, warnt Schölmerich. Einige Bäume stünden in Schieflage. „Da reicht eine Böe und sie fallen um“, erklärt er. Auch hingen noch etliche abgebrochene Äste in den Baumkronen, die schon bei kleinsten Windstößen abstürzen können. (kmm/ftz/mkl)
