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„Haus am Berg“ in Neunkirchen-SeelscheidWarum regionale Produkte gerade in Krisenzeiten wichtig sind

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Das Haus am Berg in Neunkirchen-Seelscheid setzt auf regionale Zusammenarbeit.

Das Haus am Berg in Neunkirchen-Seelscheid setzt auf regionale Zusammenarbeit: Peter Schmidt vom Gummersbacher Klosterhof Bünghausen, Tillmann Hüsgen von der Hennefer Gärtnerei Hüsgen, und die Betreiber des Restaurants Michael Frank und Louise Scheben. 

Gemüse, Eier, Honig: Ein Restaurant in Neunkirchen-Seelscheid bezieht fast alles von regionalen Produzenten.

Als der Krieg im Iran losging, spürten das Michael Frank und Louise Scheben sofort. Beide betreiben das Wein-Restaurant „Haus am Berg“ in Neunkirchen-Seelscheid. „Die Spritpreise gingen nach oben, und es wurde erstmal alles storniert, Kochkurse und Reservierungen. In den ersten Wochen hatten wir abends immer nur zwei Gäste“, berichtet Frank. 

Die Betreiber des gemütlichen Lokals möchten deutlich machen, dass es gerade in Krisenzeiten wichtig ist, regionale Betriebe zu unterstützen. Denn Frank und Scheben haben die gezielte Zusammenarbeit mit Bauern aus der Region zum Konzept ihres Restaurants gemacht. Sie kaufen alles, was geht, in der Nachbarschaft ein: Gemüse, Eier, Honig, Fleisch. „Dadurch, dass wir bei lokalen Anbietern kaufen – vom großen Bio-Bauernhof bis zur kleinen Imkerei – wollen wir eine gewisse Wertschöpfungskette generieren. Man stützt sich sozusagen gegenseitig“, so Frank.

Von regionaler Zusammenarbeit profitieren Landwirte und Gastronomen

Der Gastronom beschreibt seinen persönlichen Aha-Moment, als er bei einem Bauern direkt auf dem Feld ein Stück Fenchel probiert habe. „Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit Fenchel aus dem Supermarkt, ein komplett anderer Geschmack und Biss. Dann dachte ich mir, ich bin ja eigentlich dumm, wenn ich zur Metro fahre und Gemüse kaufe, das durch lange Transportwege teilweise Wochen, Monate alt ist.“

Je nach Saison arbeiten die Betreiber des „Haus am Berg“ regelmäßig mit etwa zehn Händlerinnen und Händlern aus der Region zusammen. Dazu gehört Tillmann Hüsgen aus Hennef, der die „Gärtnerei Hüsgen“ mit zehn Hektar Gemüseanbau führt. „Ich als kleiner Betrieb bin auf solche regionalen Strukturen angewiesen. Ich bekomme natürlich auch ein Stück weit mehr Geld dafür, als wenn ich Großhändler beliefere“, sagt Hüsgen. „Der Hauptgewinn ist für mich aber, dass mein Gemüse mit viel Wertschätzung in einem schönen Ambiente serviert wird. Da fühlt man sich schon geehrt.“

Das Haus am Berg in Neunkirchen-Seelscheid setzt auf regionale Zusammenarbeit.

Auch die Brot-Etagere stammt von einer Seelscheider Künstlerin: Barbara Carstens.

Auf ihren Speisekarten machen Frank und Scheben auf die Landwirte und Produzenten aufmerksam, mit denen sie zusammenarbeiten. Einige Kundinnen und Kunden haben beispielsweise daraufhin bei Hüsgen eine Gemüsekiste bestellt - oder sich entschieden, Eier bei Peter Schmidt vom Klosterhof Bünghausen in Gummersbach zu kaufen.

„Gerade in solchen unsicheren Zeiten müssen wir die regionalen Strukturen stärken. Wenn der Transport von JWD nach hier so teuer wird, bist du froh über alles, was es bei dir um die Ecke gibt“, sagt Peter Schmidt. „Als Gastronomen und Landwirte sichern wir auch Arbeitsplätze hier vor Ort“, fügt Michael Frank hinzu. 

Als Gastronomen und Landwirte sichern wir auch Arbeitsplätze hier vor Ort.
Michael Frank, Betreiber „Haus am Berg“

Verständlicherweise schauen die Menschen momentan aufs Geld, wenn sie Lebensmittel einkaufen. „Aber das Witzige ist: Wenn man genau hinschaut, sind die preislichen Unterschiede gar nicht mehr so groß“, sagt Peter Schmidt. Als Biobauer sei er von manchen preislichen Entwicklungen weniger stark betroffen als andere Betriebe. Die Preise von Dünger und Diesel schießen aktuell in die Höhe: „Kunstdünger nutzen wir nicht, und da viele von uns auch nicht so hoch mechanisiert arbeiten, verkraften wir auch die Dieselpreise“. Generell seien Bio-Produkte meist preisstabiler, so Schmidt. 

Das Haus am Berg in Neunkirchen-Seelscheid setzt auf regionale Zusammenarbeit.

Das Haus am Berg nutzt ausschließlich regionales Gemüse für seine Küche.

Michael Frank nickt. Frisches Gemüse vom Bauern sei außerdem länger haltbar, und man könne meistens genau die Menge bestellen, die man auch braucht. Das spare im Endeffekt auch wieder Geld. „Dadurch, dass wir keine riesigen Mengen abnehmen müssen, haben wir auch viel weniger Müll“, sagt Louise Scheben. 

Restaurant-Betreiber wollen ihre Kundschaft in Kriegszeiten entlasten

Michael Frank geht gerne auf lokale Betriebe zu und fragt nach einer Zusammenarbeit, manchmal sprechen ihn aber auch Gäste des Restaurants an, die selbst etwas produzieren. „Zum Beispiel ein Feuerwehrmann, der im Nebenerwerb ein paar Lämmer hält“, erzählt Frank. „Wenn etwas geschlachtet wird, nehmen wir auch gerne alles, was die anderen nicht brauchen. Unsere Gäste freuen sich, wenn wir etwas Außergewöhnliches zubereiten.“

Wenn man nur regional bezieht, müsse man aber auch kreativ werden: Vor allem die Monate Februar und März seien oft schwierig, wenn kaum etwas wachse. „Dann müssen wir uns vorbereiten und zum Beispiel einlegen und fermentieren, damit wir nicht nur Knollensellerie anbieten können“, so Frank. In den letzten Wochen habe es zum Beispiel keinen grünen Salat gegeben. „Das müssen wir den Leuten natürlich auch erklären. Im Großhandel bekommst du ja auch dann Salat, wenn keine Saison ist“, so Louise Scheben.

Durch ihre enge regionale Zusammenarbeit und ihr saisonales Angebot kann das Haus am Berg seine Preise auch in der aktuellen Zeit stabil halten. Dennoch möchten Michael Frank und Louise Scheben ihre Kundinnen und Kunden entlasten: Während der Kriegszeiten geben Sie einen Rabatt von fünf Euro pro Tisch, quasi als Ausgleich für die erhöhten Spritpreise. Wenn Gäste das nicht in Anspruch nehmen möchten, spenden sie das Geld an „Ärzte ohne Grenzen“: „Denn die helfen in Krisengebieten oft unter Einsatz ihres Lebens“, so Frank. Eine Spendenbox steht im Lokal bereit.