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Zweiter Weltkrieg in ErftstadtLicht ins Dunkel gebracht

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Erftstadt-Lechenich – Im Trauermonat November wird der Verstorbenen (an diesem Totensonntag), aber auch der in den Kriegen Gefallenen gedacht. Für den Lechenicher Hans Wessels hat der Krieg und die Erinnerung daran noch eine ganz andere Bedeutung. Der 76-Jährige erforschte das Schicksal von fünf Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten gekämpft hatten.

„Sie waren am Ortsrand von Lechenich, vermutlich von einer Flak-Stellung in Köttingen, abgeschossen worden. Ein Soldat überlebte dank des Fallschirms, fünf Soldaten starben beim Absturz auf einem Feld am Römerhofweg“, berichtet Wessels. „Der Bomber vom Typ B-26 Marauder ging bei dem Abschuss am 25. Februar 1945 in Flammen auf, die Leichen verbrannten bis zur Unkenntlichkeit.“

Doch wie kam es dazu, die Umstände dieses Absturzes genau zu erforschen? „Im April 1988 hatte der damalige Erftstädter Bürgermeister Heinz Cremer einen Brief des US-Historikers Ronald Hirst erhalten, der um Aufklärung über die Umstände des Absturzes bat“, erläutert der Pensionär, der sich seit langem für Luftwaffengeschichte interessiert.

Anfrage weitergereicht

Cremer reichte die Anfrage an den damaligen Kulturdezernenten Heinz Küpper weiter. Der wandte sich seinerseits an den befreundeten Wessels, da er von dessen großem Interessen an Luftwaffengeschichte wusste.

Wessels machte sich an die Arbeit und setzte sich mit vielen Leuten in Verbindung. Viele Details, Zahlen und Namen kennt Wessels noch heute auswendig. „Die abgestürzte Maschine gehörte der 453. Staffel des 323. mittleren Bombengeschwaders der US-Luftwaffe.“ Nach Kriegsende haben Angehörige der Soldaten eine Veteranengesellschaft gegründet. Dessen Sekretär Casimier Sachocky sei persönlicher Freund eines der abgestürzten Besatzungsmitglieder gewesen. Sein Name: John Baird.

Nachdem der Sohn des Getöteten sich an den Sekretär gewandt hatte, richtete der seine Bitte an den Historiker Hirst. Der Geschichtsforscher wandte sich wiederum an Bürgermeister Cremer und schlug vor, in Erftstadt eine Zeitungsanzeige zu schalten, in der Zeugen des Absturzes gebeten wurden, sich zu melden. Und zwar bei Hans Wessels, der seinerseits Dienststellen und Archive um Auskunft zu dem Absturz gebeten hatte.

Der Militärattaché der US-Botschaft in Bonn schickte ihm Fotos von Marauder-Bomberflugzeugen zu. Eines der Fotos wurde in der Erftstädter Zeitungsanzeige verwendet. „Und siehe da, etwa 60 Leute riefen bei mir an“, erinnert Wessels sich. Insgesamt habe er 24 Interviews geführt. Bei zwei Zeugen stellte sich heraus, dass sie konkrete Angaben machen konnten. Die Maschine stürzte an der Römerstraße ab, hinter den Gärten von Wohnhäusern. Die Toten waren vor Ort begraben worden. 1947 hat die Gemeinde Lechenich die Leichen exhumiert. Die sterblichen Überreste wurden zum belgischen Friedhof Neuville-en-Condroz überführt. Von den fünf Toten konnten zwei nicht mehr identifiziert werden. Einer von ihnen war John Baird. Wessels berichtete den Amerikaner über seine Erkenntnisse. Veteranen-Sekretär Sochocky kam aus den USA und ging mit Wessels zur Absturzstelle. „Wir sprachen dort gemeinsam ein Gebet“, erinnert Wessels sich. Die Amerikaner dankten ihm mit einem Standmodell des Flugzeugs. Die US-Botschaft richtete auf Wunsch von Wessels, der in der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft engagiert ist, ein ganztägiges Besuchsprogramm aus. Wessels: „Es war für mich und die 40 Teilnehmer ein unvergesslicher Tag.“