Im Prozess gegen mutmaßliche Raser, die einst beim FC spielten, sind jetzt andere Autofahrer und Polizisten gehört worden.
Tödlicher Unfall auf der A555Zeugen können Inferno bei Wesseling nicht vergessen

Mutter und Tochter starben bei dem Unfall am 1. Dezember 2023 auf der A555 bei Wesseling.
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War es ein illegales Autorennen mit zwei Toten oder ein Unfall infolge überhöhter Geschwindigkeit? Im Prozess gegen zwei Ex-FC-Nachwuchsspieler kam die 26. Große Strafkammer am Landgericht der Wahrheit auch am dritten Verhandlungstag kaum näher. Von der Nachweisbarkeit eines Vorsatzes in dem fatalen Geschehen am 1. Dezember 2023 hängt ab, ob die Anklage eventuell auf Mord hochgestuft wird.
„Ich sah im Rückspiegel einen Feuerball, das hat sich eingebrannt“, schilderte ein 35-jähriger Zeuge, was er an dem verhängnisvollen Freitag gegen 23 Uhr auf der A555 in Fahrtrichtung Bonn kurz nach der Baustelle Godorf erlebte. „Jungs, fahrt nicht so schnell in eine Baustelle“, will eine 58-jährige Zeugin gedacht haben, obwohl sie die Personen am Steuer nicht sah, als zwei hochmotorisierte Autos sie links und rechts überholten, kurz bevor sich die Fahrbahn von drei auf zwei Spuren verengte. „Die Situation kam mir vor wie in einem Computerspiel, so schnell wie die Autos um mehrere andere herummanövrierten“, fuhr sie fort.
Autos schossen über die Standspur
Sekunden später sah sie wenige hundert Meter vor sich Flammen auf der Autobahn. Wegen des überaus großen Medieninteresses an dem Fall forderte der Vorsitzende Richter Tilman Müller die Zeuginnen und Zeugen auf, klar zu trennen zwischen den eigenen Erinnerungen und Gelesenem oder Gehörtem. Weitgehend stimmten die Aussagen zur Fahrweise der beiden mutmaßlichen Raser überein. „Sie schossen über die Standspur an uns vorbei“, erzählte der Zeuge, der später einen Feuerball sah. „Guck mal, da kommt einer von links angeschossen“, will ein 31-jähriger Zeuge zu seiner Freundin gesagt haben.
Das Gericht zeigte ihm das Video, das der Beifahrer eines Angeklagten von dem regelwidrigen Überholmanöver angefertigt hatte. Darauf ist wahrscheinlich der Mazda des Paares zu sehen. Angaben zu den Marken und Farben der Autos variierten jedoch. Während die Polizei Köln mit der Unfallaufnahme beschäftigt war, schickte die Bonner Polizei einen Beamten und eine Beamtin zum Parkplatz Bornheim, wo ein Beteiligter und sein Beifahrer nach dem Geschehen warteten. „Das Fahrzeug war vorne links beschädigt, die Insassen waren unverletzt.“
„Sie wirkten zunächst aufgeregt und reagierten schockiert, als wir ihnen eröffneten, dass es Tote gab“, berichteten sie. Handys und Kleidung der beiden Männer wurden vor Ort sichergestellt, Alkohol- und Drogentests gemacht, die negativ ausfielen.
Bei der ersten Befragung zum Unfallhergang behauptete der Fahrer, mit den erlaubten 120 Stundenkilometern unterwegs gewesen zu sein, bevor es beim Spurwechsel zu der Kollision gekommen sei. Am dritten Verhandlungstag war der Vater der 23-jährigen Studentin, die zusammen mit ihrer 49-jährigen Mutter das Leben verlor, nicht anwesend. Der Prozess wird fortgesetzt.

