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Flottes ProgrammDas Trio Heimpel heizt im Kunsthaus Seelscheid ein

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Kunsthaus 1

Optimismus, Lebensfreude und ironische Selbstreflexionen brachten Petra Herdtle, Mieke Stoffelen und Hermann König als Trio Heimpel auf die Bühne im Seelscheider Kunsthaus.

  1. Es war die zweite Vorstellung im Kunsthaus Seelscheid seit der Corona-Lockerung.
  2. Optimismus, Lebensfreude und ironische Selbstreflexionen sprudelten aus der Performance des Trio Heimpelsheraus.
  3. Auch der Saal hat nichts von seinem Reiz eingebüßt.

Neunkirchen-Seelscheid – Die zweite Vorstellung im Kunsthaus Seelscheid seit der Corona-Lockerung widmete Hausherr Burkard Sondermeier mit dem Trio Heimpel heimischen Kräften. Als Amateure stellte Sondermeier die Gruppe vor, die belgische Sichtweise auf den Begriff hervorhebend. Demnach ist im Nachbarland der Amateur ein Künstler, der seine Kunst liebt, nicht von ihr lassen kann, mit ihr leide, ohne dass sie ihm das Brot schenkt, das ihn am Leben hält.

Das waren gewiss auch Vorschusslorbeeren für die drei Protagonisten, die mit jedem ihrer Stücke dem Moderator das Wort redeten – im positiven Sinn. Optimismus, Lebensfreude und ironische Selbstreflexionen sprudelten aus der nicht versiegenden Quelle ihrer schöpferischen Talente. Die kernigen, ehrlichen Interpretationen waren garniert mit zahlreichen Pointen und Bonmots und brachten sichtbare Freude in den Saal. Der war übrigens gewissenhaft auf Corona getrimmt, ohne am Reiz seines Plüsch- und Tand-Ambientes einzubüßen.

Musikalisches, gesangliches und sprachliches Können

So ließ sich entspannt von Ohrensesseln, gemütlichen Sofas und neu geschaffenen Séparées aus das flott dahin kullernde Programm genießen. Das profitierte von der musikalischen Vergangenheit der Individualisten. So ist Geigerin Petra Herdtle anzumerken, dass sie einst bei „Irish Stew“ musizierte und leidenschaftlich ihr Faible für die Klänge der grünen Insel auslebt. Sie verstand sich neben quirligen Soloeinlagen und Melodiespiel auch aufs Continuo, gleichermaßen mit sauberem Strich oder im Pizzicato. Mit stoischer Ruhe seinen Hang für die Liedermacherei einbringend agierte der Seelscheider Hermann König  an den Gitarren und als Sänger, auch mit feiner zweiter Stimme.

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Als musikalische, gesangliche und sprachliche Könnerin präsentierte sich Mieke Stoffelen, die eine Ausbildung an einer Zirkusschule nicht verleugnen konnte. Der sympathische Irrwisch punktete an der Ukulele ebenso wie am Cajon und Akkordeon, das Stoffelen oft lediglich mit der linken Hand fürs Bassfundament nutzte oder dem sie herrliche Musette-Klänge entlockte. Fehlen durfte da nicht das unvergängliche „Accordéon“, das Serge Gainsbourg einst für Juliette Gréco schrieb.

Cover und Eigenkompsitionen

Lediglich auf drei Coverversionen setzte das Trio, so mit Angelo Branduardis „La Pulce D’acqua“ oder Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“, von König sonor gesungen und pantomimisch klasse in Szene gesetzt von Stoffelen.

Jedoch standen die eigenen Stücke dem in nichts nach. Etwa im selbstironischen Lied, das mit Fatalismus aufs nicht zu umgehende Alter blickte: „Das Leben lebt sich so dahin und ich mach den Rest.“ In eine ähnliche Richtung zielte das Stück, bei dem Mieke Stoffelen mit dem Zeitpunkt leben musste, als ein älterer Herr den Flirt mit ihr suchte. Sie war angekommen, auch weil sie merke, immer häufiger WDR4 zu hören. Der Schluss mündete passend  in „Moskau, Moskau…“ und mächtigen Beifall.

Absichtlich habe Heimpel einige sehr gut ausgeführte Instrumentalstücke untergebracht, erklärte König: „Damit sich die Texte setzen können.“ Auch diese Maßnahme gab Sondermeiers anfänglicher Äußerung Recht, als er sagte: „Ach gebe es doch unter den akademischen Künstlern ebenso viele Amateure wie unter den Laien.“