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Serie „Mein Lieblingsplatz“Dirk Collin verbringt die Freizeit im „Silberpfeil“ in Wesseling

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Das Foto zeigt einen Mann, der vor einer alten Bahn steht.

Mit der schwungvollen roten Lackierung und dem Pfauenaugenmuster in der Aluminiumverkleidung macht der 66 Jahre alte Silberpfeil der Köln-Bonner-Eisenbahn immer noch einen modernen Eindruck.

Als leichtester, modernster und mit 120 Stundenkilometern schnellster Triebwagen der deutschen Privateisenbahnen habe er gegolten, weiß Dirk Collin.

Der Silberpfeil sieht aus, als könnte er unverzüglich seinen Dienst auf der Rheinuferbahn wieder antreten. Auf der Linie 16 zwischen Köln und der einstigen Bundeshauptstadt Bonn verkehrte der Elektrotriebwagen. Mit der silbernen Alukarosserie von rund 25 Metern Länge, auf der handgeschliffene so genannte Pfauenaugen im Licht blitzen und der roten bogenförmigen Lackierung sieht er immer noch recht modern aus.

Als leichtester, modernster und mit 120 Stundenkilometern schnellster Triebwagen der deutschen Privateisenbahnen habe er gegolten, weiß Dirk Collin. Er weist auf die vielen Nieten hin, die Dach und Seitenverkleidung zusammenhalten. Als Prototyp des Silberpfeiles im Jahr 1960 gefertigt, hatte das Schweißen von Aluminiumformteilen noch erfunden werden müssen. Erst spätere Züge der Serie ab 1962 seien mit Schweißnaht ausgeliefert worden.

Wesseling: Schon Großvater fuhr mit dem Silberpfeil

Dirk Collins hat den Schlüssel zu den Abteilen dabei. Die Luft in der ersten Klasse riecht nach heißen Sommertagen und dem Staub der Maschinenhalle 28 von 1904 am Wesselinger Bahnhof. Die samtenen Polster, in die sich der Vorsitzende der Köln-Bonner Eisenbahnfreunde sinken lässt, wirken wie bequeme Ohrensessel jener Zeit – mit ungewohnt komfortabler Beinfreiheit. Sie sind sauber und gut in Form. Der hellgrau marmorierte Linoleumboden weist wie Wände, Schiebefenster, Klapptisch und Aschenbecher wenige Benutzungsspuren auf. Eine zusätzliche Glaswand teilt den Lieblingsplatz von Dirk Collin diskret in zwei Räume.

„Mit dem Silberpfeil ist schon mein Opa Paul Collin als Triebfahrzeugführer im Auftrag der Köln-Bonner Eisenbahn gefahren“, sagt Dirk Collin. Dann habe der Vater Paul, genau wie der Großvater, bei der Bahn angefangen, und schließlich er selbst, zusammen mit seinem Zwillingsbruder. Lokführer sei er nicht geworden, als Signaltechniker plane er bei der HGK zur Zeit Bahnübergänge.

Das Foto zeigt einen Mann in einem alten Zugabteil.

Im Silberpfeil, den schon sein Opa steuerte, fühlt sich Dirk Collin wohl. Hier macht er es sich in den Ohrensesseln der ersten Klasse bequem.

Zur offiziellen Eröffnung des Wesselinger Bahnhofes im Mai habe der Silberpfeil als „echter Hingucker“ vor dem historischen Gebäude gestanden. Mit einem Hilfswagen habe man ihn auf das Gleis am Bahnhof rangiert. Denn eigenständig fahren könne der Silberpfeil nicht, für die Schienen fehle die Hauptuntersuchung, der sich alle Züge, eben auch Oldtimer, im Sechsjahresturnus unterziehen müssten.

„Wir haben ihn schon einmal unter Strom gesetzt, da schien alles zu funktionieren.“, schildert Collin mit abenteuerlustigem Funkeln in den Augen. Aber das Risiko für die Inbetriebnahme sei zu hoch. Am Ende könnten sich die alten Stromleitungen doch als marode erweisen, die Aluminiumkarosserie Feuer fangen und gar einen Personenschaden verursachen. 350000 Euro würde eine Hauptuntersuchung mit Erneuerung der Stromleitungen kosten. Zuzüglich 100000 Euro für eine Ultraschallprüfung von Achsen und Rädern bei angehobenem Zug.

Die Kosten werde der Verein schwerlich in Wochenendausfahrten reinfahren können, überlegt Dirk Collin. Das Fahren in historischen Zügen liege zwar ganz im Trend, das zeigten wachsende Besucherzahlen bei Exkursionen ihres „Polarexpress“ mit Nikolaus, Elfen und Weihnachtsliedern am dritten Advent – beim letzten Mal seien es 970 Fahrgäste gewesen. Er selbst trete dann im historischen Schaffneranzug an und knipse die Fahrkarten ab.

Wöchentliche Fahrten könne der Verein mit 25 aktiven Mitgliedern für das Personal einfach nicht stemmen. Es brauche wenigstens vier Leute mit fachlicher Befähigung für den Personenverkehr, ein Lokführer, ein Lotse, ein Türsicherungsposten und ein Zugbegleiter. Vom Einholen von Genehmigungen seitens der HGK-Betriebsleitung oder Reinigung des Zuges sei da noch nicht die Rede.

„Können wir rüber zum Silberpfeil ?“, fragten viele Besucher seit Wiedereröffnung ihres Museums im Vereinsheim in der einstigen Güterabfertigung der Häfen- und Güterverkehr Köln AG. Dem Wunsch wollten die Eisenbahnfreunde mit vier Führungen jährlich nachkommen. Bei der Gelegenheit könne man sich ein weiteres Schätzchen auf Gleis 28 anschauen, den sogenannten „Berrenrather Wagen“ aus dem Jahr 1922. Termine werden auf der Homepage www.kbef-ev.de veröffentlicht.


So geht die Serie weiter

Für die eine ist es der Friedhof, für den anderen ein Sportplatz oder ein verstecktes Wegekreuz – ganz individuell fällt die Wahl des Lieblingsplatzes im Kreis aus. In jeder Ausgabe während der Sommerferien stellen wir mit der Serie „Mein Lieblingsplatz“ einen Ort in den zehn Kommunen vor, der für einen Menschen eine besondere Bedeutung hat, und laden zur Entdeckungstour ein. Am Dienstag, 11. August, zeigt Monika Waeser der Redaktion ihren Lieblingsplatz: den Streichelzoo auf dem Gertrudenhof in Hürth. (red)