Rhein-Sieg-Kreis – Teilen ist im Trend – zumindest beim Autofahren. Mehr als 1,7 Millionen Menschen verzichten nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing inzwischen bundesweit auf ein eigenes Auto und nutzen einen fahrbaren Untersatz gemeinsam mit anderen. Bislang allerdings ist der Trend zum Verzicht auf ein eigenes Auto vor allem auf große Städte beschränkt.
So gibt es in der Carsharing-Hauptstadt Karlsruhe 2,71 Carsharing-Fahrzeuge pro 1000 Einwohner, in Köln, das an vierter Stelle rangiert, sind es immerhin 1,27 Fahrzeuge. Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es gerade einmal drei Carsharing-Stationen: zwei in Siegburg und eine in Troisdorf.
Die Bürgerenergie-Genossenschaft Rhein-Sieg, die sich bislang der umweltfreundlichen Energiegewinnung abseits großer Konzerne verschrieben hat, möchte dem Carsharing nun auch hierzulande zum Durchbruch verhelfen. Zusammen mit einer weiteren Genossenschaft, den Kölner „Energiegewinnern“, will sie jetzt das Projekt „Carsharing im Veedel“ aus der Taufe heben. Ziel ist es, dass sich Anwohner in Stadtvierteln am Stadtrand, vor allem aber auch in entlegeneren Dörfern, entscheiden, ihre Zweit- und Drittautos abzuschaffen und stattdessen ein Fahrzeug gemeinsam zu nutzen.
„Wir wollen das Carsharing dort etablieren, wo die großen Anbieter traditionell nicht hingehen“, sagt Thomas Schmitz, Vorstand der Bürgerenergie-Genossenschaft Rhein-Sieg. Das geteilte Fahrzeug – idealerweise ein Auto mit Elektroantrieb – wird die Genossenschaft den Teilnehmern ebenso zur Verfügung stellen wie die erforderliche Ladestation.
10.000 Kilometer Fahrleistung
„Die Nutzer zahlen dafür entweder eine monatliche Pauschale oder aber einen Preis, der sich nach Dauer der Nutzung und der Zahl der gefahrenen Kilometer berechnet“, erläutert Schmitz. „Der genaue Modus wird mit den Nutzern individuell vereinbart.“ Damit das sich das Projekt wirtschaftlich rechnet, muss jedes Fahrzeug auf eine jährliche Fahrleistung von 8000 bis 10.000 Kilometer kommen.
Um ihr Projekt, das im Frühjahr starten soll, umsetzen zu können, hofft die Genossenschaft auf zahlreiche Bewerbungen aus der Region. „Wir können als überwiegend ehrenamtlich arbeitende Genossenschaft diese Idee nicht selber in alle Stadtviertel, Stadtrandlagen oder Dörfer der Region tragen“, sagt Vorstand Schmitz. Er hofft auf Menschen, die bereit sind, sich für die umweltfreundliche und ressourcenschonende Mobilität zu engagieren und andere Autofahrer aus ihrer Nachbarschaft für die Idee zu gewinnen.
„Unsere Vorstellung ist, dass sich die Bewohner eines kleinen Viertels oder mehrerer Straßenzüge, die nur über eine große Zufahrt zu erreichen sind, dafür zusammenschließen“, erläutert Schmitz. Idealerweise steht das Auto dort an einer exponierten Stelle, an der die Nutzer täglich vorbeikommen. „Das Angebot wird nicht genutzt, wenn die Fahrzeuge irgendwo in weiter Entfernung an einem Bahnhof stehen“, ist sich Schmitz sicher.
Bewerbungen von Interessenten nimmt die Bürgerenergie-Genossenschaft ab sofort per E-Mail entgegen. „Das Projekt muss noch von unserem Aufsichtsrat gebilligt werden, schließlich setzen wir dabei das Geld unserer Mitglieder ein.“ Geplant ist, schon im April oder Mai mit einer ersten Station zu starten. Die Genossenschaft strebt an, ein Carsharing-Modell für den ländlichen Raum zu entwickeln, das sich auch auf andere Regionen übertragen lässt. „Wir wollen damit Pionierarbeit für andere Bürgerenergiegenossenschaften leisten“, sagt Schmitz. Er hofft dafür auch öffentliche Zuschüsse zu bekommen. Inzwischen hat sich die Genossenschaft mit „Carsharing im Veedel“ für die Regionale 2025 beworben.
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