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Wegen Anzeige?Wolfgang Weik ist ab sofort nicht mehr Antikorruptionsbeauftragter

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Symbolbild

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Wesseling – Der Wesselinger Bürgermeister Erwin Esser (SPD) hat den Antikorruptionsbeauftragten im Rathaus, Wolfgang Weik, seines Amtes enthoben. Brisant ist dies vor allem vor dem Hintergrund, dass Weik im Februar dieses Jahres bekanntlich Anzeige gegen seinen Dienstherrn bei der Staatsanwaltschaft erstattet hatte.

Der Grund: Bürgermeister Esser soll der Tochter seines Brühler Amtskollegen und Parteifreundes Dieter Freytag zu einem Ausbildungsplatz im Wesselinger Rathaus verholfen haben. Wie es hieß, soll die Stelle eigens geschaffen worden sein. Zudem soll es kein Bewerbungsgespräch gegeben haben.

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Am Mittwochnachmittag wurde Weik, der auch Leiter des Wesselinger Rechtsamtes ist, zu einer „Vorsprache“ beim Bürgermeister zitiert. Der Verwaltungschef widerrief mit sofortiger Wirkung Weiks Bestellung zum Antikorruptionsbeauftragten. „Darüber war ich sehr überrascht“, sagte Weik auf Anfrage dieser Zeitung. Gründe für seine Entscheidung habe Bürgermeister Esser nicht genannt, auch nicht auf Nachfrage.

Die Atmosphäre sei frostig gewesen, berichtet Wolfgang Weik. Er wurde aufgefordert, sofort sämtliche Akten an den Beigeordneten und Kämmerer Manfred Hummelsheim zu übergeben, der bei dem Gespräch ebenfalls anwesend war. „Der Kämmerer hat mich nach dem Gespräch gleich in mein Büro begleitet“, sagt Weik, der einen weiteren Zeugen dazuholte. Etwa eine Dreiviertelstunde habe es gedauert, bis er alle Akten beisammen hatte: „Da ist schon eine ganze Kiste zusammengekommen.“

Leiter des Rechtsamtes

Seit Mittwoch ist Weik offiziell nicht mehr als Antikorruptionsbeauftragter tätig, er bleibt weiter Leiter des Rechtsamtes. Diesen Posten hat der einzige Jurist im Wesselinger Rathaus vor 28 Jahren übernommen. Seit 14 Jahren war er zusätzlich Antikorruptionsbeauftragter. Gegen den „Widerruf der Funktionsbestellung“, wie es offiziell heißt, will er nun klagen. Es liege zwar in der Entscheidungsbefugnis des Bürgermeisters, den Antikorruptionsbeauftragten zu berufen und abzubestellen, räumt Weik ein.

Allerdings dürfe der Bürgermeister keine willkürlichen Entscheidungen treffen. Genau dies wirft Weik dem Verwaltungschef aber vor: Der Rechtsamtsleiter vermutet, dass sein Verhalten im Streit um den Ausbildungsplatz für Bürgermeister Freytags Tochter den wahren Hintergrund seiner Abberufung bildet.

Keinen Zusammenhang

Im Wesselinger Rathaus sieht man keinen Zusammenhang zwischen der Vergabe der Ausbildungsstelle und der Abberufung des Antikorruptionsbeauftragten. „Wir haben uns in der Nachbarkommune und auch bei der Kommunalaufsicht umgehört“, erläuterte Peter Adolf, Pressesprecher der Stadt Wesseling, auf Anfrage. In fast allen anderen Städten sei die Leitung des Rechnungsprüfungsamtes gleichzeitig Antikorruptionsbeauftragter. So wolle man es in Wesseling künftig auch halten: „Die Kommunalaufsicht hat uns darin bestärkt“, sagte Peter Adolf.

Neue Antikorruptionsbeauftragte sei demnach ab sofort Annette Kuhl, die das gemeinsame Rechnungsprüfungsamt der Stadtverwaltungen Brühl und Wesseling leitet.

Das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft wegen der Ausbildungsplatzvergabe läuft noch. Wie Wolfgang Weik berichtet, hat er kürzlich noch einmal eine neunseitige Stellungnahme abgegeben. Im November 2016 hatte er von den Vorgängen erfahren. Damals hatte Weik zunächst versucht, mit Bürgermeister Esser eine Regelung zu finden. Nachdem der Verwaltungschef sich aber Ende Januar selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt hatte, um den Sachverhalt prüfen zu lassen, erstattete auch Weik Anzeige: „Sonst hätte ich mich strafbar gemacht.“

Nach Informationen dieser Zeitung ist die Auszubildende nicht mehr in Wesseling beschäftigt. Dazu wollte sich Pressesprecher Adolf mit Hinweis auf den Datenschutz allerdings nicht äußern.

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