Lohmar – Nach zehn Jahren Bündnis mit der CDU haben die Grünen gestern Abend eine eigene Bürgermeisterkandidatin gekürt: Claudia Wieja erhielt 100 Prozent der abgegebenen Stimmen, es gab keine Enthaltung und keine Nein-Stimmen.
Die 1965 in Köln geborene Claudia Wieja lebt seit 1972 in Lohmar. Sie studierte in Bonn Volkswirtschaft. Im Alter von 20 Jahren trat sie in die SPD ein, kandidierte 2004 für den Stadtrat und holte das einzige Direktmandat. Nach einem innerparteilichen Streit trat der gesamte SPD-Vorstand zurück, Wieja wechselte im Mai 2005 in die Grünen-Fraktion. Sie hat vier Kinder (12 bis 21 Jahre), ist in zweiter Ehe verheiratet mit dem grünen Stadtratsmitglied Horst Becker und wohnt in Wahlscheid.
21 der etwa 70 Parteimitglieder hörten im Aueler Hof eine pointierte Rede der 48-Jährigen. Wieja, die seit zwei Wahlperioden im Stadtrat mitarbeitet, verwies auf Erfolge: „Unserer Stadt geht es finanziell nicht so schlecht wie anderen, vergleichbaren Kommunen.“ Bei der Stadtentwicklung wolle sie Akzente setzen, attraktiven, barrierefreien Wohnraum für Ältere schaffen.
In die frei werdenden Einfamilienhäuser könnten junge Leute mit Kindern einziehen. Einen weiteren Schwerpunkt will die Volkswirtin, die im Marketing einer Pharmaziefirma arbeitete, als Coach und seit eineinhalb Jahren bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, bei der Ansiedlung von Firmen setzen. So seien zwar die Weichen für ein Innovationszentrum am Auelsweg gestellt, getan habe sich aber noch nichts. Vielleicht, so Wieja, sei der scheidende Bürgermeister Wolfgang Röger bereit „für eine Rolle in der Wirtschaftsförderung“.
Ihre Mitbewerber – die CDU schickt den Fraktionsvorsitzenden Horst Krybus ins Rennen, SPD und FDP Uwe Grote – erwähnt sie nicht, nur soviel: „Ja, ich kann das. Ich kandidiere nicht gegen jemanden.“ Die CDU, so der Grünen-Fraktionschef Charly Göllner, sei nicht erfreut gewesen: „Das läuft ja auf eine Stichwahl hinaus.“
