Bornheim – Die Nachbarn staunten nicht schlecht: Die neuen Mieter nebenan schienen ja wahre Botaniker zu sein. In großen Mengen wurde Blumenerde an die Adresse des Einfamilienhauses in Walberberg angeliefert, auch viel, viel Dünger und Blumentöpfe in Serie. Nach zwei Monaten aber schöpften sie dann doch Verdacht und gaben der Polizei einen Hinweis. Ihr Misstrauen war noch verstärkt worden, als auch Fenster im Erdgeschoss teilweise mit Folien abgeklebt wurden. Die Nachbarn hatten einen guten Riecher. Vor ihrer Nase war im Frühjahr des vergangenen Jahres eine Indoorplantage mit hohem technischen Aufwand eingerichtet worden. Bei der Hausdurchsuchung am 22. April 2015 breitete sich vor den Drogenfahndern eine wahrhaft gigantische Plantage mit blühendem Cannabis aus. Auf zwei Ebenen im Keller und im Erdgeschoss sicherten sie 1475 Pflanzen, die – so hat es später ein Gutachter errechnet – knapp 68,7 Kilo Marihuana mit einer Verkaufserwartung von 240 000 Euro ergeben hätte.
Drogenhandel
Die Bonner Staatsanwaltschaft hat jetzt eine Frau und drei Männer im Alter zwischen 27 und 40 Jahren wegen Drogenhandels im großen Stil angeklagt, wie Gerichtssprecher Bastian Sczech gestern bestätigte. Die beiden mutmaßlichen Initiatoren der Indoorplantage – eine 28-Jährige aus Köln und ihr 40-jähriger Komplize – wurden am Tag der Durchsuchung festgenommen. Beim Zugriff war sie in der Plantage, während bei dem Familienvater zeitgleich in Köln die Handschellen klickten. Laut Anklage soll es bereits zu ersten Verkäufen gekommen sein, denn bei dem 40-Jährigen wurden zudem mehrere 1000 Euro gefunden.
Die beiden Mitangeklagten aus Bonn und Bergisch Gladbach sollen bei der Einrichtung und dem Aufbau der Plantage geholfen haben. Sie sind deswegen auch nur wegen Beihilfe angeklagt.„Die Polizei geht von einer überdurchschnittlich professionellen Plantage aus“, bestätigte Gerichtssprecher Sczech gestern. Um so überraschender, dass zwei der vier Angeklagten nicht vorbestraft sind. Nur einer soll bei der Einfuhr von Drogen bereits erwischt worden sein. Nach ersten Geständnissen wurden die beiden mutmaßlichen Initiatoren wieder haftverschont. Demnächst müssen sie sich vor dem Bonner Landgericht verantworten.