- 150 Tonnen Fisch im Jahr: Das ist der Nahrungsbedarf der 1000 Kormorane im rechtsrheinischen Kreisgebiet.
- Entsprechend seien die Bestände von Äschen, Barben und Döbel sowie anderen Fischen, auch von Wanderfischen, drastisch zurückgegangen.
- Deswegen dürfen Kormorane für die Dauer von zunächst drei Jahren geschossen werden - mit Einschränkungen.
Rhein-Sieg-Kreis – Für die Dauer von zunächst drei Jahren dürfen Kormorane auch in den Naturschutz- und FFH-Gebieten von Sieg, Agger und Bröl geschossen werden. Dafür sprach sich der Beirat bei der Unteren Naturschutzbehörde mit großer Mehrheit aus. Geschossen werden dürfen bis zu 100 Vögel in der Zeit von Mitte August bis Ende November, allerdings nur von Jagdausübungsberechtigten.
Zum Schutz von Gänsesägern, Sumpfohreulen und Zwergtauchern sind einige Flächen ausgenommen, wie die Vogelschutzgebiete an der Siegmündung und in der Wahner Heide, am Mondorfer See sowie am Siegaltarm in Eitorf und Schladern (Krummauel).
Nahrungsbedarf von 150 Tonnen Fisch im Jahr
Einen Antrag zum Abschuss der Fischjäger hatte die Sieg-Fischerei-Genossenschaft (SFG) gestellt und um Befreiung von den Vorschriften des Naturschutzes gebeten. Im Beirat erläuterte SFG-Geschäftsführer Wilhelm Kreutzmann die Gründe. Die schätzungsweise 1000 Kormorane im rechtsrheinischen Kreisgebiet haben laut Kreutzmann einen Nahrungsbedarf von 150 Tonnen Fisch im Jahr.
Entsprechend seien die Bestände von Äschen, Barben und Döbel sowie anderen Fischen, auch von Wanderfischen, drastisch zurückgegangen. Das bekräftigte Armin Nemitz vom Landesfischereiverband. Die Kormorane seien zudem keine Vögel der Mittelgebirgsregion. Dr. Ralph Schöpwinkeln von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) legte Wert auf die Feststellung, dass es sich bei Kormoranen nicht um Neozoen (eingeschleppte oder eingewanderte Tierarten) handele. Laut Kreutzmann haben die Kormorane über ihr Einwirken auf den Fischbestand auch Auswirkungen auf das Algenwachstum und die gesamte Ökologie in den Fließgewässern. Wilfried Limper (Imkerverband) betonte: „Es geht nicht darum, die Kormorane auszurotten, sondern sie einzuschränken.“
Baumgartner schlägt Arbeitskreis vor
Achim Baumgartner (BUND), der dem Antrag positiv gegenüberstand, kritisierte allerdings, dass keine konkreten Zahlen zum Fischbestand vorgelegt worden seien. Die hätte man zum Beispiel durch Elektrofischen feststellen können, sagte Baumgartner.
Baumgartner warb dafür, zusammenzuarbeiten, und regte einen Arbeitskreis an. Dafür plädierten auch der Beiratsvorsitzende Dr. Norbert Möhlenbruch (Landesjagdverband) und Nemitz. Ralf Jakob (BUND) betonte, es müsse noch mehr passieren als nur die Vergrämung der Kormorane. So seien zum Beispiel mehr natürliche Lebensräume für die Fische notwendig.
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Auf Anregung von Dr. Michael Pacyna (LNU) sprach sich der Beirat außerdem dafür aus, dass an Standorten von Eisvögeln nicht geschossen werden darf.



