Immer mehr Gäste aus der ganzen Welt kommen für einen Kurzaufenthalt in den Rhein-Sieg-Kreis. Ein Siegburger Kurzzeit-Vermieter berichtet.
Gäste-Favoriten und UrlaubsflairAirbnb-Übernachtungszahlen in Rhein-Sieg haben sich verdoppelt

Klassische Code-Schlüsselkästen für Airbnb-Wohnungen an einer Hauswand. (Symbolbild)
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Wohnen an den Uffizien in Florenz, Aug’ in Aug’ mit der David-Statue von Michelangelo. In Paris morgens das Haus verlassen, um in einem Straßencafé ein Croissant in einen Café au Lait zu tunken. Oder in Siegburg ein paar Meter bis zum Bahnhof laufen und von dort zum Kölner Dom oder zum Bonner Beethovenhaus fahren – fernöstliches U-Bahn-Feeling in der überfüllten 66 inklusive.
Ob Rom oder Ruppichteroth, Kathmandu oder Königswinter, Montreal oder Much: Airbnb und Co, die weltweiten Kurzzeitvermietungen via Internet, machen es möglich. Sie haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, und das gilt, folgt man der jüngsten Statistik von IT.NRW zu dem Thema, besonders für den Rhein-Sieg-Kreis.
414.340 Übernachtungen in Kurzzeitunterkünften in Rhein-Sieg
So habe sich die Zahl der Gästeübernachtungen in Kurzzeitunterkünften im Rhein-Sieg-Kreis seit 2018 mehr als verdoppelt. Mit 414.340 Übernachtungen hat Rhein-Sieg einen neuen Höchststand erreicht und liegt damit vor allen anderen Kreisen im Regierungsbezirk Köln. Innerhalb des Kreisgebietes, zwischen Rheinbach und Windeck, sei die Zahl von 2024 auf 2025 von 200.067 auf 414.340 gestiegen. Rund die Hälfte der Übernachtungsgäste, genau 205.059, kamen 2025 aus dem Ausland.
Einer der Kurzzeit-Vermieter im Rhein-Sieg-Kreis ist Andreas aus Siegburg. Der 42-jährige Unternehmer, Ehemann und Vater von zwei Kindern, möchte seinen wahren Namen nicht in der Zeitung lesen. Im Interview spricht er offen über Beweggründe und Erfahrungen.
Ich habe zweimal Mietnomaden gehabt und bin auf 8000 Euro Kosten hängengeblieben.
Seit sieben Jahren vermietet Andreas zwei Wohnungen in einem Siegburger Wohnhaus, das ihm seit 25 Jahren gehört, an internationale Kurzzeitgäste. „Ich habe zweimal Mietnomaden gehabt und bin auf 8000 Euro Kosten hängengeblieben“, sagt er. „Darum habe ich nach Möglichkeiten gesucht, die Mietverträge möglichst kurz zu halten, um die Kontrolle über die Wohnungen zu bewahren.“ Ein weiteres Motiv ist privater Natur: Sein Vater lebt im Ausland. „Er kommt ab und zu mal zu Besuch. Da wollte ich mir die Möglichkeit offenhalten, die Wohnung auch mal für ihn zur Verfügung zu stellen.“
Mit seinem Wohnangebot steht Andreas nicht allein. Eine Suche im Internet, auf einer der Vermittler-Plattformen wie Airbnb, Booking, Expedia oder Tripadvisor, ergibt zahlreiche Kurzzeitangebote, zum Beispiel das von Justin aus Troisdorf.
Kingsize-Doppelbett, Schlafsofa, blühende Blumen im Vorgarten
Der junge Mann bietet ein „ruhiges Appartement in top Lage“ in Troisdorf-Altenrath an: Kingsize-Doppelbett, Schlafsofa, Bücher und anderes Lesematerial, Heizung, Kinderbücher und Spielzeug, Fernseher und Brettspiele, voll ausgestattete Küche, Bad, Vorgarten mit blühenden Blumen und eine Terrasse mit einer Flasche Rotwein – und das alles für 200 Euro für ein Wochenende.
Justin, nach eigenen Angaben seit einem Jahr auf Airbnb unterwegs, gehört hier mit der Note 4,96 zu den „Gäste-Favoriten“. Denn die Gäste bewerten auf der Plattform ihre Vermieter – und umgekehrt. Seine Gäste kommen den Namen nach zu urteilen nicht nur aus Deutschland und Europa, sondern aus aller Welt. Sie hinterlassen ihm die nettesten Worte, loben Freundlichkeit und Unkompliziertheit des Gastgebers sowie Ausstattung und Lage der Wohnung.
Ich werde alle Mitglieder der Community ... respektvoll, vorurteilsfrei und unvoreingenommen behandeln.
Interkulturelle Begegnung: Das jedenfalls ist, bei allem möglichen Streit über die Verknappung von Wohnraum, eine sympathische Seite von Kurzzeitvermietungen in Zeiten von Rechtspopulismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Menschen, die auf der Plattform vermieten wollen, bekennen sich: „Ich werde alle Mitglieder der Community – unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe, einer Behinderung, ihrem Geschlecht beziehungsweise ihrer Geschlechtsidentität, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrem Alter – respektvoll, vorurteilsfrei und unvoreingenommen behandeln.“
Diesem Grundsatz verpflichten sich die potenziellen Vermieterinnen und Vermieter von Kurzeitwohnungen ausdrücklich, an einem Test-Wochenende im August beispielsweise neben Justin auch die Anbieter eines „Urban Jungle Room“ für 191 Euro in Troisdorf, eines „Cottages“ in Neunkirchen-Seelscheid für 285 Euro, einer Eigentumswohnung mit Luxus-Sauna und Whirlpool für 473 Euro in Much oder eines Campingbusses für 110 Euro in Troisdorf.
Kurzzeit-Vermieter Andreas kommt aus der „Online-Welt“
Auch Andreas, beim Interview gerade braun gebrannt vom Familien-Kurzurlaub aus Spanien zurückgekehrt, wirbt auf Plattformen. Auch, aber nicht nur. Denn Andreas, der als Siebenjähriger von Polen nach Siegburg kam und seitdem hier lebt und arbeitet, ist nur nebenbei Vermieter. In der Hauptsache ist er Unternehmer, besitzt eine Werbeagentur, entwickelt Software und stellt, zum Teil mit seiner Ehefrau, neue Projekte auf die Beine. „Ich komme aus der Online-Welt, deswegen kann ich recht schnell, jetzt auch dank KI, Lösungen bauen.“ Dank seines Hintergrunds weiß er nach eigener Aussage genau, mit welchen Schlüsselworten er seine Vermieter-Homepage spicken muss, damit die Zielgruppe seine Wohnungen findet.
Mit seinen Angeboten auf diversen Kanälen ist Andreas allerdings auch der lebende Beweis dafür, dass die neueste Landesstatistik über Kurzzeitvermietungen kein Eins-zu-eins-Abbild der Marktlage ist. Denn diese Statistik stützt sich auf EU-Zahlen, für die drei der großen Anbieter ihre Zahlen melden.
Geschäftsreisende und Messebesucher sind „selten in der Wohnung“
Carmen Döhnert, Tourismus-Chefin des Referates Wirtschaftsförderung und Strategische Kreisentwicklung bei der Kreisverwaltung, weist darauf hin, dass Mehrfachzählungen durchaus möglich sind. Aus diesem Grund könne der Kreis auch die weitere Frage, wie hoch inzwischen der Anteil der Kurzzeitvermietungen am gesamten Übernachtungsaufkommen im Rhein-Sieg-Kreis sei (also mit Hotels und Campingplätzen), „nicht seriös beantworten“.
Andreas hat aktuell Besucher aus England zu Gast. „In der Saison, also von Juni bis September, kommen viele Touristen, die auch das Phantasialand besuchen oder die Gamescom.“ Da sein Haus in der Nähe des Bahnhofs liege, kämen aber auch viele Messebesucher. „Das ist auch meine Zielgruppe: Geschäftsreisende oder Messebesucher.“ Der Vorteil: „Die sind selten in der Wohnung und können weniger kaputtmachen.“ Auch hätten sie in der Regel ein „besseres Empfinden für fremdes Eigentum“. Obwohl, das sagt der Familienvater auf Nachfrage, sich die Schäden insgesamt in Grenzen hielten. „Ich bin handwerklich geschickt, aber ich kann auch sehr viel selbst reparieren.“
Meine Frau hat ein schlechtes Gewissen, weil man den Wohnraum auch anders zur Verfügung stellen könnte.
Angefeindet worden wegen seiner Kurzzeit-Vermietertätigkeit ist der Siegburger bislang noch nicht. In den 19 Kreis-Kommunen gibt es laut Bundesnetzagentur, anders als in Köln, Bonn oder Brühl, keine Registrierungspflicht für diese Art der Vermietung. Aber Andreas räumt auch ein: „Meine Frau hat ein schlechtes Gewissen, weil man den Wohnraum auch anders zur Verfügung stellen könnte.“ Er werde ab 2027 eine der beiden Wohnungen wieder dauerhaft vermieten.
Vor sieben Jahren habe er einfach keine Lust mehr gehabt, noch einmal auf Stromkosten und Mietausfällen sitzen zu bleiben. „Als Vermieter sind Ihnen in Deutschland die Hände gebunden. Da kann man auf dem legalen Weg nicht viel machen.“ Seinen künftigen Dauermieter kenne er dagegen schon länger: „Das passt.“
Kurzzeit-Übernachtungen in Rhein-Sieg in Zahlen
- 2018: 175.596
- 2019: 230.824 (+31,5%)
- 2020: 178.616 (-22,6%)
- 2021: 167.060 (-6,5%)
- 2022: 271.660 (+62,6%)
- 2023: 286.882 (+5,6%)
- 2024: 200.067 (-30,3%)
- 2025: 414.340 (+107,1%)